Neugewinnung und Erhalt als schwierigstes Thema

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Josef Schneider

Die Schiedsrichtergruppe Aalen versammelt sich am kommenden Samstag online.

Eigentlich hatte er vor einem guten Jahr mit dem Aufhören geliebäugelt: Josef Schneider plante, sein Amt als Obmann der Schiedsrichtergruppe (SRG) Aalen nach drei Amtsperioden abzugeben. Doch seit die Corona-Pandemie den gesamten Sportbetrieb und den Alltag durcheinander gewirbelt hat, ist für Schneider klar: „In so einer Phase hörst du nicht auf.“ Weshalb er sich bei der im Dreijahresturnus stattfindenden Hauptversammlung am Samstag, 1. Mai, zur Wiederwahl stellen wird. Los geht's um 10 Uhr.

Einen Gegenkandidaten gibt es bisher nicht; die Chancen sind hoch, dass Schneider drei weitere Jahre die Geschicke der Aalener Schiedsrichtergruppe lenken wird. „Es sind bisher auch keine Anträge eingegangen, ich erwarte einen zügigen Verlauf“, sagt Schneider im Vorfeld der Hauptversammlung.

Dass aufgrund der Verordnungslage der Württembergische Fußballverband (WFV) die Versammlung ausschließlich digital zulassen könne, wurmt den 54-jährigen Obmann etwas. Zumindest in Teilen hatte er auf einen Präsenztermin gehofft, um vor allem den älteren Passiven die Teilnahme sicherstellen zu können. Nun werden Abteilungsleiter Spielbetrieb Thomas Proksch und Christine Zöller vom WFV-Hauptamt sich einklinken, um einen möglichst reibungslosen Online-Verlauf nebst Wahlen zu gewähren.

Bezirksvorsitzender Jens-Peter Schuller und Gmünds Schiri-Obmann Frank Dürr sowie Gastredner Philipp Lehmann vom Verbandsschiedsrichterausschuss werden die Sitzung mit Beiträgen begleiten, in der Schneiders Rechenschaftsbericht über die vergangenen drei Jahre im Mittelpunkt stehen wird.

Die größte Baustelle scheint dabei schnell ausgemacht: Die Gewinnung und Erhaltung von Schiedsrichtern war schon vor der Pandemie eine große Herausforderung. „Ohne Präsenzveranstaltungen ist es für uns nun noch schwieriger geworden“, sagt Schneider. Im Bezirksausschuss der Schiedsrichtergruppe Aalen plane man deshalb, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich gezielt dem Thema zuwende. „Es ist einfach schwierig neue Interessenten zu finden – erst recht ohne Präsenz.“

Bei den Jungschiedsrichtern ging die Zahl von 27 auf 11 zurück, insgesamt ist die Gruppe von 205 auf 183 Schiedsrichter geschrumpft. „Es fehlen uns die rund 20 Schiedsrichter, die wir in einem Neulingskurs gewinnen hätten können“, sagt Schneider. Denn 2020 gab es keinen solchen mehr.

Der WFV biete zwar Online-Schulungen an, die Ausbildung sei aber nicht vollständig abbildbar. „Spätestens bei Regel 12, zum direkten/indirekten Freistoß, und der Abschlussprüfung funktioniert das online nicht.“ Bei kniffligen Auslegungsdetails wie auch beim Handspiel oder Abseits, hält Schneider den persönlichen, direkten Kontakt zwischen Ausbilder und Schulungsteilnehmer für unverzichtbar. „Es gibt so feine Unterschiede, da helfen auch keine Videos.

Andreas Winter für Bruno Tamm

Das nahezubringen geht online nicht“, sagt Schneider, der selbst schon seit über 35 Jahren Spiele leitet. Vor allem die praktische Erfahrung sei nicht zu ersetzen. „Pfeifen lernt man nur auf dem Platz.“

Der Obmann zählt weiterhin auf gute Unterstützung aus seinem Ausschuss, bis auf Adrian Uhl, der aus beruflichen Gründen als Ansprechpartner Jugend aufhört, bleiben alle an Bord. Neu aufgenommen werden sollen dafür Lea Fuchs und Peter Tietz als Jugendeinteiler.

Bruno Tamm behält seine Aufgaben im Bereich Abrechnungen/Spielrückgaben/Seniorenveranstaltungen, wird als stellvertretender Obmann aber nicht mehr zur Verfügung stehen. Seine Rolle soll Andreas Winter übernehmen. Und auch die Position des Bezirksschiedsrichter-Obmanns (BSO) sei bereits geklärt, schließlich muss sie beim Bezirkstag nur eine Woche später verkündet werden: Frank Dürr (Schiedsrichtergruppe Schwäbisch Gmünd) soll BSO bleiben, kündigt Schneider an.

In Sachen Pandemie-Verlauf und Saisonplanung sei zum jetzigen Zeitpunkt noch vieles „wie ein Blick in die Glaskugel. Aber wir hoffen darauf, dass Ende August die neue Saison gestartet werden kann“, sagt Schneider. Klar ist für ihn: Wenn es wieder los geht wird es auch für die Schiedsrichter einige Eingewöhnungszeit brauchen. „Wir starten bei Null und das wird nicht fehlerfrei gelingen“, sagt Schneider. „Das wird auch zu Diskussionen führen, denn uns fehlt nach fast eineinhalb Jahren die Routine.“

Benjamin Leidenberger

Michael Hieber
Silke Fritz
Stefan Jenninger

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