Schwimmverein Gmünd holt Silber bei EM der Masters

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Siegerehrung: 4 x 50 m Freistilstaffel von links Eoland Wendel, Uli Seitler Winfried Hofele und Roland Aubele.

In der italienischen Hauptstadt Rom sichert sich die SVG-Staffel die Silbermedaille.

Rom 

So im Stillen hatten sie schon auf einen Platz auf dem Podest gehofft. Dass sich schließlich die Gmünder Seniorenschwimmer Roland Aubele, Winfried Hofele, Hans-Ulrich Seitler und Roland Wendel bei den „18. LEN European Masters Aquatics Championships Roma 2022“ im Beckenschwimmen, Freiwasserschwimmen, Wasserspringen, Synchronschwimmen und Wasserball dank einer großartigen kämpferischen Leistung in der 4 x 50 Meter Freistilstaffel mit einer Silbermedaille belohnten, war dann ebenso überraschend wie hochverdient. Dazu gab es in den Einzelwettbewerben noch eine Bronzemedaille für Roland Aubele über 50 Meter Schmetterling sowie viele Spitzenplätze unter den Top Ten.

Für die vier Masters des Schwimmvereins Gmünd standen die kontinentalen Titelkämpfe im Stadio del Nuoto, dem Schwimmstadion der Olympischen Spiele von 1960 in Rom, und im 2010 erbauten Unipol-Blustadium im zehn Kilometer entfernten römischen Vorort Pietralata, sportlich unter individuell besonderen Vorzeichen. Roland Aubele (Altersklasse 75 bis 79 Jahre) und Roland Wendel (AK 60 bis 64 Jahre) mussten sich als jeweils älteste Geburtsjahrgänge in ihrer Klasse mit überwiegend jüngeren Konkurrenten messen; Winfried Hofele (AK 75 bis 79 Jahre) schlug über 200 Meter Rücken zwar als Zweiter an, wurde aber wegen eines Wendefehlers disqualifiziert und konnte in der Staffel wegen einer Blockade der Rückenmuskulatur nur mit Schmerzen mitschwimmen. Für den SVG – Triatlethen   Hans-Ulrich Seitler (AK 60 bis 64 Jahre) war es der erste „echte“ Schwimmwettkampf überhaupt. Allerdings ist dem eigentlichen Triathleten, der im Iron-Man-Wettbewerb (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,3 km Laufen) 2015 in Hamburg Europameister und der 2018 den Hawai-Ironman in seiner Altersklasse als Zweiter beendete, das nasse Element nicht fremd. „Unterm Strich haben wir alle unsere angestrebten Zeiten erreicht“, zog SVG-Vorsitzender Roland Wendel zufrieden Bilanz, „wir haben uns im Wettbewerb mit den schnellsten Masters Europas sehr gut geschlagen und dabei die Vorgaben unseres Trainers Siegfried Wendel konsequent umgesetzt“.

„Neuling“ Hans-Ulrich Seitler (Jahrgang 1959), der mit seiner Teilnahme überhaupt einen Start des SV Gmünd in den Staffelwettbewerben 4 x 50 Meter Lagen und 4 x 50 Meter Freistil in der Altersklasse 280 (das Gesamtalter des Quartetts muss mindestens 280 Jahre sein) ermöglichte, schlug sich über 400 Meter Freistil als drittbester Deutscher auf Rang 19 prächtig. Mit 5.52,90 Minuten unterbot er die angestrebte Sechs-Minuten-Grenze deutlich, konstant hielt er einen 44-Sekunden-Schnitt pro 50 Meter.

SVG-Vorsitzender Roland Wendel (Jahrgang 1958), bei der EM 2018 in Kranj noch Bronzemedaillengewinner, spürte am deutlichsten den Altersunterschied in seiner Klasse. Über 50 Meter Brust war niemand aus seinem Geburtsjahrgang schneller als er, im Gesamtklassement bedeute seine 37,54 Sekunden als drittbester Deutscher Platz 12. Der Engländer Dave Milburn (New Bury SC) stellte als Sieger mit 32,53 Sekunden einen phantastischen neuen Weltrekord auf, auch David Bryant (Working SC/GBR) mit 33,54 Sekunden und Igor Medvediew (Masters/Ukraine) mit 33,70 Sekunden glänzten mit tollen Leistungen. Auch über 50 Meter Freistil war Roland Wendel mit 28,43 Sekunden bester des Jahrgangs 1958 und drittbester Deutscher. Ahmet Nakkas (Istanbul Yuzme/Türkei) gewann in 26,43 Sekunden Gold vor Juri Loguin (Speedo Masters/Finnland) in 27,08 Sekunden und Claus Swatosch vom 1. FC Nürnberg in 27,52 Sekunden. Über 100 Meter Freistil reichte es für Roland Wendel in 1.05,57 Minuten zu Platz 10. Ahmet Nakkas wurde in der unglaublichen neuen Weltrekordzeit von 57,66 Sekunden Goldmedaillengewinner, auch Juri Loguin mit 59,10 Sekunden und Ralf Recke von der SG Hamburg mit 59,91 Sekunden als Bronzemedaillengewinner blieben unter der Minuten-Schallmauer.

Einmal SVG-Bronze im Einzel

Die einzige Gmünder Einzelmedaille (in Bronze) „erschmetterte“ sich Roland Aubele über 50 Meter Schmetterling in starken 41,80 Sekunden. Die beiden Tschechen Juraj Branik (Bohemians Praha) und Rudolf Smerda (PVK Brno) sicherten sich in 35,76 Sekunden die Gold- und in 36,92 Sekunden die Silbermedaille. Zwei weitere Bronzemedaillen verfehlte Roland Aubele als jeweils Vierter. Über 50 Meter Brust war er mit 45,74 Sekunden zwar Schnellster des Geburtsjahrgangs 1943, Roberto Ruggieri (Aly Sport Osd/Italien), der mit 38,12 Sekunden sogar einen neuen Weltrekord aufstellte, Josef Koszi (SC Vienna Oldies/Österreich) mit 39,17 Sekunden und Jozef Klukowski (Gdynia Masters/Polen) mit 40,53 Sekunden ließen sich aber die Podestplätze nicht entgehen. Dafür ließ Roland Aubele die Deutschen Dr. Jörg Knipphals (SC Rhein-Mosel) mit 45,75 Sekunden und Ulrich-Utz Morche (SC Seevetal) mit 46,15 Sekunden hinter sich. Auch über 50 Meter Freistil war Roland Aubele mit 34,28 Sekunden bester Deutscher. Gold ging an den Österreicher Favoriten Gerhard Wieland vom Kapfenburger SV in 30,64 Sekunden, Silber an Yona Tadir (Acvatikim/Israel) in 32,61 Sekunden und Bronze an Rudolf Swerda in 33,33 Sekunden. Für den zweitbesten Deutschen Gunter Kellermann von der SG Westthüringen blieb nach 35,33 Sekunden Rang 6.

