Steht in Böbingen der Dorffriede auf dem Spiel?

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Der Streit im SGV Böbingen zwischen seinem Vorsitzenden und den Gewichthebern eskaliert.

Böbingen. Zwar ist der Sportkreis inzwischen eingeschaltet. Jörg Hinderberger als dessen stellvertretender Vorsitzender will vermitteln. Doch der Bruch zwischen den Gewichthebern des SGV Böbingen und desem Vorsitzenden Felix Eisele scheint unvermeidbar. Die auf Initiative der Gewichtheber vor den Sommerferien eingeforderte außerordentliche Mitgliederversammlung wurde nun kurzfristig vom zunächst vereinbarten 2. Oktober auf den Freitag, 17. September, vorgezogen. Diese könnte ohne den SVG-Vorsitzenden Felix Eisele stattfinden, der sich am kommenden Freitag in Urlaub befindet.

„Die Fronten sind so verhärtet. Die einzelnen Betroffenen werfen sich gegenseitig Dinge an den Kopf, die absolut nicht mehr nachvollziehbar sind“, bestätigt Hinderberger den Eklat im Verein. Der Streit zwischen den Gewichthebern und des SVG-Vorsitzenden hat sich an der Tatsache entzündet, dass Felix Eisele mit einer Sonderregelung der Gewichtheber-Abteilung nicht einverstanden war, die diese mit der Gemeinde bezüglich der Trainingsmöglichkeiten der Kaderahtleten unter Pandemiebedingungen getroffen hatte.

In der Folge hat Karsten Kluge sein Traineramt als SVG-Trainer niederlegt und fungiert seither für seine Böbinger Heberinnen und Heber lediglich als Verbandstrainer. Auch Timo Zimmermann ließ sein Amt als Abteilungsleiter zunächst ruhen und hat es später niedergelegt.

In dem umfassenden Jahresbericht, der inzwischen auf der Vereinshomepage des SVG Böbingen nachzulesen ist, liest sich im Abteilungsbericht der Gewichtheber Folgendes: „Unser erster Vorstand Felix Eisele wollte diese Verantwortung nicht teilen und hat bei allen Institutionen diese Sonderregelung in Frage gestellt.“

In einer nachfolgenden „Stellungnahme & Richtigstellung der Tatsachen“ begründet Eisele dieses Einschreiten mit der Verantwortung, die er als Vorsitzender für die Geschehnisse im Verein habe. Unter der Zwischenüberschrift „Eine Sondergenehmigung ist schnell erteilt, wenn man sagen kann, haften werden die eingetragenen Vereinsvorstände in vollem Umfang“, rechtfertigt Eisele seinen Schritt: „Zumindest, als geschäftsführender Vorstand, hätte ich über diese angebliche Sondergenehmigung im November 2020, initiiert durch unseren Trainer Karsten Kluge, informiert werden müssen. Dies war nicht der Fall. Nachdem die Situation im Januar 2021, wahrlich zu spät, bekannt wurde, musste also zum Schutze des Gesamtvereins eingeschritten werden.“

Im Weiteren betont Eisele unter anderem: „Als 1. Vorsitzender stehe ich nach wie vor zu den Gewichthebern, auch wenn dies in den Zeitungen und sozialen Medien anders publiziert wurde. Wenn man bedenkt, was man alles nur für diese einzelne Abteilung trotz der Pandemie geleistet hat, u.a. Anschaffung von Hanteln und Scheiben, und in die Vergangenheit schaut erkennt jeder, dass dem Vereinsbeirat und persönlich mir die Gewichtheber am Herzen liegen. War ich doch einst selbst Gewichtheber und habe so den Weg in den SGV Böbingen gefunden.“

Neue Kandidaten stehen bereit

Ob die Erläuterungen nachvollziehbar sind, werden die Wahlen bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung zeigen. Diese stehen am 17. September auf der Tagesordnung.

Unter anderem wollen sich folgende Personen für folgende Ämter zur Wahl stellen: 1. Vorsitzende: Tanja Kluge. 2. Vorsitzender: Timo Zimmermann (bisher Holger Kompe). Bewirtschaftung: Holger Kompe (derzeit Dieter Beißwanger). Abteilungsleiter Gewichtheben: Karsten Kluge (bisher Timo Zimmermann). Auch für das Amt des Vorstands für Finanzen soll ein Kandidat, dessen Name noch nicht genannt wird, bereit stehen.

„Wir, als der etablierte Mehrspartenverein im idyllisch gelegenem Böbingen, sind über die Entscheidung von Karsten Kluge und Timo Zimmermann sehr betroffen und haben den Kontakt nach wie vor per Telefon, sowie einem persönlichen Anschreiben mit dem Wunsch um ein gemeinsames Treffen ersucht, leider blieb dies dem Vereinsbeirat und dem Vorstand verwehrt“, schreibt Eisele und betont: „Ich kann mich nur erneut wiederholen: 'Karsten Kluge ist als Trainer für unseren Verein unverzichtbar und, denkt man an Geleistetes und die in der Vergangenheit erzielten Erfolge zurück, nur sehr schwer zu ersetzten. Ebenso ist Timo Zimmermann ein guter und wichtiger Ideengeber für den Verein.' Ich hoffe nach wie vor auf ein klärendes Gespräch und eine gemeinsame Zukunft. Sie müssen sich nur melden und einen Termin nennen, die Türe für ein weiteres Miteinander steht immer auf.“

„Wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann habe ich kein Problem, mich dafür zu entschuldigen. Aber wie die Dinge gelaufen sind, ist das keine Handlungsweise eines Vereinsvorstandes. Was ich nicht akzeptieren kann, ist,“ sagt Kluge, „dass die Leidtragenden die Gewichtheber-Abteilung ist.“

Außerordentliche Mitgliederversammlung am 17. September

Bitter aufgestoßen ist den Beteiligten, dass im Gemeindemitteilungsblatt die Meldung über die Ansetzung der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 17. September ausgetauscht und durch eine Meldung für den Termin 2. Oktober ersetzt wurde.

An diesem Montag trifft sich der Vereinsbeirat, um noch einmal hinter verschlossenen Türen und mit Beteiligung von Sportkreis-Vorstandsmitglied Jörg Hinderberger zu beraten.

Am kommenden Freitag bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung (20 Uhr, SGV-Halle) wird auch Bürgermeister Jürgen Stempfle zugegen sein, der am Donnerstag erst aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Zur aktuellen Entwicklung wollte er deshalb keine Stellung nehmen. Aber, betonte er am Freitag: „Ich werde mich dafür einbringen, dass der Dorffriede gewahrt wird“, sagt er. Der scheint tatsächlich auf dem Spiel zu stehen.

Werner Röhrich

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