Laufsport

Michael Weißkopf läuft im Dauerregen zum Triumph

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Michael Weißkopf hat beim Innsbrucker "Alpine-Trail-Festival" über die 80-Kilometer-Distanz den Sieg in seiner Altersklasse geholt.
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Der Extremsportler aus Bopfingen gewinnt beim „Alpine-Trailrun-Festival“ in Innsbruck nach 79 Kilometern und 3000 Höhenmetern die Altersklassenwertung.

Innsbruck

Er wollte finishen - und stand nach ziemlich genau 10 Stunden ganz oben auf dem Siegerpodest. Michael Weißkopf hat beim „Alpine-Trailrun-Festival“ in Innsbruck beim K85 triumphiert. Der Extremsportler aus Bopfingen ließ sich weder vom Dauerregen noch von der Dunkelheit stoppen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Möglichkeiten habe, so ein Rennen zu gewinnen“, sagt der 50-Jährige.

Die Fakten des Laufs: 79 Kilometer Distanz - davon 65 Prozent Trails, 3000 Höhenmeter, Start um Mitternacht und mit der Schwierigkeit „schwer“ gekennzeichnet. Michael Weißkopf hat vier Stunden vor dem Start gut gegessen und sich dann noch gut eine Stunde hingelegt. „Schlafen kannst du da nicht mehr“, sagt der Extremsportler, der einen Rucksack mit Pflichtausrüstung mit sich tragen musste.

Der erste Streckenabschnitt führte die Läufer von Innsbruck über Bergisel Richtung Stubaital. „Ich war im ersten Startblock und bin den ersten Kilometer in 4:14 Minuten gelaufen“, sagt der Bopfinger. Und er wusste, dass er Tempo rausnehmen muss, wenn er durchkommen will. Apropos Tempo: „Bei diesen Bedingungen kann man nicht nach der Uhr laufen, sondern nach Bauchgefühl.“ Weißkopf hat schnell seine Pace gefunden und sich auf der Strecke wohl gefühlt. Auch der Dauerregen machte ihm nicht zu schaffen. „Du bist nach fünf Minuten klatschnass, und daran ändert sich eh nichts mehr ...“ Allerdings: Wegen des Regens war besondere Vorsicht geboten, weil die Trails glitschig waren. Der 50-Jährige war schon nach wenigen Kilometern auf sich alleine gestellt, und das kam ihm entgegen: „Ich konnte mich besser auf die Strecke konzentrieren und hatte mit der Stirnlampe eine bessere Sicht.“ Der Bopfinger spulte Kilometer für Kilometer ab. „Ich habe mich gut gefühlt“, sagt er. Nach 25 Kilometer war der erste Berg geschafft, Über Götzens und Völs ging's über die Innsbrucker Nordkette Richtung Hall. Mit einem weiteren knackigen Anstieg bei Kilometer 42. „Nach vier, fünf Stunden kommt die Müdigkeit“, sagt Weißkopf. Viel Cola, Power-Gel und Suppen helfen dagegen. „Ab diesem Zeitpunkt ist es eine reine Kopfsache“, sagt er. Und kämpfte weiter.

Ehefrau Natascha informiert ihn

Vor dem letzten Anstieg sagten ihm seine Ehefrau Natascha und Gerhard Eckert, der die 32-Kilometer-Distanz absolvierte und den er zufällig traf, dass er seine Altersklasse anführe. „Das war mir eigentlich nicht recht, weil ich dadurch noch mehr Druck aufgebaut habe.“ Zumal hinter ihm plötzlich ein weiterer Läufer auftauchte, der immer näher kam. „Mit ihm habe ich mich auf den letzten 15 Kilometern duelliert, aber er war schneller.“ Erst beim Zieleinlauf hat Weißkopf erfahren, dass sein Konkurrent einer anderen Klasse angehört. „Damit war klar, dass ich die Altersklasse gewonnen habe“, sagt er - glücklich und erschöpft zugleich. „Das ist ein Riesenerfolg für mich und zugleich eine Bestätigung des hohen Aufwands, der dafür nötig ist.“

80 bis 100 Trainingskilometer spult Michael Weißkopf pro Woche ab. Dazu Koordinations-, Stabilisations- und Krafttraining mit einem Physiotherapeuten. Letzteres sieht er als einen entscheidenden Erfolgsfaktor. „Das macht nicht immer Spaß, ist aber wichtig für meinen Körper.“ Wichtig ist auch die Regeneration nach diesem Extremlauf. „Zwei, drei Tage hast du Muskelkater, außerdem habe ich 6500 Kalorien verbraucht. Da muss man auch mal die Beine hochlegen und nichts tun.“

Lange ausgehalten hat Michael Weißkopf das aber nicht. Inzwischen läuft der 50-Jährige wieder. Täglich. Und bereitet sich auf die nächste Herausforderung vor: den „Lavaredo Ultra Trail“ in Cortina d'Ampezzo - diesmal über 120 Kilometer und 6000 Höhenmeter.

Mehr Bilder gibt's unter www.schwaepo.de.

Es ist dann eine reine Kopfsache.“

Michael Weißkopf, Extremsportler aus Bopfingen
Michael Weißkopf hat beim Innsbrucker "Alpine-Trail-Festival" über die 80-Kilometer-Distanz den Sieg in seiner Altersklasse geholt.
Michael Weißkopf hat beim Innsbrucker "Alpine-Trail-Festival" über die 80-Kilometer-Distanz den Sieg in seiner Altersklasse geholt.
Michael Weißkopf hat beim Innsbrucker "Alpine-Trail-Festival" über die 80-Kilometer-Distanz den Sieg in seiner Altersklasse geholt.

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