„Mir fehlen zehn Stammspieler“

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Viel Arbeit, wenig Zeit: Rainer Scharinger ist erst seit dem 11. Mai 2021 Trainer der SG Sonnenhof Großaspach. Seine Aufgabe ist es, die jungen Spieler bis zum 12. Juni besser zu machen. An diesem Samstag geht's gegen den VfR Aalen.
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Duell gegen den Ex-Verein: Trainer Rainer Scharinger trifft an diesem Samstag mit der SG Sonnenhof Großaspach auf den VfR Aalen. Den hat er 2010 zum Double geführt.

Großaspach.

Rainer Scharinger hat im Fußball viel erlebt. Die Situation bei der SG Sonnenhof Großaspach ist aber auch für den 54-Jährigen neu. Und die Voraussetzungen fürs Heimspiel gegen den VfR Aalen (14 Uhr) sind alles andere als gut. Im Interview spricht er über den Nachwuchs und einen Routinier, den „ich gerne in meiner Mannschaft hätte“.

Herr Scharinger, kurz vor dem Saisonende sind Sie zurück im Trainergeschäft.

Scharinger: Ja, die Situation ist aber keine einfache.

Wie kam es dazu?

Ich kenne Uli Ferber (Mitgründer der SG Sonnenhof Großaspach, Anm. d. Red.) schon lange, es ist ein Freundschaftsdienst über fünf Spiele, den ich unentgeltlich mache. Ich will dem Verein helfen - zum einen als Trainer, zum anderen, in dem ich eine Bestandsaufnahme mache, die auch schon auf die neue Saison ausgerichtet ist.

Die SG Sonnenhof Großaspach wäre beinahe in die Oberliga abgestürzt. Was läuft schief?

Aktuell haben wir enorme Personalprobleme. Mir fehlen gerade zehn Stammspieler, die bei mir alle in der Startelf stehen würden. So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt.

Wie kompensieren Sie das?

Wir haben gerade erst fünf A-Junioren frei gemacht, die noch kein einziges Seniorenspiel absolviert haben. Wir werden am Samstag sechs, sieben Spieler auf dem Feld haben, die 19 oder 20 Jahre alt sind.

Sie haben vier ehemalige Profis des VfR Aalen in Ihrem Kader.

Oliver Schnitzler und Nils Anhölcher fallen definitiv aus. Das gilt eigentlich auch für Andreas Ivan, aber wenn's irgendwie machbar ist, hätte ich ihn gerne wenigstens auf der Bank. Und Sebastian Schiek wird spielen.

Die Situation ist doch auch eine große Chance für den Nachwuchs.

Eigentlich ja, aber in unserer Situation bekommen die jungen Spieler keine faire Chance. Sie haben in dieser Saison so viele Nackenschläge bekommen, alle sind am Boden. Und es ist keiner auf dem Platz, der den unerfahrenen Spielern technisch und taktisch hilft. Bei uns stützen die 20-Jährigen die 19-Jährigen.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Ich bin hier vor allem Spielerausbilder. Unter der Woche bin ich dabei sehr fordernd, und am Wochenende stelle ich mich vor die Spieler. In den ersten beiden Partien unter mir sind die Jungs 11, 12 Kilometer gelaufen, sie haben alles rausgefeuert. Deshalb kann ich ihnen trotz der beiden Niederlagen keine Vorwürfe machen. Denn: Wir waren jedesmal die bessere Mannschaft.

Und gegen den VfR Aalen wollen Sie sich erstmals belohnen?

Der VfR ist Favorit. Ich weiß, dass die Aalener auch einige Ausfälle haben, aber ohne lamentieren zu wollen: Unsere Ausgangssituation ist schlechter. Wir müssen unsere Waffen wie beispielsweise die Laufbereitschaft auf den Platz bringen. Dann schauen wir, zu was es reicht.

Trainer Uwe Wolf setzt beim VfR Aalen verstärkt auf den Nachwuchs, er hat sogar zwei A-Junioren hochgezogen.

Es ist immer schwierig, in die Extreme zu gehen, und ich habe damit keine guten Erfahrungen gemacht. Du brauchst immer eine gesunde Balance mit Jungen und Alten. Vor allem brauchst du Achsenspieler wie ich sie beim VfR Aalen mit Daniel Bernhardt, Aytac Sulu, Marcel Klefenz und Benjamin Barg hatte. Erfahrung kannst du nicht trainieren. Wenn man ausschließlich auf die Jungen setzt, wird sich das dauerhaft nicht durchsetzen.

Daniel Bernhardt haben Sie 2009 nach Aalen geholt. Unter Uwe Wolf ist der Kapitän aber nicht mehr gesetzt. Ist Bernhardt mit 35 Jahren ein Auslaufmodell?

Daniel Bernhardt ist einer der besten Torhüter in der Liga, ich und sicherlich viele Kollegen wären froh, ihn mit seiner Erfahrung in der Mannschaft zu haben. Er ist also kein Auslaufmodell. Was ich aber in all den Jahren gelernt habe: Dankbarkeit gibt es im Profifußball nicht.

Sie sind nur als Interimstrainer gekommen. Können Sie sich vorstellen, bei der SG zu bleiben?

Diese Frage stellt sich gerade nicht, zumal ich einen Job als Verbandssportlehrer beim Badischen Fußballverband habe und derzeit nur Urlaub habe. Meine Aufgabe ist es, die Jungs hier bis 12. Juni besser zu machen.

Erfahrung kannst du nicht trainieren.“

Rainer Scharinger, Trainer der SG Sonnenhof

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