Süle wie in der Kreisliga - Prognose von der Ostalb nach WM-Fehlstart

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Der deutsche WM-Auftakt ging mächtig schief.

Der deutsche WM-Auftakt ging mächtig schief. Gegen Spanien ist verlieren nun verboten. Lukas Hartmann vom TSGV Waldstetten analysiert das erste Spiel und wagt eine Prognose.

Doha, Katar

Als Katastrophe beschreibt Lukas Hartmann, der Sportliche Leiter des Fußball-Landesligisten TSGV Waldstetten, die Auftaktniederlage der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Katar. Dabei hatte mit der Halbzeitführung alles so gut begonnen. Hartmann fehlte kurz nach Abpfiff allerdings völlig das Verständnis dafür, wie die deutsche Mannschaft in den Schlussminuten so einbrechen konnte.

60 gute Minuten reichen nicht

Mit dem Start in die Partie war Hartmann durchaus zufrieden: „Es war kein überragendes Spiel, aber es waren gute erste 60 Minuten.“ Die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor war für ihn letztlich ausschlaggebend dafür, dass die Partie nicht schon frühzeitig entschieden werden konnte: „Die Chancen auf das 2:0 waren ja da, ich glaube auch nicht, dass Japan dann noch einmal zurückgekommen wäre.“

Die Startaufstellung von Bundestrainer Hansi Flick hatte schon die ein oder andere Überraschung parat, doch seine Ideen seien zunächst alle aufgegangen. Die asymmetrische Viererkette, mit David Raum als hohem Außenverteidiger und Niklas Süle als zusätzliche Absicherung, hat gut funktioniert und auch Ilkay Gündogan, der überraschend statt Leon Goretzka in der Startelf stand, machte abgesehen von einem frühen Ballverlust ein gutes Spiel. Auch von Thomas Müller zeigte sich Hartmann positiv überrascht: „Ich dachte nicht, dass er nach seiner Verletzung schon wieder so weit ist, aber er hat das wirklich gut im Griff gehabt und immer wieder als Bindeglied fungiert.“ Nach Müllers Auswechslung sah Hartmann auch einen Bruch im deutschen Spiel.

Bis dahin hätte die Partie jedoch bereits entschieden sein müssen. Kurz vor der Pause stand Kai Havertz beim vermeintlichen 2:0 im Abseits. Der eingewechselte Jonas Hofmann hatte eine große Chance auf das 2:0 und auch Jamal Musiala hatte zwei Möglichkeiten „die er für Bayern fast immer reinmacht“, beklagte Hartmann die fehlende Konsequenz im Abschluss der deutschen Mannschaft.

Die Japaner wurden aufgrund des Rückstands immer offensiver, wechselten offensiv und erhöhten den Druck. Für Hartmann ein Rätsel, wie schlecht die Deutschland damit umgegangen ist: „Es ist für mich absolut unverständlich, dass man dem Pressing der Japaner so wenig entgegenzusetzen hatte.“ Statt die entstehenden Räume für Konter zu nutzen, ließ sich die Mannschaft immer weiter nach hinten drücken, verlor immer häufiger die Bälle und hatte keine Lösungen mehr parat.

Wie dann allerdings die Gegentore zu Stande kommen, da fehlen Hartmann fast die Worte. „Ohne despektierlich gegenüber der Kreisliga sein zu wollen, aber was Süle beim zweiten Tor macht, ist Kreisligaverhalten.“ Gemeint ist das taktische Verhalten von Niklas Süle, der als ballentfernter Außenverteidiger einige Meter hinter dem Rest der Viererkette das Abseits aufhob. Der in Bochum spielende Takuma Asano war der Nutznießer dieses groben taktischen Fehlers, schüttelte Nico Schlotterbeck mühelos ab und erzielte das 2:1 aus japanischer Sicht. Ein Aufbäumen der deutschen Mannschaft war in den letzten Minuten kaum zu erkennen.

Ohne Dortmunder gegen Spanien

Auch wenn die Idee mit Süle als Absicherung in der ersten Halbzeit ganz gut aufgegangen war, wünscht sich Hartmann personelle Wechsel in der deutschen Defensive und würde beide Dortmunder Spieler rausnehmen. „Auf der rechten Seite, denke ich, braucht es einen spielstärkeren Spieler als Süle gegen Spanien, da würde ich eher auf Kehrer oder vielleicht sogar Hofmann setzen“, analysierte Hartmann und führte weiter aus: „Und in der Innenverteidigung spielt Ginter bei Freiburg eine überragende Saison. Ich denke, er hätte dort jetzt die Chance verdient.“

Wieder raus nach der Gruppe?

„Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch, daher sage ich: Deutschland kommt noch weiter. Aber ehrlicherweise bin ich natürlich auch nicht mehr komplett davon überzeugt.“

Schon vor der WM habe Hartmann über den deutschen Kader gesagt, dass dieser Kader das Potenzial für den Titel habe, allerdings auch schon in der Gruppenphase ausscheiden kann. Um gegen Spanien bestehen zu können, müssen die groben defensiven Fehler abgestellt werden und die Torchancen müssen deutlich effizienter genutzt werden. „Dann ist auch gegen Spanien etwas möglich“, ist sich Hartmann sicher. Der Druck für die deutsche Nationalelf ist jedenfalls im zweiten Gruppenspiel schon enorm und die Zweifel sind groß. Max Wanner

Lukas Hartmann, TSGV Waldstetten

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