Trainerinnen müssen fast täglich zum Coronatest

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Improvisationsgeist und Ideenreichtum ist von den Sportlern gefordert. Hier eine Fotocollage der Akivitäten der Leistungsturnerinnen des TV Herlikofen. Collage: TVH

Das Leistungsturnen im TV Herlikofen gibt's jetzt coronakonform im Freien und in Fünfergruppen.

Schwäbisch Gmünd-Herlikofen. „Monatelang sah unsere Trainingssituation so aus, dass wir dreimal die Woche online trainieren. Möglich ist dies allerdings nur 30 von 60 Turnerinnen. Unsere Trainingsgeräte sind Wasserflaschen, Getränkekisten, Holzbretter, Matte und ein Endgerät. Wenn die Mädchen Glück haben, haben sie auch noch guten Internetempfang.“ So beschreibt Bettina Riedel, Trainerin des Leistungsturnens im TV Herlikofen die Situation, die sich seit Ende April zwar etwas gebessert hat. „Zufriedenstellend aber“, sagt sie. „ist das alles nicht.“

Normalerweise sind die Sportgeräte Sprungtisch, Stufenbarren, Schwebebalken, Bodenläufer und Hilfsmittel wie Schaumstoffmatten, Airtrack, Turnkästen, Reck und vieles mehr. „Diese Geräte fehlen uns zu einem ordentlichen Training erheblich. Ganz zu Schweigen von der Möglichkeit, mehr als drei Meter Anlauf nehmen zu können, den ein Zimmer gerade so hergibt“, sagt Riedel. Die Leistungsgruppe und Wettkampfsportler seien aber auf regelmäßiges Training angewiesen. Dass man seit einem halben Jahr nicht mehr richtig an die Geräte könne, mache es schwer, am ehemaligen Leistungsniveau anzuknüpfen. Riedel: „Da hilft alles Kraft- und Dehntraining nichts.“ Seit Ende April darf Training für bis zu 13-jährige Kinder in Fünfergruppen im Freien angeboten werden. „Seitdem schaffen wir unsere Geräte, soweit möglich, aus der Sporthalle nach draußen. Richtig toll ist das trotzdem nicht.“ Dass es den meisten wettkampforientierten Sportlern auch in anderen Vereinen so gehe, sei kein Trost. „Anders als bei Kaderathleten, die uneingeschränkt trainieren dürfen, liegen wir auf Eis“, klagt Riedel.

„Das tummeln sich auf dem Wochenmarkt mehr Leute“

Die Frage, warum im Freien lange Zeit kein Training möglich war, verstand niemand. „Die Kinder werden in der Schule getestet und im Freien ist die Gefahr der Ansteckung gering. Da tummeln sich auf dem Wochenmarkt und in jedem Supermarkt mehr Leute, deren Nachverfolgung im Falle einer positiven Begegnung nicht möglich ist“, glaubt die Übungsleiter des TV Herlikofen. „Wir fühlen uns von den Regelungen übergangen und in die Ecke gedrängt. Die Sportstätten liegen brach und wir verrenken uns in unseren Zimmern.“ Mittlerweile seien viele Turnerinnen zuhause besser mit Geräten ausgestattet, als viele Turnhallen. „Dank ihrer engagierten Eltern, die viel Nerven für die Situation aufbringen und sich mit mehr Ideenreichtum der Situation stellen, als unsere Regierung dies fertigbringt.“

„Man hat das Gefühl, der Sport wird - außer im Spitzenbereich - nicht wahrgenommen. Erklär einer einem leistungsorientierten Kind, warum einige trainieren dürfen und andere nicht“, versucht sich Bettina Riedel in die Gefühlslage der Kinder und Jugendlichen hineinzuversetzen. „Auch Nicht-Spitzensportler brauchen wieder eine Perspektive.“ Denn die Frage, was am Ende übrig bleibt, stelle sich mehr und mehr.

Die Tatsache, dass seit Ende April Kinder unter 14 Jahre in Gruppen zu fünf Personen (auch bei einer Inzidenz über 100) im Freien trainieren dürfen, sei „ein Lichtblick.“ „Der Jubel bei den Mädchen war riesengroß,“ berichtet die Übungsleiterin des TV Herlikofen. Eingeteilt in Kleingruppen bis zu fünf Turnerinnen bieten die TVH-Übungsleiterinnen derzeit ihren jungen Leistungsturnerinnen viermal in der Woche Training im Freien rund um die Turnhalle an. Sogar Einzeltraining (eine Turnerin, eine Trainerin) ist in der Halle erlaubt. „Wir Trainerinnen benötigen jeweils einen negativen Corona-Tagestest“, sagt Bettina Riedel. „Wir müssen derzeit also fast täglich irgendwohin zum Testen fahren.“ Natürlich werde das Training auch im Freien bei körpernahen Hilfestellungen mit Maske durchgeführt.

Die Hoffnung auf 20er-Gruppen besteht

Die Hoffnung ist jetzt, dass die Inzidenz im Ostalbkreis unter 100 sinkt. „Dann dürfen wir Trainingsgruppen mit bis zu 20 Kinder unter 14 Jahre bilden.“ Noch keine Aussicht bestehe allerdings dafür, die Älteren wieder ins Boot zu holen. „Dabei“, sagt die Übungsleiterin, „wäre eine Training im Verein für die Kinder und Jugendlichen doch eine gute Möglichkeit gewesen, sich kontrolliert zu treffen, anstatt sich irgendwo an einem See zusammenzutun.“ wr

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