So hochwertig wie lange nicht

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Der KSV Aalen steht seit dem Wochenende sicher in der Endrunde – ein Blick auf Chancen, Gegner und einen Konflikt im Hintergrund.

Die nächsten Kampftage kann der KSV Aalen ganz locker angehen: Der Platz unter den besten Vier ist den Aalenern nicht mehr zu nehmen, die Planung für die Endrunde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft kann beginnen. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Die Statistik sagt: Favorit

Die Bundesliga zeigt sich derzeit als Zwei-Klassengesellschaft: Die vier Topteams, die wohl in der Endrunde den Titel untereinander ausmachen, stehen vorne: Nendingen, Weingarten, Ispringen und Aalen. Dahinter klafft eine deutliche Lücke in der Tabelle.

Seit dem Wochenende hat der KSV Aalen alle sechs Aufeinandertreffen gegen die anderen Endrunden-Anwärter hinter sich, und zwar mit einer beeindruckenden Bilanz: fünf Siege, nur eine Niederlage (7:9 im Hinkampf in Ispringen). Eine Statistik, die den KSV auf den ersten Blick zum Favoriten stempelt, aber mit Vorsicht zu genießen ist. Weil alle personell noch nachlegen können: "Die Mannschaften haben noch nicht alle Leute auf die Matte gebracht", sagt KSV-Trainer Patric Nuding. Die Aalener haben zum Beispiel den türkischen Top-Schwergewichts-Olympiasieger Taha Akgül noch in der Hinterhand. Die Mannschaften können einerseits stärker werden, andererseits sind auch Rückschläge möglich. KSV-Präsident Helmut Klingl nennt die wichtigsten Risikofaktoren: "Verletzungen, Krankheit und Probleme mit der Freigabe von ausländischen Ringern."

Hochwertig : der KSV-Kader

Der KSV steht auch deshalb an der Tabellenspitze, weil die Saison 2016 eine ohne unliebsame Überraschungen war. "Wir sind bisher vor größeren Verletzungen verschont geblieben", sagt Coach Nuding, "ich hoffe, dass das noch einige Wochen so anhält."

Die Kaderplanung ist aufgegangen: Auf der Position des Nicht-EU-Ringers hat der KSV die wohl beste Auswahl der Liga, unter der Rubrik EU-Ringer gibt's keine nennenswerten Schwachpunkte – und der Trainer hat mehr und bessere deutsche Ringer im Kader als in der Vorsaison. Patric Nuding kann darum viel variabler aufstellen als vor einem Jahr. Der aktuelle KSV-Kader ist so breit und hochwertig angelegt wie seit Jahren nicht. Auch Verletzungen würden Patric Nuding nicht gleich aus der Bahn werfen: "Wir haben die meisten Gewichtsklassen doppelt besetzt. Wenn einer ausfällt, können wir trotzdem relativ stark stellen."

Gegner: "auf Augenhöhe"

Von den vorderen Vier kann jeder jeden schlagen, davon ist Patric Nuding überzeugt, "wir sind alle auf Augenhöhe". Unterschiede gibt's trotzdem. Der KSV Ispringen ist die Mannschaft mit der geringsten Erfahrung, Ispringen ist erst im zweiten Bundesliga-Jahr. Die meiste Expertise in Sachen Endrunden-Taktik haben Aalen und Weingarten, die Finalgegner von 2010, als der KSV zuletzt Meister war. Als Ringer im Aalener Team damals: Patric Nuding. Der Coach beim SV Weingarten ist immer noch derselbe wie vor sechs Jahren: Frank Heinzelbecker.

Der ASV Nendingen schien vor der Saison geschwächt, auch durch einen Doping-Fall, der dafür sorgt, dass ein Topmann wie Ghenadie Tulbea bis jetzt nicht eingesetzt werden konnte. "Aber sie haben sich mit Teamgeist und einem starken Neuzugang aus Aserbaidschan dennoch stark präsentiert", urteilt Nuding.

Start kurz vor Weihnachten

Wenn die Bundesliga-Runde am 17. Dezember zu Ende ist, werden die Halbfinalpaarungen ausgelost. Die Hinkämpfe werden entweder am 23. oder 26. Dezember stattfinden – Patric Nuding favorisiert für den KSV den 23. –, der Rückkampf am 30. Dezember. Es gibt keine Setzliste, jeder kann auf jeden treffen. Der jeweils in der Tabelle besser platzierte Verein jeder Paarung hat lediglich den Vorteil, im abschließenden Kampf das Heimrecht zu bekommen. Was für den KSV aber noch fraglich wäre: "Am 30. Dezember soll in der Ulrich-Pfeifle-Halle schon für die STB-Gala aufgebaut werden", sagt Martina Göhringer, die Sportliche Leiterin des KSV.

DRB-Frist mitten in der Runde

Parallel zur Endphase der Saison gibt's schon wieder ein verstörendes Hintergrundrauschen: Im Sommer haben einige der Bundesliga-Vereine, darunter der KSV Aalen, die "Deutsche Ringerliga" gegründet, weil sie mehr Selbstbestimmungsrechte in der Eliteliga haben wollen – der Deutsche Ringerbund hat ganz andere Vorstellungen. Der Streit um die Zukunft zwischen dem DRB und der Mehrzahl der Bundesligisten, der bereits im Frühjahr für Monate die Bundesliga-Planung lahmgelegt hatte, geht also in die nächste Runde.

KSV-Trainer Nuding klammert das aus, er denkt nur ans Hier und Jetzt: "Ich konzentriere mich auf die nächsten Kämpfe." Die Vereine aber müssen sich mit dem Thema in den nächsten drei Wochen auseinandersetzen. Dafür hat der DRB mit einer Fristsetzung gesorgt. Bisher musste man erst nach dem Abschluss der Finalkämpfe für die neue Bundesliga-Runde melden, für die kommende Saison gibt es einen sehr frühen Anmeldeschluss: den 20. Dezember.

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