Sportvereine wehren sich gegen 2G

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Die A-Junioren des TSB Gmünd trafen auf die HSG Wißgoldingen.
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88 Vereine schreiben Offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Sie wollen Änderungen an der geplanten Regel für den Vereinssport der Jugend.

Ostalbkreis.

Als Reaktion auf die von der Landesregierung beabsichtigte Einführung einer 2G-Regel für den Vereinssport für 12- bis 17-Jährige haben 88 württembergische Vereine einen offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann geschrieben. Darin fordern sie, dass Kindern und Jugendlichen die Teilnahme am Sport nicht erschwert werden dürfe.

Die Landesregierung beabsichtigt, die 2G-Regel für den Vereinssport bei Jugendlichen ab dem 1. Februar einzuführen, gleichzeitig sollen Corona-Tests aus der Schule nicht mehr zur Teilnahme am Vereinssport berechtigen. Die Vereine, darunter der TSV Hüttlingen und die Aalener Sportallianz, sprechen sich nicht grundsätzlich gegen eine „2G- oder „2G+-Regel aus, fordern aber eine Überprüfung des Zeitpunkts der Einführung. „Bis Ende Januar ist bestenfalls eine Impfquote von 60 bis 65-Prozent zu erwarten, dazu führt die vollständige Immunisierungsdauer von fünf bis sechs Wochen dazu, dass schon jetzt nicht mehr alle impfwilligen Jugendlichen bis zum 31. Januar eine vollständige Immunisierung erhalten können“, schreiben die Verfasser. Das würde nach ihren Worten mindestens ein Drittel der jungen Sportler aus dem Vereinssport ausgrenzen, das heißt, von Bewegungs- und Gesundheitsförderung. Zudem ergebe sich eine erhebliche Beeinträchtigung von Trainings-, Liga- und Wettkampfbetrieb. Diese Befürchtungen haben auch bereits der Württembergische Fußballverband und der Landessportverband Baden-Württemberg geäußert.

Es müsse die Aussage von Kultus- und Sportministerin Theresa Schopper aus dem Sommer gelten, die gesagt hatte: „Aber jetzt haben Kinder und Jugendliche Vorfahrt.“ Hinter diesen Leitsatz dürfe man jetzt nicht zurückfallen.

Kinder werden eingeschränkt

„Es ist ungemein wichtig, dass der Kinder- und Jugendsport auf einfache Art und Weise weiterläuft, denn gerade diese Altersklassen waren von Schließungen bisher am meisten betroffen“, sagt Dietmar King, Vorsitzender der Aalener Sportallianz. „Die Kinder leiden unter mangelnder Bewegung und den fehlenden sozialen Kontakten.“ Der Sport mit seinen Konzepten sei kein Pandemietreiber. Zudem hätten die Vereine gerade in den Mannschaftssportarten funktionierende Hygienekonzepte, wie strikte Trennung der Gruppen, ergänzt Eduard Rup, Vorsitzender des TSV Hüttlingen.

Als Kontaktsport ist Ringen besonders betroffen. So ist der Nachwuchs des AC Röhlingen bereits einen Großteil des Jahres auf andere Sportarten ausgewichen, hat beispielsweise das Sportabzeichen absolviert. „Wenn diese Verschärfung kommt, dann befürchten wir Abmeldungen, denn vor allem bei den Jüngeren sind viele Eltern gegenüber der Impfung noch skeptisch“, sagt Simon Hummel, Sportlicher Leiter und Jugendtrainer beim ACR. „Der Breitensport wird durch so eine Regelung massiv geschädigt.“

Hannes Barth, Vorsitzender der SG Bettringen sagt: „Diese Regelung wäre für die Vereine der Super-Gau. Wir müssen die Kinder beim Sport halten, der derzeitige Boom wird wieder abgewürgt durch solche Regeln, da muss die Regierung unbedingt nachbessern.“

Ministerium kündigt Überarbeitung an

„Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es handelt sich zunächst einmal um eine Ankündigung, dass die derzeit geltenden Ausnahmeregelungen für Kinder und Jugendliche über 12 Jahre nicht auf Dauer angelegt sind. Wir werden die Regelung nochmals auf den Prüfstand stellen. So könnte gegebenenfalls eine entsprechende Übergangsregel in Betracht kommen, wonach Kinder, die soeben erst 12 Jahre alt geworden sind, ein angemessener Zeitraum eingeräumt wird, um sich vollständig impfen zu lassen“, schreibt Pascal Murmann, stellvertretender Pressesprecher des federführenden Sozialministeriums in Stuttgart. Sobald die Details final feststehen, werde man diese veröffentlichen.

Darauf hoffen die Vereine und wenden sich dagegen, ungeimpfte Jugendliche von der Teilhabe am Sport auszugrenzen.

Wenn diese Verschärfung kommt, dann befürchten wir Abmeldungen.“

Simon Hummel, Jugendtrainer AC Röhlingen
weibl. Jugend A: SG2H (im Angriff) - HSG Schmiden/Oeffingen

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