Manuel Krieger: „Die Bude hat gebrannt“

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Manuel Krieger, der Fußballfan und Schiedsrichter, war bei allen drei Deutschland-Spielen in München im Stadion und hofft jetzt auf Wembley.
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Fußball, Europameisterschaft Ein Trio von der Ostalb hat alle drei EM-Spiele Deutschlands in München im Stadion live miterlebt. Geht's jetzt zum Halbfinale und Finale nach Wembley?

München/Schwäbisch Gmünd.

Manuel Krieger hat - zusammen mit Freunden - die deutsche Mannschaft schon zu den EM-Qualispielen nach Weißrussland und Nordirland begleitet. Und auch in Deutschland waren sie in den vergangenen Jahren immer wieder bei Länderspielen live im Stadion. Gegen Frankreich, Portugal und Ungarn fieberte der Landesligareferee der Gmünder Schirigruppe zusammen mit Martin Bofinger und Ernst Mayer in der Münchener Allianz-Arena dem Einzug von Jogis Jungs ins Achtelfinale entgegen.

„Gegen Ungarn, das war schon eine gewaltige Zitterpartie“, sagt Krieger. Wenn Deutschland ins Halbfinale und dann ins Finale kommen sollte, fahren die drei nach London, um im Wembleystadion vielleicht den Europameister zu feiern. Die Karten sind bereits reserviert.

Ob es so weit kommen kann, das hängt nicht nur von dem Ergebnis der deutschen Nationalmannschaft im Achtelfinale am Dienstag gegen England und dann vom Viertelfinalspiel gegen den Sieger aus der Partie Schweden gegen die Ukraine ab. „Das hängt auch von den Ein- bzw. Rückreisebestimmungen ab“, sagt Manuel Krieger. Die momentan noch drohende Quarantäne bei der Einreise nach Deutschland wollen sie nicht eingehen. „Dann bleiben wir lieber zuhause.“

Schade wär's. Denn bei einem solch internationalen Ereignis direkt im Stadion dabei sein zu können, „das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis“, erzählt der Gmünder Fußballschiri. Dreimal waren er und seine Freunde in München. Dreimal haben sie eine ganz andere Atmosphäre erlebt. „Uns war schon bewusst, dass es gegen die Franzosen schwer werden würde“, blickt Krieger auf die 0:1-Auftaktniederlage gegen den Weltmeister zurück. Aber: „Mich hat die Spielweise der Franzosen überrascht“, sagt Krieger. „Die sind hinten reingestanden und haben mit ihren schnellen Stürmern nur auf Konter gelauert.“ Die Rechnung ging auf. Wenn auch mit deutscher Mithilfe durch Hummels Eigentor. „Die Fünferkette hat überhaupt nicht funktioniert. Und man gemerkt, dass uns ein klarer Neuner fehlt“, so die Analyse des Fußballkenners von der Ostalb.

Es habe ihn deshalb überrascht, dass Jogi Löw gegen Portugal auf die komplett selbe Startaufstellung gesetzt habe. Am Ende sei es „eines der schönsten und besten Länderspiele gewesen, die ich je live im Stadion gesehen habe.“ Obwohl nur 14000 Zuschauer da waren, „hast du gedacht, das Stadion ist voll. Die Atmosphäre war super. Die Bude hat gebrannt“, schwärmt Manuel Krieger noch immer von einem ganz besonderen Fußballerlebnis, das Deutschland mit 4:2 für sich entscheiden konnte.

„Mannschaft hat uns buchstäblich Im Regen stehen lassen“

Mit dieser Vorfreude seien er und seine Freunde am Mittwoch erneut nach München zum letzten Gruppenspiel gegen Ungarn gefahren. „Die Mannschaft hat uns buchstäblich im Regen stehen lassen“, erzählt Fußballfan Manuel Krieger. „Ungarn hat sich reingebissen. Wir haben da nichts dagegen gehabt.“ Krieger: „Wir sind hinter dem Tor von Manuel Neuer gestanden und haben uns auf der Großleinwand noch einmal das 1:1 angeschaut, „als wir schon wieder in Rückstand lagen.“ Nervenaufreibend sei es anschließend gewesen. „Man hat ja auch immer den Spielstand vom Parallelspiel Frankreich gegen Portugal auf dem Handy verfolgt.“

Die Fans im Stadion seien es gewesen, die Jamal Musiala und Leon Goretzka gefordert haben. Spät genug habe sie Jöw dann auch gebracht. Zum Glück. Das 2:2 geht maßgeblich auf deren Kosten. Musiala als Mit-Vorbereiter, Goretzka der Torschütze.

Es war ein Moment, da haben die Zuschauer im Stadion „die Coronabestimmungen für einen kurzen Moment vergessen und sind sich - mit Maske - in den Armen gelegen.“

Das Thema Corona und die Verhaltensmaßnahmen würden die Fans immer bei sich tragen, erzählt der 27-Jährige. „Ich finde es gut, dass bei dieser EM Zuschauer zugelassen werden“, sagt er. Betont aber, dass die Verhältnismäßigkeit stimmen müsse. „Ein volles Stadion wie in Budapest ist für mich ein 'No-Go'“, betont er. „Die 14000 in München seien in Ordnung. Auch wie die Münchener den Einlass organisiert haben, ist gut.“

Wie weit wird die deutsche Mannschaft kommen? „Wenn wir so wie gegen Ungarn spielen, verlieren 0:5. So kommen wir nicht weiter“, sagt Krieger. Manuel Krieger setzt darauf, dass Jogi Löw seine Startelf stark verändern und auf die Viererkette umstellen wird. Mit Musiala, Goretzka, „und hoffentlich kann auch Thomas Müller wieder dabei sein.“ Dann könne es auch gegen England vor deren eigenem Publikum klappen. Das könnte der Türöffner für den Weg ins Endspiel sein.

„Überragend, was meine Kollegen da abliefern“

Dass ein Schiedsrichter als Zuschauer eines Fußballspiels immer auch seine Kollegen auf dem Feld besonders unter der Lupe hat, ist klar. „Über einzelne Szenen kann man immer diskutieren“, sagt Manuel Krieger und betont:. „Ich finde es aber überragend, was meine Kollegen da abliefern. Die lassen ziemlich viel laufen. Ich bin auch ein Freund davon. Und die Abstimmung mit den Kollegen in Sachen Videobeweis läuft hervorragend.“

Er selbst ist wie die Amateurfußballer seit Monaten raus aus dem Geschehen. „Ich habe bei den Bundesliga-Junioren ein paar Mal an der Linie assistiert. Darüber habe ich mich sehr gefreut.“ Jetzt freut sich der Landesligaschiri des TSB Gmünd darauf, bald wieder selbst auf dem Platz stehen dürfen. Am liebsten natürlich im Gespann mit seinen Kollegen Daniel Schrimpf und Manuel Barth.

Das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis.“

Manuel Krieger, Fußballfan und Schiedsrichter

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