Super-Winter in Corona-Zeiten: Da blutet einem das Herz

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Ideale Wintersportbedingungen finden die Skilangläufer des SC Heubach-Bartholomä derzeit im Albuch vor. Wettkämpfe gibt's leider keine. Im –coronakonformen – Training im Zweierteam wird auch mal ohne Stöcke gepowert. So wie hier Leo Blessing und Katharina Gold (hinten).
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"Jetzt haben wir einen solchen Winter und du kannst nichts tun", beklagt der Vorsitzende des Skiclubs Heubach-Bartholomä, Dr. Martin Ruff, die Pandemie-Situation für seinen Verein.

Das Seil für den Skilift am Wirtsberg bei Bartholomä wäre innerhalb von ein paar Stunden montiert. "Aber in der derzeitigen Situation können wir das nicht machen", sagt Dr. Martin Ruff. Dem Vorsitzenden des Skiclubs Heubach-Bartholomä blutet das Herz. "Jetzt haben wir einen solchen Winter und dann kannst du nichts tun."

An die Einnahmen, die sein Verein dadurch nicht erlösen kann, mag er gar nicht denken. "Wir haben Schnee seit Weihnachten. Was glauben Sie, wie viele Skikurse wir da über unsere Skischule hätten gerade in den Ferien anbieten können? Vom Hüttenbetrieb ganz abgesehen." Aber, sagt Ruff: "Die Corona-Regeln sind so. Das müssen wir hinnehmen. Die Pandemie ist schlimm genug." Und unter den momentanen Bedingungen wäre der Liftbetrieb nicht zu verantworten. Da sei man sich mit der Gemeinde Bartholomä einig.

Die Ausgaben schlagen dennoch zu Buche. Die Flutlichtanlage muss ständig gewartet werden. Auch in den Jahren, in denen sie nicht läuft. Die Skischule braucht regelmäßig neues Lehrmaterial. Ruff: "Es wird spannend, wo wir am Ende der Saison finanziell stehen werden."

50 Jahre Skilift Wirtsberg in Bartholomä

Nahezu das gesamt Vereinsleben liegt brach. Wie andernorts auch. Die Hoffnung, dass in einigen Wochen der Schnee auf dem Albuch noch liegt, ist da. Die Hoffnungen, dass die Corona-Pandemie sich dann entschärft hat und man den Lift doch noch in Betrieb nehmen könnte, schwinden zusehends. "Wir haben schon zig Winter gehabt, da sind bis März und April noch dicke Schneeschichten bei uns gelegen", weiß der Vorsitzende des SC Heubach-Bartholomä. "Sollte es dann noch möglich sein, dann wäre das Seil ruckzuck dran", sagt er. Auch die TÜV-Prüfung wäre dann nicht das Problem.

Seit 50 Jahren gibt es den Skilift am Wirtsberg in Bartholomä schon. "Wir haben ein Jubiläumsjahr", erzählt Martin Ruff. "Angesichts dessen wäre es umso toller, wenn wir den in diesem Jahr doch noch laufen lassen könnten."

Bis dahin ist es besser, wenn das Seil nicht hängt. Denn auch ohne Hüttenöffnung und Liftbetrieb zieht's täglich Scharen von Kindern und Erwachsenen zum Schlittenfahren an den Wirtsberg. Ruff: "Bartholomä fühlt sich gerade an wie Garmisch-Partenkirchen."

"Die Leute nutzen jetzt die Liftspur, um dort hochzugehen. Da ist es besser, wenn das Seil nicht dran ist. Sonst könnte es vielleicht beschädigt werden", sagt Ruff. Und natürlich: Allen Corona-Widrigkeiten zum Trotz freue er sich über den herrlichen Winter.

Bartholomä fühlt sich gerade an wie Garmisch- Partenkirchen.

Dr. Martin Ruff Vorsitzender des SC Heubach-Bartholomä

Von den knapp 550 Mitgliedern des Vereins können derzeit nur wenige wirklich angeleitet werden. Die Langlauftruppe trainiere unter Corona-Bedingungen. Das bedeutet in der Regel: Im Zweierteam oder Einzeltraining mit maximal einem Trainer.

"Seit dem ersten Lockdown bieten wir unseren Athleten Online-Training an", erzählt Holger Gold, der neben Anna Gold, Simon Hartel, Katharina Gold, Jonas Weyer, Hannes Kolb und Dominik Bretzler zum Trainerstab um Alexander Berger zählt, das die Sportler allen Widrigkeiten zum Trotz gut durch den Winter bringen will.

"Das ist gerade alles ein bisschen schwierig", gesteht er dennoch. "Du kannst ja nicht heute mit dem Einen trainieren und morgen mit einem Anderen. Das soll ja gerade nicht sein." Deshalb haben die Trainer Patenschaften für ihre Athleten gebildet. "Jeder Trainer kümmert sich speziell um ein oder zwei Sportler", erklärt Holger Gold. Die meisten trainieren dann nach individuellen Vorgaben für sich oder auch zu zweit unter Beachtung der gebotenen Abstandsregel. Distanzläufe, Intervalltrainings, Technikläufe, Anstiege ohne Stöcke. All das sind Aufgaben, die auch in Coronazeiten geübt werden können.

Kein Rennen um den Wirtsbergpokal

Was fehlt, sind die Wettkämpfe. Genau wären im Normalfall für jeden Sportler das Salz in der Suppe nach all den Trainingsstrapazen. In diesen Genuss kommt derzeit vom SC Heubach-Bartholomä nur Lina Gold. Die 18-jährige mehrfache Deutsche Juniorenmeisterin und Vizemeisterin trainiert im Skiinternat in Furtwangen in einer festen Gruppe und darf als Landes-Kaderathletin auch an Wettkämpfen teilnehmen.

Die anderen treffen sich mehr oder weniger zufällig bei ihren Trainingsläufen in den Loipen rund um Bartholomä. Echte Wettkämpfe gibt's nicht. Keinen Silvesterlauf, keinen Dreikönigslauf gab es in diesem Winter. Keine SSV-Cup-Serie. Das beliebte Rennen im Januar um den Wirtsbergpokal: gestrichen.

Um den Wettkampfreiz dennoch nicht ganz zu kippen, gibt es hin und wieder Aufgaben, die jeder für sich erledigen und dokumentieren kann. Als kleinen Anreiz sozusagen. So wie bei der Challenge auf der Kitzingloipe vor Weihnachten, deren Teilnahme auf einem Foto festgehalten werden musste.

"Ich hoffe sehr, dass diese Zeit bald vorüber ist und wir unseren Sport wieder richtig ausüben können", sagt Holger Gold – und fügt dazu: "Im Augenblick sieht es allerdings nicht danach aus."

Die Klappläden an den Fenstern des Vereinsheims sind geschlossen. Dr. Martin Ruff, der Vorsitzende des SC Heubach-Bartholomä, vor der Skihütte am Wirtsberg.
Mit dem vereinseigenen Quad werden die Trainings- und Nachtloipe am Wirtsberg regelmäßig präpariert. Der Verein ist flexibel und kann auch schon bei geringen Schneehöhen loslegen.

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