Reise mit zwei Arten von Erfolg

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Am höchsten ragt der Kopf von Bundestrainer Michael Kuhn aus der deutschen Gruppe, in der fünf Athleten aus Kuhns Stuttgarter Trainingsgruppe dabei waren Von Kuhn aus der Zweite rechts: Dr Ralph Dalferth.

Die Deutsche Nationalmannschaft holt fünf Bronzemedaillen bei der EM in Sotchi - mit dabei sind der Gmünder Arzt Dr. Ralph Dalferth und der aus Mögglingen stammende Bundestrainer Michael Kuhn.

Schwäbisch Gmünd

Fünf Bronzemedaillen und ein Hygienekonzept, das funktioniert hat - das ist der doppelte Erfolg der Reise der deutschen Trampolin-Nationalmannschaft zur Europameisterschaft in der russischen Olympiastadt Sotschi. Der Gmünder Dr. Ralph Dalferth war als Verbandsarzt des Nationalteams dabei.

Ist das Konzept der Trampolinturner in Sotschi auf den allgemeinen Sportbetrieb in Gmünd übertragbar?, könnte man sich angesichts Dalferths Erfahrungen fragen. „Nur in den Grundsätzen“, sagt Dalferth, „denn eine Abkapselung der Sporttreibenden wie in Sotschi ist realistisch nicht darstellbar“.

Als die 36-köpfige Delegation des Deutschen Turnerbundes (DTB) nach dreistündigem Flug aus Moskau wieder in Deutschland angekommen war, atmete jedenfalls auch der Gmünder erleichtert auf: „Gott sei Dank hat sich niemand das Corona-Virus eingefangen und alle sind wieder gesund nach Hause gekommen!“

Dalferth federführend

Der Gmünder Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie hatte in seiner Funktion als Verbandsarzt federführend ein umfangreiches Hygienekonzept für die EM ausgearbeitet und damit eine große Verantwortung übernommen. „Unsere Verhaltensregeln und die stringente Corona-Konzeption des veranstaltenden russischen Verbandes haben sich perfekt zu einer geschlossenen Absicherung ergänzt“, sagte er. „Ganz entscheidend war, dass sich alle Sportlerinnen und Sportler sehr diszipliniert an die Vorgaben gehalten haben“.

Auch beim DTB war das Aufatmen nach der Woche ohne Coronafall in Sotschi groß, denn die Teilnahme an diesem Wettbewerb in Russland war nicht unumstritten gewesen. Zufrieden waren die DTB-Verantwortlichen auch mit dem sportlichen Abschneiden: „Insgesamt fünf Bronzemedaillen in den Aktiven- und Nachwuchsklassen können sich sehen lassen“, resümierte Katrina Prokesova, die Bundestrainerin.

Von Michael Kuhn gecoacht

Zu den Bronzegewinnern gehörten die Trampolinturnerin des MTV Stuttgart Leonie Adam und Aileen Rösler im Synchronwettbewerb. Beide sind übrigens immer wieder zur sportärztlichen Betreuung bei Ralph Dalferth und bei Physiotherapeut Florian Geiger in Gmünd.

Auch in Sotschi lagen Adam und Rösler, die wir drei weitere Sotschi-Teilnehmer am Stützpunkt Stuttgart vom früheren Gmünder TSB-Spitzentrampolinturner und Ex-Bundestrainer Michael Kuhn gecoacht werden, fast jeden Tag auf dem Behandlungstisch von Dalferth und den beiden DTB-Physios Gerold Frick (Siegen) und Heiko Bügos (Bad Kreuznach).

„War dringend notwendig“

„Sehr stark war, dass wir uns dieser Herausforderung in Sotschi gestellt haben“, sagte der für den olympischen Spitzensport zuständige DTB-Vizepräsident Sylvio Kroll. Andere Länder seien davor zurückgeschreckt, an der EM teilzunehmen. „Aber ein internationaler Wettkampf war dringend notwendig.“ Kroll dankte nach der Rückkehr ausdrücklich Dr. Ralph Dalferth für „die professionelle Ausarbeitung und Umsetzung des Hygienekonzeptes.

Dieses bestand im Wesentlichen aus den Bausteinen Testen, Abstand halten, Mund-Nasenschutz tragen, Kontaktbeschränkung – und Selbstdisziplin. Gleich dreimal in den 14 Tagen vor dem Abflug in Frankfurt mussten sich die Delegationsteilnehmer/innen einem PCR-Test unterziehen. In der Lufthansamaschine saßen die Turnerinnen und Turner abgesondert von den anderen Fluggästen in einem Block. „Während des Flugs durfte die Maske nicht abgenommen werden, die Stewardessen achteten streng darauf und es gab nichts zu essen und zu trinken“, sagte Dalferth. Der Transitbereich des Moskauer Flughafens Domodedowo durfte vor dem Inlandsweiterflug nach Sotschi nicht verlassen werden (ebenso beim Rückflug). Nach der Landung in der Olympiastadt von 2014 standen zunächst wieder Tests an, nur mit einem negativen Ergebnis war das Einchecken ins Hotel „Bogatyr“ möglich. Ab dort griffen dann alle gültigen russischen und die speziellen Veranstaltungs-Hygieneregeln. „Die waren streng und wirksam“, urteilt Dalferth.

Das deutsche Trampolinteam wohnte im weitläufigen Hotel in Zimmern auf einer eigenen Etage, separatem Essraum und die vorhanden Aufzüge durften nicht benutzt werden. „Wir bildeten praktisch eine geschlossene Blase, ohne Kontakt zu den anderen Hotelgästen“, so Dalferth, „privater Ausgang oder Besuche auf anderen Zimmern war absolut untersagt und wurde kontrolliert. Jeden zweiten Tag wurde getestet“.

Ohne Zuschauer

Auch auf dem rund zehnminütigem Fußmarsch vom Hotel zu den Wettkämpfen in der individuellen Sportbekleidung und mit dem notwendigem eigenen Equipment wie Massagetische, Handschuhe oder Magnesium in den nahe gelegenen „Palace of Sport“ blieb das deutsche Team zusammen. In der Halle galten dann die klaren Regeln des Veranstalters – Ralph Dalferth: „Ohne Akkreditierung war kein Einlass möglich, Zuschauer waren nicht zugelassen - und geduscht durfte auch nicht werden.

Besuche auf anderen Zimmern waren absolut untersagt.“

Dr Ralph Dalferth, Verbandsarzt des Nationalteams

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