Kommentar : Alexander Haag über den Führungsstil von Trainer Uwe Wolf beim VfR Aalen

Profis müssen um 5 Uhr antanzen

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Früher Schock für den VfR Aalen: Daniel Stanese (links) kommt zu spät, auch Alessandro Abruscia kann nicht mehr eingreifen: Der Ex-Aalener Dennis Chessa erzielt mit einem strammen Schuss das 1:0 für den FK 03 Pirmasens. Zu diesem Zeit punkt waren gerade einmal 2 Minuten und 7 Sekunden gespielt.
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Der letzte Siegeswille fehlt: Nach zwei frühen Gegentoren verliert der VfR Aalen mit 0:2 (0:2) beim FK 03 Pirmasens. Trainer Uwe Wolf streicht die freien Tage und greift hart durch.

Pirmasens.

Es war eine kurze Nacht für die Profis des VfR Aalen. Nach der 0:2 (0:2)-Niederlage beim FK 03 Pirmasens hat Uwe Wolf kurzerhand eine Frühschicht angesetzt. Statt eines freien Muttertags ließ der Trainer seine Spieler am Morgen nach dem Spiel um 5 Uhr antanzen und trainieren. „Wenn ein normaler Arbeiter seine Arbeit nicht fertig kriegt, muss der auch wieder früh malochen.“

Er konnte einem fast schon leid tun: Matthias Layer erhielt in Pirmasens überraschend den Vorzug vor Kapitän Daniel Bernhardt, es war der erste Regionalliga-Einsatz des 22-Jährigen überhaupt. Und nach gerade einmal 17 Minuten musste er bereits zweimal hinter sich greifen. Unverschuldet wohl gemerkt. „Zwei undankbare Tore“ habe er kassiert, sagt Layer hinterher. Tatsächlich waren es vor allem vermeidbare Treffer, die sich der VfR Aalen einhandelte. Beim 0:1 nach exakt 2:07 Minuten versucht Gino Windmüller die Situation im eigenen Strafraum spielerisch zu lösen. Mit seinem haarsträubenden Querpass bringt er Dennis Chessa in Position, und der Ex-Aalener vollendet aus 15 Metern unhaltbar (3.). Keine Viertelstunde später: Nach einem Foul an Chessa legt sich Luka Dimitrijevic den Ball zurecht. Sein 25-Meter-Hammer wird unglücklich abgefälscht - 0:2 (17.). Der Schock saß tief. Dennoch hielten die Ostälbler nun besser dagegen.

Merk muss das 1:2 machen

Und: Sie hätten schnell zurückschlagen können. Nach einer scharfen Hereingabe von Oliver Oschkenat hätte Kai Merk den Ball aus drei Metern (!) nur über die Linie drücken müssen (27.), doch dem Stürmer klebt seit Wochen das Pech an den Kickschuhen. Das war in Pirmasens nicht anders. Merk war aber nicht der einzige Aalener, der enttäuschte. Abruscia agierte äußerst unglücklich, Kevin Hoffmann tauchte wieder unter, Mark Müller war hoffnungslos überfordert, und Dijon Ramaj darf sich in der Verfassung keinerlei Hoffnungen auf einer neuen Vertrag machen. „Bei den Spielern, bei denen die Verträge auslaufen, kriegt man immer dieselben Eindrücke ...“, sagt Wolf. „Da wird zu wenig geliefert.“

Es war in der Tat zu wenig, was die Ostälbler in Pirmasens ablieferten. Mehr als ein unplatzierter Kopfball von Gino Windmüller (41.) kam in den ersten 45 Minuten nicht mehr aufs FK-Tor. Direkt nach der Halbzeitpause zeigte sich erneut die große VfR-Schwäche: die Chancenverwertung. Mark Müller setzte sich zuerst stark durch, vergab dann aber frei vor Keeper Benjamin Reitz kläglich (54.). Windmüller (61.), Michael Senger (69.) und Ramaj (82.) ließen weitere Chancen ungenutzt, und so gingen die Gastgeber am Ende als verdienter Sieger vom Platz - auch wenn sie in Hälfte zwei offensiv völlig harmlos waren und keine nennenswerte Chance mehr für sich verbuchen konnten.

Diese Tatsache änderte freilich nichts mehr an der schlechten Laune von Wolf, der bei einem Sieg bis auf vier Punkte an den von ihm ausgerufenen Platz 8 dran gewesen wäre. „Das ärgert mich maßlos. Der Gegner hat einfach mehr Mentalität an den Tag gelegt. Pirmasens hat sich ins Spiel reingehauen, und wir waren in den Räumen, in denen es gefährlich wird, nicht präsent genug.

Apropos Sieg: Bei einem weiteren Dreier hatte der Coach seinen Spielern drei freie Tage versprochen. Die sind jetzt gestrichen. Stattdessen gab's die Frühschicht am Sonntagmorgen.

Da wird

Uwe Wolf, Trainer des VfR Aalen

Harter Stil mit hohem Risiko

Das dürfte den Profis des VfR Aalen kaum geschmeckt haben: dass Uwe Wolf nach der 0:2-Niederlage in Pirmasens die freien Tage gestrichen hat und sie stattdessen nach einem Auswärtsspiel mit einer 500 Kilometer weiten Busfahrt morgens um 5 Uhr zum Straftraining antanzen ließ. Ja, der Neue ist konsequent. Er führt sein Team mit harter Hand. Disziplin steht an oberster Stelle. „Jeder muss wissen, was auf ihn zukommt, wenn sein Trainer Uwe Wolf heißt“, hat über sich selbst gesagt - und potenzielle Neuzugänge, die vorgespielt haben, einer Willensschulung unterzogen.

Stellt sich die Frage: Welcher Spieler arbeitet gerne unter so einem harten Trainer? Erst recht, wenn der Verein kaum finanzielle Anreize zu bieten hat. Und welcher leistungsstarke Profi aus dem aktuellen Kader verlängert unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch seinen Vertrag?

Der Trainer geht mit seinem Führungsstil ein hohes Risiko. Das muss Uwe Wolf wissen.

alex

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