Olympiasieg mit Rekord für die Ewigkeit?

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Montag, 28. Juli 1980, 18:11 Uhr: Lutz Dombrowski springt im Moskauer Olympiastadion vor über 100 000 Zuschauern zum Olympiasieg.
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LG Staufen-Cheftrainer Lutz Dombrowski feierte vor 40 Jahren vor über 100 000 Zuschauern den Weitsprungsieg in Moskau.

Es sind Momente, die ein Leben lang tragen. Am Montag, der 28. Juli 1980 um 18.11 Uhr (MEZ) nimmt Lutz Dombrowksi – gerade einmal 21 Jahre jung – Anlauf. Als er ein paar Sekunden später in der Weitsprunggrube des Moskauer Olympiastadions bei 8,54m landet, brandet Jubel auf. 103 000 Zuschauer klatschen frenetisch Beifall. Europarekord. Olympisches Gold. Auf den Tag genau sind 40 Jahre vergangen.

Mit diesem Sprung hat der ehemalige DDR-Athlet aus Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) Leichathletikgeschichte geschrieben. Bis heute ist diese Marke als Deutscher Freiluftrekord tief in die Rekordbücher eingraviert. Es ist der älteste Deutsche Leichtathletikrekord in den Olympischen Diszplinen. Älter noch als die 3:31:598 Minuten, die Thomas Wessinghage über 1500m nur vier Wochen später in Koblenz gelaufen ist. "Natürlich hätte Wessinghage diesen Rekord auch in Moskau aufgestellt", ist sich Dombrowski sicher. Doch der Westen hat die Olympischen Spiele in Moskau boykottiert. Deutschland war noch zweigeteilt und nur die Athleten der damaligen DDR nahmen 1980 in Moskau teil.

Hätten Carl Lewis im Weitsprung packen können

Dass sich vier Jahre später bei den Olympischen Spielen in Los Angeles der Osten mit dem Boykott revanchierte, "das war bitter für uns", erinnert sich Dombrowski. "Wir hatten uns voll darauf konzentriert und waren sogar schon im Trainingslager in Mexico. Wir wussten, dass wir Carl Lewis im Weitsprung packen können. Das war unser Ziel." Zu diesem Duell kam es nicht. Carl Lewis holte sich in Los Angeles unangefochten vier Goldmedaillen. Im Weitsprung siegte er mit 8,54m. – Wie Lutz Dombrowski vier Jahre zuvor.

Seit fast 30 Jahren ist Dombrowski Cheftrainer der LG Staufen und einer der drei Gmünder Stadtsportlehrer. Der ehemalige Gmünder CDU-Fraktionschef und LG Staufen-Mitbegründer Walter Lenz erinnert sich noch genau an das Bewerbungsgespräch, das er zusammen mit dem damaligen LGS-vorsitzenden Uwe O. Schmid führte. "Dass er Olympiasieger ist, damit hat er mit keiner Silbe geprahlt", sagt Lenz und betont: "Im Nachhinein war es genau die richtige Entscheidung."

Ich konnte mich unheimlich konzentrieren auf diesen einen Moment.

Lutz Dombrowski Weitsprung-Olympiasieger

"Natürlich werde ich meiner Heimat Chemnitz immer verbunden bleiben", sagt Lutz Dombrowski. Und betont. "Ich fühle mich wohl hier auf der Schwäbischen Alb. Landschaftlich ist es hier so wie im Erzgebirge."

Wenn er seine Goldmedaille schon gelegentlich zu den Kindern ins Schulturnen mitgebracht hat, sieht er ihren leuchtenden Augen an, dass sie es kaum glauben können, dass ein echter Olympiasieger vor ihnen steht. Auch wenn er heute - mit 61 Jahren – selbst nicht mehr in die Sandgrube springt, hat er diese Disziplin noch immer im Blut. "Natürlich bin ich älter geworden. Aber wenn ich am Anlauf stehe, dann bin ich mir sicher, dass ich die Abläufe drin hätte wie einst." Zu seinen absoluten Stärken zählte die Konzentration. "Die 100 000 Zuschauer im Stadion, die habe ich damals erst nach dem Wettkampf bemerkt. Ich konnte mich unheimlich konzentrieren auf diesen einen Moment."

Dass er an jenem 28. Juli 1980 seinen eigenen Europarekord (8,45m), den er wenige Wochen vorher in Dresden aufgestellt hatte, nochmals überboten hatte, "das spielte für mich an diesem Tag keine Rolle. Das habe ich erst viel später realisiert." Dass seine 8,54m von Moskau noch immer Deutscher Freiluftrekord sind, findet der Olympiasieger von Moskau schade. "Das zeigt die Stagnation, in der wir uns seit Jahren befinden."

Lutz Dombrowski mit der Goldmedaille bei der Siegerehrung.

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