Nur einer noch mit einer weißen Weste

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GM Eltaj Safarli. Schach, Staufer Open. Foto: Jan-Philipp Strobel

Nur ein einziger Spieler hat beim A-Turnier im 33. Staufer-Open alle drei ersten Partien gewonnen. Die Gmünder rangieren unter den Verfolgern.

Schwäbisch Gmünd

Nur ein Schachspieler hat noch eine weiße Weste. Nach drei Runden hat Dienstag Nachmittag im A-Turnier beim 33. Staufer-Open der Internationale Meister (IM) Roven Vogel aus Dresden das Feld alleine angeführt. Der an Platz sechs gesetzte Vogel ist der einzige, der alle drei ersten Spiele gewonnen hat. Dahinter rangierten am Dienstag 22 Spieler mit 2,5 Punkten.

Unter ihnen als bester Gmünder Thomas Lang. Der 19-jährige Verbandsliga-Spitzenspieler hat nach seinem Auftaktsieg in der zweiten Runde am Montagabend ein wildes Zeitnotduell gewonnen. Und im dritten Spiel hielt er am Dienstag trotz Zeitnot dem anhaltenden Druck des Läuferpaares von Jörg Stock (SV Hellern) stand. „Ich hab’s noch gehalten“, berichtete Lang danach erleichtert.

Die beiden Gmünder Oberligisten GM Petr Velicka und IM Josef Jurek sind mit je einem Sieg und zwei Unentschieden gestartet, haben also jeweils 2 aus 3. Jurek remisierte in Runde drei wie viele andere Spieler im abgetrennten Karree der Punktbesten schon nach der Eröffnung. „Ich habe eine Pause gebraucht“, sagte der Tscheche. „Das ist ein schweres Turnier.“ Was auch an der Feinjustierung des Computer-Auslosungsprogramms liegt, das im A-Turnier den Favoriten von Anfang an starke Amateure zulost.

Während vorne die meisten GM in der dritten Runde schnell Unentschieden gemacht haben, kämpfte am ersten Tisch der Turnierfavorit GM Eltaj Safarli aus Aserbaidschan gegen seinen belgischen GM-Kollegen Alexandre Dgebuadze, einen alten Bekannten beim Staufer-Open, bis zur letzten Patrone. Safarli opferte einen Bauern für Angriff, Dgebuadze gab die „Qualität“ von Turm gegen Springer und hielt schließlich ein Turmendspiel mit Minusbauern routiniert remis. Macht auch nur einen halben Punkt für jeden – aber erst nach fünf Stunden hartem Kampf.

1,5 aus 3 hat der Gmünder Oberliga-Mannschaftsführer Andreas Weiß. Er unterlag am Dienstag mit Schwarz gegen Fide-Meister Maximilian Ruff aus Karlsruhe. Nach der Eröffnung standen die Figuren des Gmünders sehr passiv. „Ich bin eigentlich rausgekommen“, berichtete Weiß. „Aber dann hab‘ ich am Damenflügel aufgemacht und bin an meinem Platzmangel eingegangen.“

Roland Macho mit Chancen

Im B-Open haben 13 Spieler die drei ersten Partien gewonnen. Unter ihnen auch Dieter Frühsorger von der Ostalb-Landesliga-Mannschaft aus Sontheim/Brenz. Alle Chancen auf einen vorderen Platz hat noch der Gmünder Roland Macho, der mit 2,5 aus 3 gestartet ist. Dieses Score hatten am Dienstag insgesamt 23 Teilnehmende. Macho hat am Dienstagvormittag gegen Grégoire Nunez aus Stuttgart remisiert. „Ich hab‘ einen Bauern mehr gehabt“, berichtete der Gmünder Verbandsligist. „Aber das Turmendspiel war nicht mehr zu gewinnen. Dann musst du mit Remis zufrieden sein.“ Macho hatte das B-Turnier im Jahr 2016 schon einmal gewonnen.

Bis Freitag spielen alle im Feld insgesamt neun Runden. Jeweils Punktgleiche werden gegeneinander gelost. Die nächsten Partien beginnen im Stadtgarten am heutigen Mittwoch um 9.30 und 16 Uhr. Der Eintritt für Zuschauer ist frei.

Die Profis mit ELO-Ratingzahl über 2600 fehlen diesmal beim Staufer-Open weitgehend. Nur der Turnierfavorit, GM Eltaj Safarli aus Aserbaidschan, hat eine Ratingzahl über 2600. Dahinter rangieren zehn Titelträger mit um die 2400 und 2500 ELO-Punkten – so dass diesmal an der Spitze alles möglich ist. Die ELO-Wertung ist nach ihrem Erfinder benannt, dem US-amerikanischen Physiker und Statistiker Arpad Elo, einem gebürtigen Ungarn, der 1992 gestorben ist.

Partie des Tages - Elfjähriger schlägt Fünfzehnjährigen

Auffallend bei der 33. Auflage des Gmünder Staufer-Opens im Schach ist, dass viele starke Nachwuchsleute im A-Open mitmachen. In der dritten Runde hat der elfjährige Hussain Besou aus Lippstadt mit Schwarz gegen den fünfzehnjährigen Lucas Förster-Yialamas aus Frankfurt gewonnen. Beide haben locker schon Oberliga-Spielstärke.

Lucas Förster-Yialamas (Elo 2131) – Hussain Besou (2288)

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 (Die Vorstoßvariante; ein aggressiver Aufbau gegen die grundsolide schwarze Caro-Kann-Verteidigung.)

3...Lf5 4.h4 h5 5.Ld3 Lxd3 6.Dxd3 e6 7.Lg5 Db6 8.Sd2 c5 (Der thematische Zug, der das weiße Zentrum aufhebelt. Auf 8...Dxb2 käme 9.Tb1 Dxa2 10.Txb7 mit weißem Vorteil.)

9.c3 Sc6 10.Sgf3 cxd4 11.cxd4? (Erforderlich war 11.c4 mit unklarem Spiel.)

11...Sb4! 12.Db3 Da6! (Nun bleibt der weiße König im Zentrum stecken. Und auf d3 droht ein tödliches Springerschach.)

13.Kd1 Sh6 14.Lxh6 Txh6 15.Se1 Tg6 16.f3 Sc6 17.De3 Db6 18.Sb3 a5 19.a4 Sxe5! Und Schwarz gewinnt. Es folgte noch:

20.Sxa5 Txa5 21.Dxe5 Ld6 22.De3 Dxb2 23.Dc1 Dxd4+ 24.Ke2 Tc5 25.De3 Dxa1

Weiß gibt auf, 0:1

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