Spielabbruch in Alfdorf: Beide Vereine äußern sich

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Das Spiel zwischen der SGM Alfdorf/Hintersteinenberg und TSK Türkgücü Gmünd wurde abgebrochen.
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Vertreter von TSK Türkgücü Gmünd sowie der SGM Alfdorf/Hintersteinenberg zum Spielabbruch am vergangenen Sonntag.

Alfdorf. Im Spiel zwischen der SGM Alfdorf/Hintersteinenberg und TSK Türkgücü Gmünd in der Kreisliga B I kam es vergangenen Sonntag in der 85. Minute zum Spielabbruch. Auslöser war eine rote Karte für einen Spieler des Gästeteams.

Laut Polizeibericht zeigte Schiedsrichter August Utz kurz vor Schluss beim Spielstand von 2:1 für Türkgücü Gmünd einem TSK-Spieler die rote Karte. Anschließend wurde der Schiedsrichter von Spielern der Gästemannschaft umringt und mehrfach beleidigt. Unter anderem soll der Schiedsrichter als Rassist bezeichnet worden sein. Als der Schiedsrichter daraufhin das Spiel abbrach, stürmten Fans beider Mannschaften das Spielfeld. Als die Beamten vor Ort eintrafen, hatte sich die Situation bereits weitestgehend beruhigt.

Nun melden sich beide Parteien der betroffenen Vereine zu Wort. So gibt Türkgücüs Kapitän und Vorstand, Elber Celik, den Vorfall wieder: „Es stand nach der Pause 2:0 für uns. In den letzten zehn Minuten fiel das 1:2, dann wurden während des Spiels von den Alfdorfer Zuschauern unsere Spielerfrauen rassistisch beleidigt und der Mittelfinger gezeigt. Auch religiöse Beschimpfungen wurden gegenüber Frauen mit Kopftuch geäußert: 'Was haben die mit dem Kopftuch hier zu suchen?' Wir sind ein türkischer Sportclub, aber sind nicht nur Türken. Meiner Frau, sie ist Deutsche, wurde gesagt: 'Spielt in eurem Land Fußball.' Dann wurden auch unsere Spieler von den Zuschauern richtig beleidigt.“

Desweiteren beschreibt Celik die Schlüsselszene: „In den letzten drei, vier Minuten gab es einen Freistoß für Alfdorf. Dann kam ein Auswechselspieler von Alfdorf zu mir aufs Spielfeld reingelaufen und gab mir eine leichte Berührung. Ich sagte dem Schiedsrichter, dass, wenn Auswechselspieler ins Feld reinlaufen, man automatisch eine gelbe Karte bekommt. Und die leichte Berührung, das ist eigentlich eine Kopfnuss. Danach habe ich irgendwie die rote Karte bekommen. Ich wollte diskutieren, dass ich das nicht gemacht habe. Dann haben sich die Zuschauer eingemischt und mich beleidigt. Danach hatten die Ordner das nicht im Griff.“ Die Zuschauer seien dann auf das Spielfeld gelaufen. Daraufhin brach Schiedsrichter Utz die Partie ab. „Erst wollte der Schiedsrichter weiterspielen lassen. Dann haben die Zuschauer dem Schiedsrichter applaudiert, dass er das Spiel abgebrochen hat. Ich habe mitbekommen, dass sie den Spielabbruch auch so wollten. Das war für den Schiedsrichter zu viel. Er hatte das gar nicht im Griff. Es kam dann zu Auseinandersetzen, aber es gab keine körperlichen Verletzungen. Die Polizei weiß Bescheid. Wir haben Anzeige erstattet.“

Auch Peter Rack, Spielleiter der SGM, äußert sich zu dem Vorfall: „Bis zur 85. Minute gab es nichts. Keine Vorkommnisse. Die Spieler auf dem Feld haben sich – bis auf einen oder zwei – absolut normal verhalten. Wie auch die Zuschauer. Es gab, soweit ich mitbekommen habe, keine Beleidigungen. Was alles in dem Tumult gesprochen worden ist, weiß ich nicht. Ich habe versucht zu schlichten. So etwas braucht der Fußball nicht. Ich bin enttäuscht, dass es in der untersten Klasse, in der es um nichts geht, so etwas gibt.“

Rack schildert weiter: „Ausschlaggebender Punkt des Spielabbruches war, dass die rote Karte von den Zuschauern von Türkgücü nicht akzeptiert wurde. Die Zuschauer von Türkgücü sind dann auf den Schiedsrichter losgegangen und auf den Platz gelaufen. Ich verstehe jeden Schiedsrichter, der dann entscheidet, das Spiel abzubrechen. Da ging es nicht um eine Beleidigung, nur um die rote Karte, die durch eine Tätlichkeit des Spielers von Türkgücü zustande kam. Also Beleidigungen von unserer Seite gab es überhaupt nicht, schon gar nicht gegenüber Spielerfrauen. Wenn ich das mitgekriegt hätte, wäre ich mit Sicherheit eingeschritten, weil ich so was überhaupt nicht brauchen kann. Wir sind alle Menschen auf der Welt – miteinander und nicht gegeneinander. Die Zuschauer haben den Schiedsrichter verfolgt. Der hat mir leidgetan. Ich verstehe die gegnerische Seite, dass sie erbost waren über die rote Karte. Aber trotzdem darf ich den Mann nicht so angehen. Wir hatten drei Ordner. Wie viele Ordner soll ich herholen? Zehn oder was? Bei einem Kreisliga-B-Spiel? Die drei Ordner sind auf den Platz und haben es versucht. Die Spieler – egal, ob von der einen oder anderen Seite – denen hat es leid getan. Die haben das so nicht gewollt. Mir wäre lieber, dass Spiel wäre friedlich ausgegangen. Und wenn wir das 1:2 verloren hätten. Das ist Sport. Aber rassistische Beleidigungen habe ich keine gehört. Weder von der einen noch der anderen Seite. Ich will da kein Öl ins Feuer gießen, denn das bringt keiner Seite etwas. Wären die Zuschauer vom Platz geblieben und hätte der Spieler die rote Karte akzeptiert, wäre das Spiel ohne irgendwelche Vorkommnisse zu Ende gegangen.“ Der Fall liegt nun in den Händen des Sportgerichts.

Das Prozedere nach Spielabbruch

Der Schiedsrichter schreibt einen Spielbericht mit den entsprechenden Vorkommnissen. Der Bericht wird an den Staffelleiter weitergeleitet, der diesen Bericht an das Sportgericht weitergibt.

Das Sportgericht leitet in der Folge ein Verfahren ein. In der Regel wird die Entscheidung innerhalb einer Woche verkündet.

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