Mühlleitners Einzelstart noch offen

  • Weitere
    schließen
+
Das Staffel-Ticket für die Olympischen Spiele hat der Gmünder Henning Mühlleitner in der Tasche. Ob er trotz erreichten Quali-Norm auch im Einzel über die 400m Freistil an den Start gehen darf, wird sich noch weisen. Foto. Eibner

Wenn Doppelweltmeister Florian Wellbrock auf die 400 Meter Freistil verzichtet, steht der Gmünder Henning Mühlleitner bei den Olympischen Spielen in Tokio bereit.

Berlin.

Ob Henning Mühlleitner bei den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) neben der Staffel über 4 x 200 Meter Freistil auch im Einzelwettbewerb über 400 Meter Freistil an den Start gehen darf, entscheidet sich im Laufe dieser Woche, wenn der Deutsche Schwimmverband (DSV) den endgültigen Kader nominiert. Nach absoluten Weltklasseleistungen vieler deutscher Schwimmerinnen und Schwimmer bei der Olympiaqualifikation am Wochenende in der Schwimmhalle des Europarks in Berlin neigen die Bundestrainer Bernd Berkhahn und Hannes Vittense dazu, alle Startoptionen auszunutzen.

Prunkstück 400 Meter Freistil

Das Prunkstück im olympischen Wettkampfprogramm sind aus deutscher Sicht derzeit die 400 Meter Freistil. Hier kraulte der Doppelweltmeister Florian Wellbrock (SC Magdeburg) am Samstag in Berlin mit 3:44,36 Minuten bis auf eine Hundertstelsekunde an seine Weltjahresbestleistung, die er vor einer Woche in Magdeburg erzielte, heran. Dahinter konnten der 19-jährige Lukas Märtens (SC Magdeburg) mit 3:44,86 Minuten und der Gmünder Henning Mühlleitner, der seit drei Jahren für die Neckarsulmer Sport-Union startet, mit 3:45,36 Minuten ebenfalls ihre eine Woche alten Bestzeiten von 3.45,29 bzw. 3:45,55 Minuten noch einmal steigern und erneut die Olympianormzeit von 3.46,40 Minuten unterbieten.

„Mein Ding geschwommen“

Während Henning Mühlleitner vor einer Woche in Eindhoven mehr oder weniger alleine im Becken war „und ich dort mein eigenes Ding geschwommen bin“, freute er sich in Berlin, „dass ich die beiden Jungs neben mir hatte. Die haben mich nochmal schön nach vorne gepeitscht“.

Im Vorlauf über die 400 Meter Freistil am Samstagmorgen schwammen sich die drei DSV-Gladiatoren erst einmal „warm“. Praktisch einen Handschlag nach Wellbrock (3:48,58) schlug Henning Mühlleitner in 3:48,75 als Zweiter an, während Märtens in 3.51,10 Körner für das Finale am Samstagabend einsparte. Das sollte sich für den jungen Magdeburger Shootingstar auszahlen. Auf der letzten Bahn setzten sich Wellbrock (3:44,35 Minuten) mit Märtens (3:44,86) im Schlepptau etwas von Henning Mühlleitner ab, der mit 3:45,36 Minuten seine persönliche Bestzeit von Eindhoven (3.45,55) nochmals toppte. In dem überaus spannenden Rennen führte der Gmünder nach 50 Metern (26,91 Sekunden) und 100 Metern (55,13 Sekunden); bei 200 Metern lag Henning (1.53,24) auf Rang drei, bei 350 Metern war er mit den beiden Magdeburgern wieder gleichauf, ehe er im Endspurt das Nachsehen hatte. Wellbrock und Märtens sicherten sich dadurch die beiden Startplätze des DSV für Tokio.

„Bei einer guten Konkurrenz kommt auch ein entsprechendes Ergebnis heraus“, freute sich Mühlleitner dennoch über seine neue Bestzeit, mit der er in der Weltjahresbestenliste immerhin auf Rang sieben liegt. Und Mühlleitner denkt darüber nach, „in der Olympiavorbereitung nun auch öfter mit Wellbrock und Märtens zusammen in Magdeburg zu trainieren“. Vielleicht darf der Gmünder im Einzel über 400 Meter Freistil dann sogar in Tokio starten.

Denn laut Wellbrock gibt es die Tendenz, dass er diese Strecke dort weglässt, um sich nicht zu verzetteln. Seine Hauptstrecken sind die 800 Meter und die 1500 Meter Freistil im Becken sowie die zehn Kilometer im Freiwasser. „Diese Ziele verfolgen wir fokussiert, die schnelle 400-Meter-Zeit von Florian ist einfach nur eine perfekte Grundlage für alles andere“, sagte in Berlin Bundestrainer Bernd Berkhahn.

Wellbrock selber dachte auch schon über andere Effekte einer solchen Entscheidung nach: „Es sind keine ausländischen Zuschauer/innen in Japan erlaubt, deswegen habe ich Interesse, das deutsche Team groß zu halten und dass viel Stimmung vom Team Deutschland auf der Tribüne gemacht wird. Und ich gönne es Lukas und Henning auch. Wenn ich meinen Start nicht wahrnehme, haben die beiden es verdient zu starten, sie waren auch klar unter der Norm.“

Henning Mühlleitner hielt sich am Sonntag in Sachen Einzelstart professionell zurück: „Dazu kann ich leider noch keine belastbare Aussage machen, ich gehe davon aus, dass im Laufe dieser Woche eine Entscheidung fällt“.

„Das geht an die Substanz“

Der Gmünder Schwimmvereinsvorsitzende Roland Wendel schätzt die Aussichten Mühlleitners für einen Einzelstart so ein: „Wenn Wellbrock über 800 und 1500 Meter im Becken und über die zehn Kilometer im Freiwasser Gold holen will, dann wird er die 400 Meter nur dann schwimmen, wenn es ihm in den Zeitplan passt. Denn er hätte dann im Becken mit Vorläufen und Finals sechs harte Rennen, das geht an die Substanz“.

Allerdings gehen Schwimmexperten, die Bundestrainer Bernd Berkhahn kennen, davon aus, dass er Wellbrock in allen möglichen Wettbewerben an den Start schickt. Der offizielle Zeitplan in Tokio lässt Wellbrock durchaus die Chance, sich über die 400 Meter auf die anderen Wettbewerbe „einzuschwimmen“ – ohne viel Kraft zu vergeuden.

So sind die Wettbewerbe in Tokio terminiert:

400 m Freistil:

24.7. Vorlauf, 25.7. Finale

800 m Freistil:

27.7. Vorlauf, 29.7. Finale

1500 m Freistil:

30.7. Vorlauf, 1.8. Finale

10 km Freiwasser:

5.8.

4 x 200 m Freistil:

27.7. Vorlauf, 28.7. Finale

Die haben mich nochmal schön nach vorne gepeitscht.“

Henning Mühlleitner, SV Schwäbisch Gmünd

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL