Sind die Zuschauer ein Problem?

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„Gesperrt“: Das große leuchtrote Banner am Rosenstein hing schon seit Tagen, weil an der Downhillstrecke eifrig fürs Rennen gebaut worden war. Umsonst: Das Landratsamt hat das für kommenden Samstag geplante Profirennen beim „Bike the Rock“ untersagt.
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Das „Bike the Rock“ wäre als Profi-Sportveranstaltung erlaubt gewesen. Warum das Landratsamt trotzdem die Starterlaubnis entzogen hat. Und was ein Streckenbauer dazu sagt.

Heubach.

Der Frust sitzt noch immer tief. Eine Woche vor dem Startschuss beim „Bike the Rock“ hat das Landratsamt Ostalbkreis die Ampeln auf rot gestellt. Das Mountainbike-Festival in Heubach musste abgesagt werden - obwohl Spitzen- und Profisportveranstaltungen laut Corona-Verordnung gesetzlich erlaubt sind. Warum also?

„Jeden Stein einzeln“ würde er am liebsten wieder rausreißen, so hat Marco Hochsteiner vom Streckenbauteam des „Bike the Rock“ auf das Verbot vom Landratsamt reagiert. Wochenlang haben die Heubacher geschuftet, haben den Fahrern eine Strecke auf Weltcup-Niveau errichtet. „Das 'Bike the Rock' ist inzwischen die zweitwichtigste Mountainbike-Veranstaltung nach dem Weltcup in Albstadt. Hier ist die gesamte Weltelite am Start“, sagt Hochsteiner und macht keinen Hehl daraus, dass er die kurzfristige Absage nicht nachvollziehen kann.

Susanne Dietterle kennt die Problematik, und die Pressesprecherin des Landratsamtes verweist sogar selbst auf den Paragraf 10, Absatz 3 der Corona-Verordnung, wonach das Festival zulässig gewesen sei, wenn „an den Wettbewerben und am Training nur Spitzen- oder Profisportler teilgenommen hätten - soweit es ohne Zuschauer stattfindet“.

Doch genau darin liegt laut der Sprecherin des Landratsamtes ein Problem. Bei diesem Mountainbike-Rennen könne „nicht verlässlich ausgeschlossen werden, dass Besucher trotz aller organisatorischen Bemühungen Zutritt zur Strecke finden und es so zu Menschenansammlungen kommt“. Diese seien „im Hinblick auf die Übertragungswege des Coronavirus' unbedingt zu vermeiden“. Deshalb sei die Gefahrenlage anders zu bewerten gewesen.

Marco Hochsteiner sieht das anders: „Das Gelände wäre komplett abgesperrt gewesen.“ Der Mountainbiker, der 2019 die Altersklassenwertung beim Amateur-Marathon in Heubach gewonnen hat, ist sich sicher, dass „vier Polizisten gereicht hätten, um alles zu kontrollieren. Wenn ich da sehe, wie Hundertschaften der Polizei zu Fußballspielen fahren, verstehe ich das nicht.“ Außerdem sei sogar eine Sicherheitsfirma beauftragt gewesen.

Spezielle Masken designed

Susanne Dietterle räumt noch einen weiteren Grund für die Absage ein: Es hätten über 500 Personen teilgenommen, entweder als Sportler, Betreuer oder in anderer Funktion. „Auch dieser Sachverhalt musste aufgrund der veränderten Pandemielage im Ostalbkreis neu bewertet werden.“ Denn: In Heubach wären es vorwiegend 15- bis 49-Jährige gewesen, bei denen „laut Robert-Koch-Institut die meisten Neuerkrankungen an Covid-19 zu verzeichnen sind“. Und: „Gerade der Personenkreis ist überwiegend noch nicht geimpft.“ Die Pressesprecherin ist sich sicher, dass „die Untersagung der Veranstaltung dazu führt, dass ein weites Teilnehmerfeld aus dem In- und Ausland nicht auf dem Festivalgelände zusammentrifft“. Es würden damit „spontane Treffen von Schaulustigen vermieden werden“.

Auch da widerspricht der Heubacher Streckenbauer: „Die Radfahrer kommen Woche für Woche zusammen. Es waren Rennen vor Heubach, und nach Heubach gehen die Rennen weiter“, sagt Hochsteiner. Jeder Teilnehmer wäre zudem getestet worden und hätte eine FFP2-Maske bekommen. Auch da haben sich die Heubacher etwas Originelles einfallen lassen: Die Masken wurden extra fürs „Bike the Rock“ designed. „So hätte jeder von weitem schon erkannt, wer tatsächlich dazu gehört.“

Englische Fahrer bereits vor Ort

Übrigens: Zum Heubacher 'Bike the Rock' seien bereits Teilnehmer aus England angereist, die die Strecke vorab testen wollten. Auch Simon Gegenheimer wollte in diesem Jahr starten. Der Sprint-Vizeweltmeister vom MTB-Racingteam Aalen kann die Absage einerseits verstehen. Andererseits ärgert ihn die kurzfristige Entscheidung. Und: „Überall in Europa beginnen gerade die Events, sie werden durchgeführt, und alle zeigen, dass es funktioniert.“

Nur Heubach bleibt das trotz aller Vorkehrungen verwehrt. Marco Hochsteiner ist sich sicher: „Uns Radfahrern fehlt einfach die Lobby ...“

Spontane Treffen

Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Landratsamtes

Das „Bike the Rock“: Teil 2 am 2. Oktober 2021

Profis. Der nun untersagte erste Teil des „20. Bike the Rock“ hätte am Samstag, 24. April, stattgefunden.

Programm. Bei diesem Profirennen wäre die UCI-Junior-Serie, UCI-Juniorinnen-Serie, das XCO-Bundesliga-Rennen U23, das XCO-Bundesliga-Elite-Herren- und XCO-Bundesliga-Elite-Damen-Rennen gestartet worden.

Amateure. Der zweite Teil des „Bike the Rock“ ist für den 21. Oktober geplant - mit dem Marathon, dem XCO-U19-Hobbyrennen, dem Enduro-Race und dem Pumptrack-Rennen.

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