Mehr Engagement und höhere Wertschätzung für den Frauenfußball

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Der FC Ellwangen ist in der Umgebung der einzige Verein, der von den D-Juniorinnen bis zu den U17-Juniorinnen alle Jugendmannschaften besetzt, dazu zwei Frauenmannschaften im Spielbetrieb hat.
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Reinhold Köder vom FC Ellwangen hofft auf mehr Einsatz und Anerkennung von Funktionären und Verbänden.

Ellwangen. Seit fast 15 Jahren lebt Reinhold Köder beim FC Ellwangen für Mädchen- und Frauenfußball, macht sich immer wieder Gedanken zu dessen Entwicklung in Deutschland, in Württemberg und im Fußball-Bezirk Ostwürttemberg. „Wir haben beim DFB und in den Landesverbänden bis hinunter zu den Bezirken die Entwicklung seit 2010 einfach verschlafen“, stellt er fest.

Wie es anders geht, hat er gerade zur Frauen-Europameisterschaft in England festgestellt. Denn beim Finale im Londoner Wembley-Stadion hat er mit seiner Familie Stimmung und die Begeisterung für den Frauenfußball dort genossen, aber auch die gute Leistung der deutschen Mannschaft. Und festgestellt, wie viel der englische Verband, die Medien, Sponsoren, die Fans dort für diesen tun. „England, aber auch Frankreich, Spanien haben sich enorm entwickelt und Deutschland überholt“, sagt er. So werde bei TV-Verträgen die Frauen-Nationalmannschaft mit der der Herren verknüpft und bekäme Spielzeiten zur Primetime, „nicht wie bei uns nachmittags um 16 Uhr vor 2000 Zuschauern“, sagt Köder.

Er vermisst generell die Akzeptanz für Frauen bei Funktionären auf allen Verbandsebenen und in Vereinen, aber auch bei Medien, Sponsoren, Eltern in Deutschland. „Wie der DFB hat auch der Württembergische Fußballverband WFV lange gebraucht für Änderungen, und der Bezirk Ostwürttemberg noch einmal Jahre, bis er DFB-Verordnungen umsetzte“, erzählt Köder. Beispielsweise habe der DFB 2011 in der Jugendspielordnung die Möglichkeit geschaffen, dass Mädchenmannschaften bis U15 bei jüngeren Jahrgängen der Jungs mitspielen können, der WFV brauchte zwei weitere Jahre und viel Anstoßen unter anderem von Seiten des FCE, bis das auch hier möglich wurde.

Man müsse den Hype nach der EM mitnehmen, um auch im Bezirk die Akzeptanz vor allem bei Eltern, aber eben auch bei Vereinen zu schaffen, damit mehr Mädchen Fußball spielen können. Sie dürfen zwar in Jungsmannschaften  spielen, aber problemlos nur bis zur U13. Darüber nur aus Gründen der Talentförderung. Da würde in den Vereinen zu wenig geboten, nur der VfR Aalen nehme talentierte Mädchen in seine Nachwuchsförderung, der FC Heidenheim beispielsweise nicht. „Da  ist es immens wichtig für die Region, dass der VfB Stuttgart jetzt in den Frauenfußball einsteigt“, sagt Köder. Die Zugkraft der Herren-Bundesligavereine sei wichtig, wie Bayern München, VfL Wolfsburg, SC Freiburg und andere, sie könnten auch professionellere Bedingungen als kleinere Vereine bieten.

 Der FC Ellwangen ist in der Umgebung der einzige Verein, der von den D-Juniorinnen bis zu den U17-Juniorinnen alle Jugendmannschaften besetzt, dazu zwei Frauenmannschaften im Spielbetrieb hat. Die 1. ist gerade in die Landesliga aufgestiegen, die U17 spielt Oberliga. Rund 100 Mädchen werden von 12 Trainerinnen und Trainern betreut, von denen sechs neu sind. „Die Vereine müssen sehen, dass auch die Mädchen Beiträge zahlen, dass man Eltern und Kinder an den Verein binden kann, von denen sich viele engagieren würden, dass man sich als Verein integrativ und innovativ zeigen und so Sponsoren gewinnen kann“, ergänzt der Sportliche Leiter.

Seiner Erfahrung nach wollen viele  Mädchen bereits in jungen Jahren Fußball spielen, doch meist bremsten zunächst die Eltern. „Bis sie eben lange genug nerven“, schmunzelt Köder. Dann kommen sie mit 10, 11 Jahren. Wenn sie aber in Jungsmannschaften mitspielen sollen, würden sie oft zu wenig eingesetzt – und springen dann ab. „Wir brauchen mehr Mädchenmannschaften, mehr Vereine, die solche anbieten“, fordert er. „Und Förderung und Ideen und Geld von Verbänden und Bezirken.“ ⋌Jürgen Eschenhorn

Reinhold Köder ist bei den Frauen des FCE Sportlicher Leiter.
Mit Vorfreude blicken die Frauenmannschaften des FC Ellwangen auf die kommende Saison.

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