Nach Differenzen legt Karsten Kluge sein Amt nieder

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Die Hantel liegt am Boden. Es gibt Meinungsverschiedenheiten bei den Böbinger Gewichthebern mit der Vereinsspitze.
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Warum Böbingens Kaderathleten vom eigenen Vorsitzenden ausgebremst wurden.

Böbingen. Acht Wochen lang „hat uns das Gesundheitsamt den Laden dicht gemacht“, nur weil der Vereinsvorsitzende quergeschossen habe, anstatt hinter seiner Gewichtheber-Abteilung zu stehen, klagt Karsten Kluge. Der in seiner Aktivenzeit zu Deutschlands Spitzenhebern zählende Böbinger hat sein Amt als Trainer beim SVG Böbingen aus Verärgerung niedergelegt. Auch Abteilungsleiter Timo Zimmermann lässt sein Amt derzeit ruhen. Nächste Woche wolle man entscheiden, wie man weitermache. Im SGV bleiben, sich dem TSV anschließen oder einen eigenen Verein gründen, das seien die Optionen.

Was ist geschehen? Ohne dies mit der Vereinsführung abzusprechen, hat Karsten Kluge als Folge des harten Lockdowns im November vergangenen Jahres nach Absprache mit Bürgermeister Jürgen Stempfle im Rathaus ein Hygienekonzept eingereicht, um die Trainingsfreigabe für die Kaderathleten der SVG-Gewichtheber zu erreichen. Dies wurde bewilligt. Ähnlich wie dies andernorts andere Kommunen für Kadersportler ihrer Vereine auch handhabten. Die Vereinsführung erfuhr davon allerdings erst im Januar zufällig, als der Verband eine neue Kaderliste – mit personellen Änderungen - erstellt hat. Es war der Moment, in dem sich SVG-Vorsitzender Felix Eisele in die Pflicht genommen sah und interveniert hat. Die Folge: Das Amt für Rechtsangelegenheiten des Landratsamts Ostalbkreis wies die Freigabe ab. Die Trainings- und Wettkampfräume der Gewichtheber in der SVG- und der Römerhalle blieben geschlossen und durften erst im Rahmen der allgemeinen Lockerungen wieder benutzt werden.

Hätte, so der Vorwurf Kluges an die Vereinsführung, der SGV-Vorsitzende sich nicht eingemischt, hätten die Kaderathleten ihr Training fortsetzen können. Kluge: „Natürlich unter den gegebenen Hygienevorschriften.“

Vereinsführung muss den Kopf hinhalten

SVG-Vorsitzender Felix Eisele sieht das völlig anders: „Wir müssen uns an Recht und Gesetz halten. Da können wir uns leider nicht darüber hinwegsetzen.“ Am Ende müssten die Mitglieder der Vereinsführung den Kopf hinhalten und mögliche rechtliche Konsequenzen tragen. Vorstand und Vereinsbeirat hätten eine klare Entscheidung getroffen, dass Themen, die die Corona-Pandemie betreffen, über die Vereinsführung geregelt werden müssen. „Dem muss sich jeder fügen. Anders funktioniert das sonst nicht.“ Da könne, sagt Eisele, es auch nicht angehen, „dass der Bürgermeister im Rahmen einer Kungelei mit einzelnen Mitgliedern so etwas einfach genehmigt.“

„Ich lasse meine Jungs und Mädels nicht hängen.“

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Kluge und der Vereinsleitung mündeten darin, dass Karsten Kluge, der gleichzeitig auch Landes- und Stützpunktrainer des Baden-Württembergischen Gewichtheberverbands ist, sein Amt als Trainer des SGV Böbingen niedergelegt hat. Kluge: „Ich lasse meine Jungs und Mädels nicht hängen. Das ist nicht meine Art.“ In der Folge entschied sich auch Timo Zimmermann, das Amt des Abteilungsleiters zunächst ruhen zu lassen.

Am kommenden Samstag, 17. Juli, finden in Böbingen die Baden-Württembergischen Gewichtheber-Meisterschaften der Nachwuchsheber bis hinauf zur U23 statt. Und zwar als Open-Air-Event im Park am alten Bahndamm. Organisiert und nach Böbingen gebracht hat sie Karten Kluge. Ausrichter ist der SGV Böbingen. „Karsten Kluge hat im Verein keine Funktion mehr“, betont Eisele, der bestätigt, dass der SGV dennoch als Ausrichter fungiere. „Wir drücken hier noch einmal beide Augen zu.“

Und noch etwas bestätigt Felix Eisele: „Karsten Kluge ist ein guter Trainer. Wir wollen ihm nicht an den Karren fahren.“ Aber auch er müsse sich an Regeln halten. Wenn er allerdings aus dem Verein ausscheiden möchte, sei es seine Entscheidung. Eisele: „Ziehende Pferde soll man nicht aufhalten.“ Für diesen Fall habe der SGV die Weichen bereits gestellt. „Es gibt dann einen neuen Trainer. Der Vertrag liegt bereits auf dem Tisch.“ Den Namen dessen wollte der SGV-Vorsitzende nicht nennen. Der Vereinsbeirat werde sich in der kommenden Woche mit dem Thema beschäftigen.

Stempfle: „Wir behandeln alle gleich.“

Den Vorwurf der Kungelei kann Bürgermeister Jürgen Stempfle nicht nachvollziehen. „Zu internen Querelen im Verein will ich mich nicht äußern“, sagt er. Und betont: „Wir behandeln alle gleich. Nicht besser und nicht schlechter.“ Das gelte für den Sport genauso wie für die Kultur. Alle Anträge, die in den vergangenen 16 Monaten bezüglich einer Genehmigung wegen der Corona-Pandemie im Rathaus eingegangen seien, seien vom Ordnungsamt „genau geprüft“ worden. „Wir haben gemacht, was machbar war. Natürlich wollen wir unseren Vereinen helfen“, sagt Stempfle. Und: „Unser Verhältnis zu unseren Vereinen ist ein gutes. Wir haben unsere überdurchschnittliche Vereinsförderung auch in der Corona-Zeit aufrechterhalten.“

Werner Röhrich

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