Winfried Hofele war im Rückenschwimmen nicht gerade vom Glück verfolgt. Dass der mehrfache Europa- und Weltmeister und frühere ungarische Olympiateilnehmer Joszef Csikany (Torokbalinti) nicht schlagbar war, stand von vornherein fest. Als Hofele über 50 Meter Rücken nach 42,05 Sekunden anschlug, gratulierten ihm seine Kameraden zur Bronzemedaille, weil er auf der elektronischen Anzeigetafel als Dritter aufgeführt wurde. Wenig später rutschte der Gmünder hinter Emilio Frattini (DLF Nuoto Livorno) auf Rang vier ab. Bei dem Italiener fiel die Elektronik aus und seine Wettkampfzeit wurde auf 41,97 Sekunden festgesetzt. Csikany gewann Gold in 37,93 Sekunden, Juraj Branik (Bohemians Praha sicherte sich in 40,21 Sekunden Silber. Hofele war bester Deutscher, Gunter Kellermann (SG Westthüringen) wurde in 42,11 Sekunden Fünfter. Noch bitterer endeten für Winfried Hofele die 200 Meter Rücken. Nach 3.29,87 Minuten kam er hinter Csikany (3.09,51 Minuten) mit weitem Vorsprung als Zweiter vor Giuseppe Avellone (Flaminio Sporting Club/Italien) in 3.44,44 Minuten ins Ziel, doch wegen eines Wendefehlers wurde der Gmünder disqualifiziert. Über 100 Meter Rücken schaffte Winfried Hofele in einem stark besetzten Teilnehmerfeld in sehr ordentlichen 1.32,99 Minuten den fünften Platz. Zwischen Csikany (1.24,20 Minuten) und Juraj Branik (1.28,96 Minuten) schob sich der 100-m-Freistil-Europameister Gerhard Wieland (Kapfenburger SV) in 1.25,03 Minuten auf den zweiten Platz. Gershon Shefa (Aquativikim/Israel) wurde Vierter, Hofele distanzierte Emilio Frattini (1.35,34 Minuten) und Dr. Jörg Knipphals (1.39,85 Minuten) deutlich auf die Ränge 6 und 7.

Die Staffelwettbewerbe steckten voller Spannung, da erst 24 Stunden vor dem Start das Teilnehmerfeld bekannt wurde. Schon nach den Einzelrennen stellte sich heraus, dass die Mannschaft von DLF Nuoto Livorno quasi unschlagbar ist. „Was dieses Quartett leistete, ist einfach nur Spitzenklasse“, zollte Roland Wendel den Italienern allen Respekt. Über 4 x 50 Meter Lagen verpassten die Italiener mit 2.18,25 Minuten nur um 15/100 Sekunden den Weltrekord und distanzierten die Ungarn von Torokbalint Senior USZO (2.27,15 Minuten) deutlich. Dahinter entwickelte sich ein spannender Dreikampf um die Bronzemedaille. Winfried Hofele brachte als Rückenschwimmer in 41,52 Sekunden (womit er im Einzel Bronze gewonnen hätte) nahezu gleichauf mit Torokbalint, Acvatikim/Israel und Meisternjumise U-klubs/Estland auf Rang vier, Roland Wendel schob das Gmünder Quartett nach 36,89 Minuten auf Rang zwei, den Roland Aubele (Schmetterling in 42,79 Sekunden) und Hans-Ulrich Seitler (Freistil in 32,87 Sekunden) gegen starke Konkurrenz nicht halten konnten. Am Ende landeten die Gmünder in respektablen 2.34,07 Minuten auf Platz 5 hinter Aqvatikim (2.32,79 Minuten) und Meisternjuminese (2.33,39 Minuten).

Über 4 x 50 Meter Freistil trumpfte das Gmünder Quartett aber auf, obwohl der Start wegen der akuten Rückenbeschwerden von Winfried Hofele auf der Kippe stand. Der aber ließ sich von Roland Wendel auf den Startblock helfen und baute den von Roland Aubele als Startschwimmer mit 34,68 Sekunden mitgebrachten zweiten Platz hinter dem dominierenden DLF Nuoto Livorno nach 35,42 Sekunden vor dem Flaminico SC/Italien sogar noch deutlich aus. Hans-Ulrich Seitler (32,41 Sekunden) und Roland Wendel (28,47 Sekunden) sicherten dann den Schwaben die ersehnte Silbermedaille in 2.10,98 Minuten. Livorno wurde in unglaublichen 2.04,92 Minuten Europameister, die Bronzemedaille ging an Flaminico SC in 2.25,58 Minuten.

 

SVG-Teilnehmer von links: Uli Seitler, Winfried Hofele, Roland Aubele und Roland Wendel.

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