Nationalspieler M'Bengue: „Ich habe dem TSB viel zu verdanken“

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Djibril M'Bengue (2. von links) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.
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Djibril M'Bengue glänzt im Trikot der Nationalmannschaft und überrascht den Bundestrainer. Der 29-Jährige spricht über die Länderspiele, die Gmünder und eine Rückkehr nach Deutschland.

Porto / Schwäbisch Gmünd

Zwei Spiele, fünf Tore und ein Sonderlob von Alfred Gislason: „Er hat mich überrascht, das muss ich ganz ehrlich sagen. Er hat richtig gut gespielt“, sagt der Bundestrainer über die Leistung von Debütant Djibril M'Bengue. Der 29-jährige Ex-Spieler des TSB Gmünd blickt auf seine ersten beiden Länderspiele zurück und sagt, dass „in Schwäbisch Gmünd die Grundlagen für alles geschaffen wurden“.

Herr M'Bengue, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre ersten beiden Länderspiele zurück?

M'Bengue: Es war ein Wahnsinnsgefühl. Eine Riesenehre. Dadurch, dass wir gegen Portugal gespielt haben, war die Erfahrung noch extremer.

Wie haben Sie von Ihrer Nominierung erfahren?

Ich war mit meiner Freundin in Porto Kaffee trinken, als der Anruf von DHB-Sportvorstand Axel Kromer kam. Am nächsten Morgen saß ich um 6 Uhr im Flugzeug nach Düsseldorf.

Sie haben in den beiden Spielen gegen Portugal fünf Treffer erzielt. Sind Sie zufrieden?

Jeder will das Maximale, und niemand will Fehler bei sich sehen. Aber ich denke, dass meine Leistung ganz o.k. war.

Bundestrainer Alfred Gislason hat das nicht so nüchtern gesehen. Ihn haben Sie positiv überrascht.

Oh, das höre ich zum ersten Mal. Das freut mich, und ich denke, dass man gesehen hat, dass ich Spaß hatte.

Ihr einstiger TSB-Trainer Michael Hieber hat gesehen, dass Sie nervös waren.

Am Anfang ja, aber ich habe das schnell abgelegt und meinen Rhythmus gefunden. Ehrlich gesagt war ich auf der Fahrt zum Spiel nervöser als im Spiel.

Was Michael Hieber auch aufgefallen ist: dass Sie beim Torabschluss zunächst auf Ihr Lieblingseck gezielt und dann aufs andere gewechselt haben.

Stimmt! Das liegt daran, dass Portugals Torwarttrainer auch unserer beim FC Porto ist. Deshalb habe ich hin- und herüberlegt, welches Eck ich wähle.

Nach den beiden Länderspielen heißt es, dass die „jungen Wilden“ den Druck erhöhen. Gemeint sind die Neulinge. Zählen Sie sich mit 29 Jahren zu diesen „jungen Wilden“?

Ich war der Zweitälteste im Team, da zähle ich mich nicht mehr zu den Jungen. Aber wichtig ist immer ein Mix aus Jungen und Erfahrenen. Und ich denke, dass ich meine Erfahrung einbringen konnte.

Wie geht's jetzt weiter in der Nationalmannschaft?

Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung. Aber jetzt fokussiere ich mich wieder auf den Ligaalltag mit dem FC Porto und auf die Champions League. Da geht's in Paris weiter.

Anders gefragt: Hoffen Sie auf weitere Nominierungen?

Ich hätte nichts dagegen. Die Europameisterschaft ist eine Riesensache und eine Riesenehre für alle Spieler, die nominiert werden.

Hat Ihnen Alfred Gislason etwas in Aussicht gestellt?

Nein, und das war in diesem Rahmen auch nicht zu erwarten.

Nicht zu erwarten war bei Ihnen eine solche Karriere. Sie haben früher in keiner Auswahlmannschaft gespielt.

Das stimmt. Bei mir war es kein linearer Weg. Auch dass ich in Portugal spiele ist nicht typisch. Die meisten Deutschen spielen in der Bundesliga - der stärksten Liga der Welt.

In der A-Jugend wollten Sie sogar aufhören mit dem Handball.

Ja, Michael Hieber und Steffen Alt vom TSB Gmünd saßen bei meiner Mutter im Wohnzimmer und haben mich überredet, weiterzumachen. Das war ein entscheidender Moment in meiner Karriere, die sonst in eine andere Richtung gegangen wäre. Ich habe dem TSB sehr viel zu verdanken, und zu Michael Hieber habe ich eine besondere Beziehung. In Gmünd wurden die Grundlagen für alles geschaffen.

Welche Rolle spielt Nationalmannschaftskollege Kai Häfner, der ebenso vom TSB Gmünd kommt?

Ich habe zu Kai keinen Kontakt. Dafür aber zu seinem Bruder Max, mit dem ich erst vergangene Woche telefoniert habe. Er hat mich auch zu meinen Länderspielen beglückwünscht.

Ihr Vertrag beim FC Porto läuft im Sommer aus ...

Sportlich könnte es zwar besser nicht laufen, aber nach über drei Jahren im Ausland habe ich gemerkt, dass es Zeit ist, zurückzukehren. Meine Familie, Freunde und Freundin leben in Deutschland, und das soll meine nächste Destination sein.

Wissen Sie schon, wohin es geht?

Nein, wir sondieren gerade.

Michael Hieber hofft, dass er Sie nach Ihrer aktiven Zeit für eine Funktion beim TSB Gmünd begeistern kann.

Ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahren spielen kann. Was danach kommt, weiß ich nicht. Ich will eine Rückkehr zum TSB nicht ausschließen. Aber eine Zusage kann ich jetzt nicht machen ...

Ich denke, meine Leistung war ganz o.k.“

Djibril M'Bengue, Nationalspieler und Ex-TSB-Spieler
  • Djibril M'Bengue: Vom Hobbykicker über den TSB zum Handball-Nationalspieler
  • Einstieg. Djibril M'Bengue spielte zuerst Fußball, ehe er bei der HSK Urbach/Plüderhausen mit dem Handballsport begann.
  • Ausstieg. In der A-Jugend wechselte der Linkshänder von der HSK zum TSB Gmünd. Dort hatte M'Bengue bereits mit dem Handball aufgehört, als Trainer Michael Hieber ihn zu den Aktiven zurückholte.
  • Aufstieg. Mit dem TSB schaffte M'Bengue den Aufstieg in die Württembergliga. 2013 wechselte er zum damaligen Zweitligisten TV Bittenfeld. Dank eines Zweitspielrechts trug er weiter das TSB-Trikot und feierte mit den Gmündern 2014 den Oberliga-Aufstieg. Im Jahr drauf schaffte er mit dem TVB den Aufstieg in die 1. Bundesliga, ehe er sich im Sommer 2018 dem portugiesischen Erstligisten FC Porto anschloss. Am 5. November 2021 debütierte M'Bengue Alter von 29 Jahren in der deutschen Handball-Nationalmannschaft. alex
Djibril M'Bengue (links) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.

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