Mit „Mäx“ auf Olympiakurs

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Bestens gelaunt: Weltmeisterin Anna Rupprecht (unten) vom SC Degenfeld gemeinsam mit Teamkollegin Pauline Heßler beim ersten Lehrgang zur neuen Saison in Oberhof.
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Mit viel Spaß und Ehrgeiz: Anna Rupprecht vom SC Degenfeld zeigt eine starke Frühform - sie profitiert dabei auch vom neuen Bundestrainer Maximilian Mechler.

Bad Endorf / Schwäbisch Gmünd.

Anna Rupprecht ist bestens gelaunt. Sie lacht viel. Und das, obwohl sie lediglich zwei Wochen Sommerpause hatte. Die Skispringerin des SC Degenfeld ist bereits Anfang April ins Vorbereitungstraining eingestiegen. Jetzt ist die 24-Jährige auch wieder auf die Schanzen zurückgekehrt - mit einer unerwartet starken Frühform.

Ein bisschen überrascht war sie selbst. Beim ersten Lehrgang in Oberhof ist Rupprecht teilweise weiter als Katharina Althaus gesprungen - die aktuelle deutsche Nummer eins. Und andere Teamkolleginnen sind selbst mit mehr Anlauf nicht an die Gmünderin herangekommen. „Es war geil“, sagt die amtierende Mixed-Weltmeisterin. „Nicht nur, weil drei Tage lang die Sonne gescheint hat.“ Der Auftaktlehrgang in Thüringen, bei dem Olympiasiegerin Carina Vogt noch verletzungsbedingt gefehlt hat, hat gezeigt: Anna Rupprecht soll auch in der neuen Saison wieder eine Führungsrolle in der deutschen Mannschaft einnehmen.

Max begegnet allen Mädels auf Augenhöhe.“

Anna Rupprecht, Weltmeisterin im Skispringen

So schnell ändern sich die Zeiten. Noch vor einem Jahr hatte der damalige Bundestrainer Andreas Bauer die Gmünderin in den B-Kader versetzt. Ihr Trainer dort hieß Maximilian Mechler. Jener Mechler hat nun Andreas Bauer als Bundestrainer beerbt. „Natürlich hilft es mir, dass ich ihn schon gekannt und unter ihm trainiert habe“, sagt die 24-Jährige. Und sie freut sich darüber, dass Mechler, den die Mädels alle nur „Mäx“ nennen, nun im A-Kader das Sagen. „Er hat einen anderen Ansatz. Und eine Veränderung tut mir gut.“ Bauer habe viel auf Eigenverantwortung gesetzt. Mechler dagegen „bezieht uns in allem mit ein“. Der 37-Jährige suche den Kontakt zu den Springerinnen. „Er redet viel mit uns, er begegnet uns auf Augenhöhe, ich kann mich mit ihm austauschen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.“ Und: „Ich kann ihm alles anvertrauen, auch heikle Themen.“ Was sicherlich auch am jungen Alter liegt. Mit 37 Jahren ist Mechler 20 Jahre jünger als sein Vorgänger Bauer. „Natürlich respektieren wir das Trainer-Athleten-Verhältnis, aber es ist schon sehr kumpelmäßig mit ihm“, sagt Rupprecht, die auch den Mensch Mechler sehr schätzt. „Er ist einerseits einer, der viel Ruhe reinbringt. Andererseits kann man viel Spaß mit ihm haben. Er ist lustig und immer zu Scherzen aufgelegt.“

Trainieren mit den Männern

Anna Rupprecht ist sich sicher, dass sie das neue Trainerteam mit Mechler und den Co-Trainern Christian Bruder und Thomas Juffinger besser machen kann. Wobei es bei ihr aktuell nur kleine Details sind, die besser werden müssen. Beispielsweise ihre Flugphase, die zu schräg ist. „Ich stelle den rechten Ski zu arg an, daran arbeiten wir.“ Und zwar schon ab Sonntag wieder. Dann geht's zum nächsten Lehrgang nach Predazzo in Südtirol. Da kommt es zu einer Premiere: Erstmals trainieren die Skispringerinnen gemeinsam mit den Männern. Das hat es unter Bauer nicht gegeben. Mechler dagegen war einst ein Schützling des heutigen Männer-Bundestrainers Stefan Horngacher. Auch das begrüßt Anna Rupprecht: „Wenn wir mit den Jungs trainieren, dann weiß man , wo der Hammer hängt“, sagt die Gmünderin flapsig. Was sie meint: Die Männer verkörpern das absolute Weltklasseniveau.

Die 24-Jährige weiß, wovon sie spricht. Als eine der wenigen Frauen trainiert sie regelmäßig mit den Jungs, vorwiegend mit Weltmeister Markus Eisenbichler. „Natürlich profitiere ich davon, ich beobachte ihn, schaue mir einiges ab und frage ihn auch um Rat.“

Anna Rupprecht ist sich sicher, dass sie in der neuen Saison noch einmal einen Schritt nach vorne machen kann. Mit einem großen Ziel: die Olympischen Spiele 2022 in Peking. Und sie hat keine Zweifel, dass sie diese miterleben darf. „Ich müsste mich schon verletzen oder ein extremes Formtief haben, wenn ich Olympia verpassen sollte.“

Danach sieht es im Moment aber überhaupt nicht aus. Auch dank „Mäx“ Mechler.

Die Termine: Sommer-Grand-Prix, Weltcup, Olympia

Auftakt. Die Skispringerinnen starten mit dem Sommer-Grand-Prix ins Wettkampfjahr 2021. Die ersten beiden Springen werden am 17./ 18. Juli auf der Schanze (Hillsize: 134 m) im polnischen Wisla ausgetragen.

Wettbewerbe. Der Sommer-Grand-Prix umfasst neun Wettkämpfe. Das Finale findet in Deutschland statt: am 3. Oktober auf der Anlage (Hillsize: 140 m) in Klingenthal.

Winter. Die Weltcup-Saison 2021/2022 beginnt am 4./5.Dezember in Lillehammer. Bereits eine Woche später (11./12. Dezember) springen die Frauen erstmals in Deutschland: in Klingenthal. Es gibt noch zwei weitere Weltcups vor heimischem Publikum: am 29./30. Januar in Willingen und am 12./13. März in Titisee-Neustadt.

Höhepunkt. Saisonhöhepunkt für die Skispringerinnen sind die Olympischen Spiele (4. bis 20. Februar) in Peking (China). alex

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