Mountainbike-Vizeweltmeister Simon Gegenheimer will nicht radfahren

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Simon Gegenheimer
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Der entthronte Weltmeister vom Aalener Racingteam braucht nach der erfolgreichen, aber auch kräftezehrenden Saison eine Pause. Die verpasste Titelverteidigung schmerzt.

Aalen / Barcelona

Fünf Weltcup-Einzelsiege, den Gesamt-Weltcup gewonnen, dazu Silber bei der Weltmeisterschaft - Simon Gegenheimer hat eine „grandiose Saison“, wie er selbst sagt, hinter sich. Und trotzdem ist der Sprinter des Aalener Racingteams nicht richtig glücklich. Zu sehr ärgert ihn die verpasste Titelverteidigung bei der WM in Barcelona. Im Interview spricht der 33-Jährige über einen Fehler, einen würdigen Nachfolger - und Urlaub.

Herr Gegenheimer, sind Sie glücklich mit der Silbermedaille?

Simon Gegenheimer: Es ist halb Freude, halb Enttäuschung.

Enttäuschung, weil Sie wissen, dass erneut der WM-Titel möglich gewesen wäre?

Genau. Meine Vorbereitung, das Training, mein Bike, mein Racingteam, alles war optimal und hätte mich zum zweiten Weltmeistertitel gebracht ...

Und Sie haben im Finale wie gewünscht den Start gewonnen und sind als Erster in die Rechtskurve gefahren. Was ist dann schief gelaufen?

Im Nachhinein hätte ich mich in der Kurve weiter raustragen lassen sollen, um so meinem Rivalen Titouan Perrin-Ganier die Türe zuzumachen. Ich hatte es selbst in der Hand, aber es sind intuitive Entscheidungen, die man während eines solchen Rennens treffen muss - diesmal habe ich die falsche getroffen.

Gab es keine Möglichkeit mehr zu kontern?

Nicht auf diesem kurzen und engen Kurs. Vielleicht wäre das im Viertel- oder Halbfinale gegen andere Konkurrenten möglich gewesen, aber nicht gegen Titouan mit seiner außergewöhnlichen Klasse.

Ist er ein verdienter Weltmeister?

Ja, ich wusste von vorneherein, dass es auf einen Zweikampf zwischen ihm und mir hinauslaufen wird, weil er einfach ein großartiger Sportler ist. Aber er wollte als Franzose auch unbedingt den Weltcup in Paris gewinnen, und er hat auch noch nie den Gesamtweltcup gewonnen. Da habe ich ihm einiges weggenommen, jetzt er hat dafür mir etwas weggenommen.

Dritter bei der WM wurde Ricky Morales - Ihr Teamkollege beim Aalener Racingteam. Wie sehr hat Sie das überrascht?

Ich glaube, diese Bronzemedaille ist nur für Außenstehende überraschend. Ricky hat in den vergangenen Monaten mehrfach sein Potenzial angedeutet, er hat es nur in den Rennen nie rübergebracht. Wir im Team wussten aber, dass er zu so etwas fähig ist, und wir wussten, dass dieser Tag kommt. Dass er ausgerechnet bei der WM kommt, macht uns alle happy. Zumal er mit diesem dritten Platz in seinem Heimatland Geschichte geschrieben hat. Es ist die erste UCI-Medaille überhaupt für Puerto Rico. Das hat vor Ricky noch keiner geschafft.

Puerto Rico ist ein gutes Stichwort: Macht Simon Gegenheimer nach dem Saisonabschluss jetzt Urlaub?

Definitiv. Ich habe jetzt einen Monat Zeit, ehe Anfang November wieder das Training beginnt. Da werde ich einfach einmal abschalten und versuchen, den Kopf frei zu kriegen.

Und das Mountainbike bleibt dann auch mal stehen?

Auf jeden Fall. Es kann gut sein, dass ich in den kommenden zwei oder drei Wochen gar nicht radfahre. Ich werde vielleicht ein bisschen Fitness- oder Stabilisationstraining machen und vielleicht auch mal laufen gehen. Damit ich beim Trainingsbeginn nicht gleich Muskelkater habe.

Und Sie sitzen wirklich zwei oder gar drei Wochen auf kein Fahrrad?

Ja, das kann passieren. Wobei: Wenn mich meine Kumpels anrufen und Enduro fahren gehen,dann kann schon sein, dass ich mitgehe. Dann aber wirklich nur, um Spaß zu haben. Training ist dann keins.

Knapp geschlagen: Simon Gegenheimer fährt bei der WM in Barcelona auf Platz zwei - hinter seinem Dauerrivalen Titouan Perrin-Ganier.
Simon Gegenheimer mit seinen Teamkollegen Marion Fromberger und Dann Noyola.

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