Mühlleitner verpasst Bronze knapp

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Kopf-an-Kopf-Rennen: Henning Bennet Muhlleitner of Germany, Felix Auboeck of Austria and Elijah Winnington of Australia
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Der 24-jährige Gmünder belegt in Tokio über 400 Meter Freistil Platz vier - 13 Hundertstel fehlen zur Medaille. Die Freude über den Erfolg ist groß: „Ich bin maximal zufrieden!“

Tokio / Schwäbisch Gmünd

Roland Wendel hatte im Falle einer Medaille einen Autokorso angekündigt. Am Ende war es nur ein Wimpernschlag, der das nächtliche Hupkonzert verhindert hat. Henning Mühlleitner ist bei den Olympischen Spielen in Tokio über 400 Meter Freistil auf Platz vier geschwommen - nur 13 Hundertstel fehlten in der Nacht zum Sonntag zu Bronze.

Henning Mühlleitner blickte nach dem Rennen zur Anzeigetafel, reckte den Kopf nach hinten und hob die Arme aus dem Wasser: Es war so knapp! Der 24-jährige Gmünder hat nach einer für ihn typischen Aufholjagd nur um wenige Zentimeter Edelmetall verpasst. Mühlleitner schlug nach 3:44,07 Minuten an, Der Dritte Kieran Smith (USA) nach 3:43,94 Minuten. Neuer Olympiasieger ist völlig überraschend der 18-jährige Tunesier Ahmed Hafnaoui (3:43,36). Von Enttäuschung allerdings keine Spur. Mühlleitner strahlte schon kurze Zeit später. Aus gutem Grund: Schon allein der Finaleinzug war für den Gmünder ein Riesenerfolg. „Mir geht's super“, sagte Mühlleitner noch leicht außer Atem. „Ich habe versucht, an den Füßen der anderen Jungs dranzubleiben. Vielleicht war ich etwas zu weit hinten.“ Dennoch: „Ich bin maximal zufrieden!“ Nachdem er im Vorlauf in neuer persönlicher Bestzeit von 3:43,67 Minuten völlig überraschend der Schnellste im gesamten Feld war und sich damit nicht nur den Finaleinzug, sondern auch die schnelle Bahn 4 sicherte, war der Erwartungsdruck plötzlich gestiegen. „Ich habe mir ein paar Leute ausgesucht, mit denen ich sprechen kann, um ein bisschen runterzukommen.“ Der Konsens sei immer derselbe gewesen: „Alle haben gesagt, dass egal ist, was rauskommt. Ich bin im Finale, in der Pole Position. Das ist schon eine richtige Challenge, aus der Komfortzone rauszukommen, und ich habe dasselbe Rennen geschwommen wie im Vorlauf.“

In der Tat: Die Konkurrenz legte im Finale ein Wahnsinnstempo vor. Der Gmünder hing zunächst wie erwartet hinterher. Für die ersten 200 Meter benötigte der Gmünder 1:51,86 Minuten und war damit zunächst Sechster. Dann die große Aufholjagd. Mühlleitner zog wie schon im Vorlauf das Tempo an und verkürzte immer weiter den Rückstand auf das Spitzentrio.

„Nice, Junge ...“

Am Ende schlug er als undankbarer Vierter an - zeitgleich mit dem Österreicher Felix Auböck. Angesichts der Tatsache, dass das große Ziel des Gmünders eine Finalteilnahme war, ist das „ein sensationeller Erfolg“, sagt Roland Wendel.

Auch Mühlleitner kann erhobenen Hauptes zurückblicken. „Nice, Junge ...“, sagte er nach dem Vorlauferfolg zu sich selbst. Diese Zeit hätte übrigens für die Medaille gereicht. Auf der zuschauerfreien Tribüne jubelten unterdessen die Teamkollegen um Weltmeister Florian Wellbrock mit Deutschland-Fahnen über die schlaue Taktik des Gmünders, der die zweiten 200 Meter wieder schneller schwamm als die ersten.

Auf die Frage, ob zehn Meter mehr für die Medaille gereicht hätten, antwortete Mühlleiter gelassen: „Also ich finde es toll, wie man dann nochmal die Energie herziehen kann auf den letzten 50 Metern. Aber da haben ja alle plötzlich nochmals Volldampf gegeben. Zehn Meter länger ist egal, die Bahn ist 50 Meter lang und da zählt, wer als Erstes die Hand an die Wand kriegt - und ich war halt der Vierte heute, so ist das.“

Tatsache ist, dass Mühlleitner dem Team des DSV einen verheißungsvollen Olympiastart verschafft hat. „Henning und sein Trainer Matt Magee haben hervorragende Arbeit geleistet“, lobte auch Bundestrainer Bernd Berkhahn.

Unmittelbar nach dem Finale schaltete Henning Mühlleitner sein Handy wieder ein und bedankte sich prompt bei den vielen Gratulanten. Darunter war natürlich auch Roland Wendel und der SVG-Ehrenvorsitzende Wolfgang Patzke: „Wir sind stolz auf Deine Leistung und drücken Dir für die 4 x 200 Meter Freistilstaffel ganz fest die Daumen“.

In dieser Königsdisziplin des Schwimmsports startet Henning Mühlleitner am 27. Juli um 13 Uhr MEZ zusammen mit Lukas Märtens (Magdeburg), Jacob Heidtmann (Elmshorn) und Poul Zellmann. Auch hier das Ziel: Finale der besten Acht.

Vielleicht war ich etwas zu weit hinten.“

Henning Mühlleitner, Vierter über 400 Meter Freistil
Der Blick zur Anzeigetafel: Henning Mühlleitner hat über 400 Meter Freistil die Bronzemedaille nur um 13 Hundertstel verpasst.

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