Trainieren in Kleinstgruppen zu zweit

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Die LG Staufen trainiert wieder mit Jugendlichen ab 15 Jahren unter scharfen Corona-Auflagen im Gmünder BSZ-Stadion. Was geht nach fünf Monaten Hometraining?

Schwäbisch Gmünd.

Gähnende Leere im Stadion des Berufsschulzentrums auf dem Gmünder Hardt. Nein, fast. Ein Mädchen zieht alleine ihre 400m-Runden auf der Bahn. Am Rand der 100m-Bahn sind Kräftigungsübungen angesagt - zu zweit. Und an der Kugelstoßanlage tummeln sich noch einmal drei Jungs - und üben den richtigen Dreh.

„Trainieren in Kleinstgruppen“ nennt Lutz Dombrowski das. Zu zweit oder zu dritt. Und: „Wir müssten strengsten darauf achten, dass sich die Gruppen nicht mischen.“ Das sei Bestandteil des strikten Hygienekonzepts, das der Genehmigung für ein Leichtathletiktraining im weiten Rund des BSZ-Stadions zugrunde liegt.

Rund 40 Jugendliche und Erwachsene der LG Staufen trainieren unter diesen Bedingungen derzeit dort seit drei Wochen wieder. Zuvor gab's fünf Monate nur Home- und Onlinetraining. Die Auswirkungen seien gravierend. „Selbst der begabteste und motivierteste Athlet hat nach fünf Monaten die Schnauze voll“, weiß der Weitsprung-Olympiasieger von 1980. Dass die heimischen Möglichkeiten begrenzt sind, liegt auf der Hand. Anstatt Kniebeugen im Kraftraum mit 100 kg auf der Schulter gab's einen Sechserpack Wasserflaschen ins Genick. Kaum das Niveau eines Rehatrainings, mehr sei zuhause einfach nicht möglich. „Beim Online-Training geht es doch einfach darum, dass man sich sieht und den Kontakt zueinander nicht verliert“, sagt der Cheftrainer der LG Staufen nach den Erfahrungen eines mittlerweile kompletten Corona-Jahres.

„Das ist für den Sport insgesamt eine verheerende Situation, nicht nur für uns Leichtathleten. Das trifft alle Sportarten gleich. Ganz besonders die Mannschaftssportarten“, sagt der Sportlehrer, der weiß, wie wichtig Bewegungsangebote gerade für Kinder und Jugendliche sind. Kein Schulsport, kein Vereinssport, außer Home- und Onlinetraining rein gar nichts. „An dem Entwicklungsstau werden wir noch lange zu knabbern haben.“

Noch immer nicht in die Halle

Dombrowski: „In die Halle dürfen wir ja immer noch nicht rein.“ Auf echtes Krafttraining an den Geräten im Untergeschoss der Gmünder Großsporthalle müssen deshalb die Leichtathleten weiterhin verzichten.

An richtiges Training ist zunächst auch gar nicht zu denken. Die Defizite in der körperlichen Verfassung der Sportler seien nach dieser langen Zeit so gravierend, dass man erst einmal drei bis vier Wochen Aufbautraining leisten müsse. „Wegen der Verletzungsgefahr kannst du ja nicht gleich in die Vollen gehen“, erklärt der LGS-Cheftrainer. Muskulatur, Bänder und Sehnen müssen sich erst einmal wieder an größere Belastungen gewöhnen. Das dauert.

Sportlich fair ist das nicht

Mit Blick auf anstehende Wettkämpfe wie baden-württembergische, süddeutsche oder deutsche Meisterschaften sieht Lutz Dombrowski das Gros seiner Athleten in einer Situation, die für Sportler auch nicht fair ist. „Es gibt Sportler, die in den Bundes- und Olympiakadern sind, die konnten ihr Training aufrecht erhalten. Für die hat sich nichts geändert.“ So wie zum Beispiel die Deutsche U23-Vizemeisterin im Kugelstoßen, Milaine Ammon. Auch die Landeskader-Athleten der LG Staufen konnten fast normal trainieren.

Die meisten Sportler aber durften nicht. Dombrowski: „Wie sollen meine Athleten, die keinem dieser Kader angehören und ein halbes Jahr nichts machen durften, jetzt gegen Leute antreten, die voll durchtrainiert haben? Sportlich fair ist das nicht.“

Bereits anfang Juni sind die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften der Aktiven in Braunschweig geplant, Ende Juni soll die U23-DM in Koblenz und Ende Juli die Jugend-DM in Rostock stattfinden. Wer dabei sein will, der muss sich zunächst über andere Wettkämpfe qualifizieren. Möglichkeiten dazu gab's bisher praktisch keine. Zeitlich werde das ziemlich eng werden, sieht Lutz Dombrowski die Situation. Er glaubt nicht, „dass man den Wettkampfkalender so halten kann. Das halte ich für äußerst problematisch.“ Andererseits weiß er auch, wie schwierig es ist, bei Bedarf neue Veranstalter zu finden, die eine solche Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt übernehmen würden. Alles nicht so einfach.

Zur U20-EM nach Tallinn?

Für Milaine Ammon gibt's am Samstag eine Gelegenheit, sich zu zeigen. Die 18-Jährige zählt noch zu den Jüngeren der Altersklasse der U20. Wenn es gut läuft, könnte sie sich für die U20-Europameisterschaft qualifizieren, die vom 15. bis 18. Juli in Tallinn in Estland stattfinden soll. Wenn Corona das zulässt.

„Das ist für den Sport insgesamt eine verheerende Situation.“

Lutz Dombrowski, Olympiassieger und

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