Toba: „Ich schaue auf mich selber“

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Andreas Toba strahlt über EM-Silber am Reck.
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Seit zehn Jahren turnt der frisch gebackene Vize-Europameister am Reck, Andreas Toba, für den TV Wetzgau. Jetzt nimmt er seine dritten Olympischen Spiele ins Visier.

Schwäbisch Gmünd/Hannover

Die Zeit, um vor den Olympischen Spielen noch nach Schwäbisch Gmünd zu kommen, bleibt Andreas Toba nicht mehr. Der frisch gebackene Vize-Europameister am Reck aus der Bundesligariege der Wetzgauer Turner bereitet sich nach seinem grandiosen EM-Erfolg in Basel nun auf die Deutschen Meisterschaften am 3. und 4. Juni in Dortmund vor. Und auf den abschließenden Olympia-Qualifikationswettkampf eine Woche später in München. „Es ist mein großes Ziel, noch einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen“, erzählt der Held von Rio 2016 im Interview. Von der Deutschen Sporthilfe ist er vor wenigen Tagen zum Sportler des Monats gekürt worden.


Herr Toba, Glückwunsch zum Vize-Europameistertitel am Reck. Man kann nicht sagen, das Ihnen die Corona-Krise geschadet hat.

Toba: Ja und nein. Natürlich war der große Lockdown im November auch ein großer Nachteil für die Athleten, als wir vier Wochen lang nicht in die Halle durften und keine Wettkämpfe hatten. Aber ich versuche, aus jeder schlechten Situation das Beste zu machen. Ich habe die Zeit danach versucht, zum Lerntraining zu nutzen. Auch den Casina, den ich in Basel geturnt habe, ich zum Beispiel wieder ins Programm aufgenommen.

Sie sind nicht völlig fit zur EM nach Basel gefahren und haben deshalb nur vier der sechs Geräte geturnt.

Ich habe seit der ersten Olympia-Qualifikation und dem anschließenden Trainingslager Probleme mit dem Fuß. Da wollte ich die Belastung in Grenzen halten.

Wie geht es Ihnen jetzt?

Wieder deutlich besser. Ich habe meine Trainingsschwerpunkte etwas verlagert, um die Belastung des Fußes nicht überzustrapazieren.

Ihr großes Ziel ist die erneute Teilnahme an den Olympischen Spielen, die vom 23. Juli bis 8. August in Tokio stattfinden. Die Spiele wurden im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben. Wie sehen Sie diese Situation heute?

Alle, eine ganze Gesellschaft weltweit, war vor im vergangenen Jahr in allen Lebensbereichen mit einer Situation konfrontiert, die es so vorher noch nie gab. Da waren alle überfordert. Was uns Sportler betrifft, waren die Trainingsverhältnisse weltweit damals gravierend unterschiedlich. Es hätte bei den Wettbewerben keine Chancengleichheit bestanden. Das ist jetzt anders. Es hat sich inzwischen eine neue Normalität eingependelt. Vieles ist geregelt. Dadurch sind die Spiele und auch faire Wettkämpfe jetzt möglich.

Was haben Sie sich für Tokio vorgenommen?

Zunächst muss ich mich ja im Juni bei der DM in Dortmund und eine Woche bei der dann abschließenden Qualifikation erst noch für die Olympischen Spiele qualifizieren. Aber wenn ich dabei sein sollte, dann wünsche ich mir nichts sehnsüchtiger als in der Quali einen Wettkampf zu turnen, der mich rundum zufriedenstellt. Alles andere wird man sehen.

Sie turnen den Mehrkampf und haben damit auch die Möglichkeit, in das eine oder andere Gerätefinale zu kommen.

Die Konkurrenz ist gewaltig. Und bislang ist es schwierig, das alles richtig einschätzen zu können. Ich schaue auf mich selber.

Quer durch alle Sportarten gibt es fast täglich Meldungen von Spitzensportlern, die wegen Corona in Quarantäne müssen. Sie sind bislang davon verschont geblieben. Inwieweit ist es das ein Thema für Sie?

Das war in den vergangenen Monaten ständig ein Thema. Stell dir vor, du fährst zu den Olympischen Spielen, wirst zwei Tage vorher positiv getestet und darfst dann nicht mitturnen. Das ist ein Szenario, das für einen Sportler ganz ganz bitter ist. Seit letzten Donnerstag bin ich das erste Mal geimpft. Wenn ich bei den Olympischen Spielen dabei sein darf, werde ich komplett geimpft sein. Diese Angst ist mir damit schon genommen.

Wird das gesamte Kunstturnteam geimpft sein?

Ich weiß es nicht. Aber ich gehe davon aus.

Es hat sich inzwischen eine neue Normalität eingependelt.“

Andreas Toba, Vize-Europameister am Reck

Andreas Toba turnt seit zehn Jahren beim TV Wetzgau in der Bundesliga

Andreas Toba ist Sohn des früheren rumänisch-deutschen Turners Marius Toba und lebt in Hannover.

Er nahm bisher bei den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro teil. Bei der dortigen Qualifikation für das Mannschaftsfinale gemeinsam mit Andreas Bretschneider, Lukas Dauser, Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen zog er sich bei seiner Bodenübung einen Kreuzbandriss zu. Trotz der Verletzung absolvierte er noch seine Übung am Pauschenpferd, die er mit der höchsten Wertung im deutschen Quartett (14,233 Punkte) abschloss. Damit qualifizierte sich die deutsche Mannschaft mit Platz 8 noch für das Finale, in welchem Toba aufgrund seiner Verletzung nicht mehr antreten konnte. Am 17. November 2016 bekam Andreas Toba bei der Bambi-Verleihung den Publikumspreis verliehen.

Andreas Toba turnt seit 2010 für den TV Wetzgau und fühlt sich in der Stauferstadt längst heimisch. Nachdem ihm seine Verletzung 2016 nach den Olympischen Spielen eine lange Pause aufzwang, musste der TVW aus der 1. Bundesliga absteigen. Doch mit einem genesenen Toba gelang die sofortige Rückkehr ins Oberhaus der Kunstturner. Im vergangenen Corona-Jahr 2020 wurde der TV Wetzgau mit Andreas Toba Deutscher Vize-Mannschaftsmeister. wr

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