Markus Thiele: „Ich hätte Kienle nicht gehen lassen“

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Markus Thiele kehrt mit dem SSV Ulm 1846 an seine alte Wirkungsstätte zurück.
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Der 39-Jährige kehrt am Dienstagabend mit dem SSV Ulm 1846 zu seinem Herzensverein VfR Aalen zurück. Dort, wo er im Profifußball groß wurde - und später nicht mehr gefragt war.

Aalen / Ulm

Als der VfR Aalen vor gut zwei Jahren einen neuen Geschäftsführer gesucht hat, war er für viele ein Wunschkandidat: Markus Thiele. Doch der Verein entschied sich anders. Seit April hat der 39-Jährige beim Ligakonkurrenten SSV Ulm 1846 das Sagen, und mit den „Spatzen“ gastiert der Aalener an diesem Dienstagabend in der Ostalb-Arena. Im Interview spricht er über den Aufstieg, einen Abwärtstrend und eine Radtour.

Herr Thiele, Sie sind jetzt ein gutes halbes Jahr im Amt und haben einiges erlebt. Auch eine Trainerentlassung.

Thiele: Die Trennung von Holger Bachthaler ging nicht von mir aus.

Sondern?

Es hatte mit der Entwicklung des Vereins zu tun. Mit der Aufstellung zum Profitum. Die Überzeugung zum Trainer war nicht mehr zu 100 Prozent da, deshalb konnten wir mit ihm nicht mit voller Überzeugung in die neue Runde gehen.

Der SSV 1846 will in die 3. Liga. Hat die Mannschaft jetzt schon die nötige Qualität?

Wir sind nicht die am besten besetzte Mannschaft in der Liga. Elversberg, Homburg oder Offenbach haben eine höhere individuelle Qualität. Wir kommen übers Team, deshalb haben wir uns auch für Thomas Wörle als neuen Trainer entschieden. Er lebt diesen Teamgedanken vor. Und dieses Team hat bislang gezeigt, dass es eine tollen Moral und Einstellung hat. Und es hat eine tolle Entwicklung durchgemacht.

Anders gefragt: Ist der SSV Ulm 1846 gescheitert, wenn er diese Saison nicht aufsteigt?

Nein. Es ist zwar kein Geheimnis, dass ich nicht hier hergekommen bin, um dauerhaft in der Regionalliga zu bleiben. Aber es ist auch keine Hop-oder-Top-Saison, zumal wir nicht den größten Etat haben. Wenn sich die Chance auf den Aufstieg ergibt, wollen wir sie nutzen. Und falls wir diese Chance verpassen, muss die Runde der nächste Entwicklungsschritt gewesen sein.

Zu dieser Entwicklung gehört auch, dass Sie ihren langjährigen VfR-Weggefährten Bastian Noth aus Aalen als Teammanager nach Ulm geholt haben.

Das war kein Freundschaftsdienst. Bastian stellt einen großen Mehrwert für uns dar, auch wenn er nur in Teilzeit für uns arbeitet. Er kennt die Mechanismen des Profifußballs aus seiner VfR-Zeit. Er soll als Teammanager mithelfen, dass wir weiter die Strukturen für den Profifußball in Ulm verfeinern.

Ein anderer Aalener hat den SSV Ulm 1846 verlassen - und stürmt jetzt wieder für den VfR: Torjäger Steffen Kienle.

Der Wechsel war vor meiner Zeit in Ulm. Ganz ehrlich: Ich hätte Steffen Kienle hier nicht gehen lassen. Mit seiner Einstellung, Mentalität und Qualität würde er uns sehr gut tun.

Sie waren ein heißer Kandidat für den VfR Aalen, als es darum ging, einen neuen Geschäftsführer zu installieren. Der Verein hat sich für Giuseppe Lepore entschieden, obwohl Sie für viele der Wunschkandidat waren.

Es stimmt, ich hätte diese Aufgabe gerne übernommen, weil mein Herz immer am VfR hängt. Aber es ist anders gekommen, und jetzt ich bin beim SSV Ulm 1846 sehr glücklich. Es macht mir großen Spaß, den Verein weiterzuentwickeln. Seit ich da bin, haben wir 16 Sponsoren dazugewonnen, die ein Volumen von 180 000 Euro mitbringen. Auch unsere Zuschauerzahlen gehen deutlich nach oben. Im ersten Spiel hatten wir 1200, am Freitagabend waren es über 2200.

Wie beurteilen Sie als ehemaliger Geschäftsführer die Entwicklung des VfR Aalen?

Tatsache ist: Seit ich 2018 weggegangen bin, ist die Entwicklung stets bergab gegangen. Das hat nichts mit meiner Person zu tun. Aber damals gab's das Projekt, dass der VfR in der Saison 2021/2022 in die 2. Bundesliga zurückkehren möchte. Ich denke, dass in der jüngsten Vergangenheit nicht alle Entscheidungen glücklich waren. Denn dass die Region Aalen das Potenzial für höherklassigen Fußball hat, ist unbestritten.

Wo erwarten Sie den VfR Aalen in dieser Saison?

Der VfR hat die Qualität im Kader, um eine gute Runde zu spielen. Schott Mainz, Balingen und Bahlingen haben deutlich schlechtere Voraussetzungen, deshalb erwarte ich den VfR Aalen im Mittelfeld.

Sie gastieren am Dienstagabend mit Ihrem SSV Ulm 1846 in Aalen. Ist ein Sieg Pflicht für Sie?

Von einem Pflichtsieg zu sprechen, wäre arg hoch gegriffen. Aber wir fahren auf die Ostalb, um das Spiel zu gewinnen.Allerdings treten wir mit Demut an, der VfR Aalen hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er Ulm schlagen kann.

Wie besonders ist für Sie das Spiel bei Ihrem Ex-Verein?

Das Thema ist für mich abgeschlossen. Ich freue mich lediglich darüber, dass ich mit dem Fahrrad zu einem Auswärtsspiel fahren kann ...

Ich hätte die Aufgabe gerne übernommen.“

Markus Thiele, Geschäftsführer des SSV Ulm 1846

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