Sarina Krieg im All-Star-Team der EM

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Sarina Krieg Gehörlosen Futsal EM Italien

Die deutsche Futsal-Nationalmannschaft der Gehörlosen verpasst bei der EM in Italien eine Medaille und belegt den vierten Platz.

Montesilvano

Für die deutsche Futsalnationalmannschaft der Frauen reichte es bei der Europameisterschaft der Gehörlosen im italienischen Montesilvano nicht für eine Medaille. Trotz einer zwischenzeitlichen 2:1-Führung im Spiel um Platz drei gegen Polen belegte die Mannschaft am Ende nur den vierten Platz. Mit dabei: Sarina Krieg vom FC Mögglingen.

Da Futsal ein Mannschaftssport ist, war Sarina Krieg natürlich enttäuscht darüber, dass die Mannschaft so knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt ist. Allerdings erhielt die Torhüterin aus Bartholomä persönliche Auszeichnungen, die sie etwas über die Enttäuschung des vierten Platzes hinwegtrösten konnten. Krieg wurde zur besten Torhüterin des Turniers gewählt und stand als einzige Spielerin der deutschen Nationalmannschaft im All-Star-Team der Europameisterschaft.

Futsal ist das schnellere Spiel

Die berühmte „weiße Weste“, mit der sich Fußballtorhüterinnen und Torhüter gerne rühmen, gibt es im Futsal nur äußerst selten. Eine Keeperin, die ohne ein gegentorloses Spiel zur besten Torhüterin gewählt wird, wäre bei einem Fußballturnier wahrscheinlich undenkbar. Aber genau dieses ständige Hin und Her gefällt Krieg, die für den FC Mögglingen auch als Fußballtorhüterin Bälle hält, so sehr am Futsal: „Futsal macht mir noch mehr Spaß als Fußball. Es kommen viel mehr Bälle, es geht ständig hin und her. Diese Action hat man beim Fußball so nicht, das gefällt mir richtig gut.“

Die deutsche Nationalmannschaft kam sehr gut in das Turnier, umso mehr bedauerte Krieg, dass aus dem Ziel einer Medaille nichts wurde. Nach einer starken Gruppenphase mit Siegen gegen Irland (5:2) und Israel (4:1) und einem Unentschieden gegen Spanien (4:4) kam die deutsche Mannschaft als Gruppensieger weiter. Ein spannendes Viertelfinale gegen die Niederlande konnte man mit 4:3 gewinnen und stand somit im Halbfinale. Gegen den späteren Europameister aus England setzte es eine deutliche 2:7-Niederlage. Anschließend musste man sich im Spiel um Platz drei gegen die Polinnen mit 2:5 geschlagen geben. Nach zwischenzeitlicher Führung und einem 2:2 zur Halbzeit schwanden in der letzten Häfte des Turniers die Kräfte bei den deutschen Spielerinnen.

Die nächsten Highlights im Blick

Für Krieg war die Europameisterschaft jedoch nicht das erste große Turnier und soll definitiv auch nicht das letzte bleiben. 2019 wurde Krieg zum ersten Mal für die Futsalnationalmannschaft nominiert und war im selben Jahr dabei, als die Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz die Bronzemedaille gewinnen konnte.

Im November 2023 findet die nächste Weltmeisterschaft in Brasilien statt, auch hier hat sich Krieg das klare Ziel gesetzt, als Nummer eins dorthin zu fliegen, obwohl sie eine starke Konkurrentin im Tor der Nationalmannschaft hat.

Neben ihrer Karriere in der Nationalmannschaft spielt Krieg auch beim GSV Karlsruhe. Mit ihrem Verein spielt Krieg ebenfalls große Turniere, wie die deutsche Meisterschaft, aber auch internationale Turniere, wie die anstehende Champions League in Schweden.

Fußball ist im Gehörlosensport für Frauen aktuell noch nicht vertreten. Zum einen ist das für Krieg nicht besonders schlimm, da ihr Futsal noch mehr Spaß macht, zum anderen müsste sie sich auch nicht für eines von beidem entscheiden, sollte es auch eine Fußballnationalmannschaft der Frauen im Gehörlosensport geben: „Sollte es beide Nationalmannschaft geben, würden sicher einige Spielerinnen in beiden Teams spielen und da würde ich dann auch dazu gehören.“

In Bartholomä fing alles an

Obwohl der Fußball im Gehörlosensport bei den Frauen noch nicht vertreten ist, findet man Krieg dennoch regelmäßig auf Fußballplätzen zwischen den Pfosten. Beim 1. FC Stern Mögglingen hütet sie das Tor in der Regionenliga und steht aktuell mit ihrer Mannschaft auf dem siebten Tabellenplatz.

Auf dem Fußballplatz hat ihre Karriere auch vor einigen Jahren begonnen. Ihre ersten fußballerischen Erfahrungen machte sie bei der Jungenmannschaft des TSV Bartholomä. 2012 wechselte sie dann in die Mädchenmannschaft in Böbingen und erst dort entdecke sie ihre Begeisterung für das Torwartspiel. Seit 2018 spielt sie inzwischen für den 1. FC Stern Mögglingen und ist die Nummer eins der Mannschaft von Trainer Patrick Auracher.

Dass Krieg im Gehörlosensport aktiv ist, liegt daran, dass sie seit ihrer Geburt vollständig gehörlos ist. Allerdings erhielt Krieg mit fünf Jahren ihr erstes Cochlea-Implantat, welches es ihr ermöglichte, trotzdem zu hören. Inzwischen hat sie an beiden Ohren ein solches Implantat, muss diese jedoch für die Spiele im Gehörlosensport ablegen.

Krieg berichtet über die Umstellungen im Spiel: „Es wird natürlich viel visuell und mit Gebärdensprache gearbeitet. Man jubelt zwar auch mal lautstark über ein Tor, aber im Grunde ist auf dem Spielfeld alles ruhig und man konzentriert sich voll und ganz darauf, alles genau zu beobachten und visuell mit den Mitspielerinnen zu kommunizieren.“

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