TSB-Aufholjagd wird belohnt: Mühleisen hält den Punktgewinn fest

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Foto: Jan-Philipp Strobel

Ein Unentschieden, das sich anfühlt wie ein Sieg: Der TSB Gmünd liegt im Heimspiel gegen den HC Neuenbürg fast über die gesamte Spielzeit hinweg im Rückstand und holt dennoch einen verdienten Punkt. Beim 27:27 (11:16) – Remis wird Torwart Daniel Mühleisen in den Schlussminuten zum Matchwinner.

Schwäbisch Gmünd

Es kommt selten vor, dass sich die Schlussmänner selbst in die Torschützenliste eintragen. Noch seltener, dass sie es sind, die ihre Mannschaft zum ersten und einzigen Mal in einem Spiel in Führung werfen. Genau das gelang Daniel Mühleisen am Samstagabend, als er in den letzten acht Minuten seinen Kasten vernagelte und dann selbst mit einem Wurf über das gesamte Spielfeld hinweg das 27:26 erzielte. Den starken Gästen aus dem badischen Neuenbürg gelang zwar noch der Ausgleich. Doch ihre letzte Aktion – ein direkter Freiwurf nach Ablauf der Spielzeit – wurde ebenfalls zur sicheren Beute für Mühleisen, der mit 18 Paraden seinen bislang wohl besten Auftritt im TSB-Dress ablieferte.

Drago? Oprea ist nicht der Typ, der gerne einen einzelnen Akteur aus seinem Kollektiv hervorhebt. Nach Mühleisens spielentscheidenden Aktionen blieb dem TSB-Trainer allerdings keine Wahl. „Ich freue mich für uns als Team, aber ich freue mich besonders für Dani“, sagte Oprea: „Er hat gemerkt, was er kann und dass die Arbeit mit unserem Torwarttrainer Primoz Prost immer mehr Früchte trägt. Wenn man die gesamten 60 Minuten betrachtet und die Rückschläge, die wir zu verkraften hatten, dann fühlt sich dieses Unentschieden wie ein Sieg an.“ Denn das Verletzungspech hatte wieder einmal zugeschlagen. Neben Wolfgang Bächle (Muskelfaserriss) war auch Kapitän Aaron Fröhlich (Wadenprobleme) zum Zuschauen verdammt. „Beide haben auf der Bank so stark mitgefiebert, dass sie am besten hereingesprungen und mitgespielt hätten“, meinte Oprea schmunzelnd. Erschwerend hinzu kam, dass Kreisläufer Jonas Waldenmaier beim Warmmachen umgeknickt war und mit einer Bänderverletzung auch für die kommenden Spiele auszufallen droht. Auch Philipp Schwenk (Fieber) fiel kurzfristig aus, stattdessen kam sein 17-jähriger Bruder Jonas zum Premiereneinsatz in der Oberliga.

„Doch in einer solchen Phase haben wir gelernt, uns noch mehr zusammenzuraufen“, so Oprea. Dies allerdings gelang dem TSB im ersten Durchgang nur bedingt. Vor allem in der Abwehr vermisste der Trainer die „Kompaktheit und Aggressivität, die uns ausmacht.“ Die Gmünder begannen nervös und hatten Glück, dass Mühleisen den ersten Strafwurf der Gäste parierte, ehe Sven Petersen nach vier Minuten das 1:2 erzielte. Neuenbürg übernahm die Initiative und legte nach einer Viertelstunde erstmals drei Tore vor. „Es hat sich bestätigt, dass sie in allen Bereichen eine bockstarke Mannschaft sind“, erklärte Oprea: „Ich bin mir sicher, dass sie in dieser Saison nicht mehr so viele Punkte abgeben werden.“ Linksaußen Eric Zimmermann und Tom Abt, der fünf Wochen nach seinem Nasenbeinbruch aufs Parkett zurückkehrte, brachten den TSB zwar zunächst auf 7:8 (18.) heran. Doch insgesamt leisteten sich die Gmünder zu viele Fehlwürfe, gleichzeitig bekamen sie das schnelle Umschaltspiele ihrer Gäste nicht in den Griff. Beim 8:12 (22.) und 9:13 (24.) setzte es jeweils nur 15 Sekunden nach dem eigenen Torerfolg prompt den Gegentreffer. Bis zur Pause wuchs der Rückstand auf 11:16 (30.) an, womit der TSB laut Oprea noch gut bedient war: „Ohne Dani Mühleisen hätten wir auf jeden Fall deutlicher zurückliegen können. Wir sind nicht konsequent genug in die Zweikämpfe gegangen und haben im Angriff sehr oft parallel anstatt in die Tiefe gespielt. Das war nicht unser Niveau, was wir geboten haben.“

In der Kabine seien daraufhin einige deutliche Worte gefallen, „um die Jungs wachzurütteln.“ Offenbar mit Erfolg. Torjäger Nicola Rascher, der zuvor kaum zur Geltung gekommen war, erzielte direkt nach Wiederanpfiff drei Tore. Als Patrick Watzl, der Bächle-Vertreter auf Rechtsaußen, seine erste Chance zum 16:16-Gleichstand (35.) nutzte, war der TSB zurück in der Partie. Auch in der Abwehrarbeit wusste Eigengewächs Watzl an der Seite von Christian Waibel zu überzeugen. „Er hat richtig gut zugepackt und das tut auch weh“, so Oprea. Fortan sahen die 400 Zuschauer einen Schlagabtausch auf Augenhöhe, auch wenn die Gmünder abermals mit 17:20 (41.) und 19:21 (44.) ins Hintertreffen gerieten. Doch gerade in dieser Phase bewies der TSB Moral. Zwischen den Pfosten lief Daniel Mühleisen zur Hochform auf, Zwillingsbruder Stephan sorgte vom Kreis für das 21:21 (47.). Zwei weitere Male legte Neuenbürg dank Rückraumschütze Marco Langjahr ein Drei Tore-Polster vor. Doch erst war es Abt, der den TSB mit zwei schnellen Toren wieder auf 23:24 (51.) heranbrachte. Auf das 23:26 (53.) hatten Marian Rascher sowie Watzl die passende Antwort parat. Nachdem Mühleisen gegen den HC-Rechtsaußen Xaver Nitzke parierte, erzielte Nicola Rascher den umjubelten Ausgleich (55.). Danach lenkte Mühleisen einen verdeckten Wurf von Langjahr mit einem Reflex über die Latte – und markierte aus der Distanz selbst das 27:26 (58.).

So kam es, dass der TSB in den verbleibenden beiden Minuten sogar noch den nicht für möglich gehaltenen Sieg in der Hand hatte, den Matchball allerdings fahrlässig liegen ließ. „Da haben wir im Angriff nicht die besten Entscheidungen getroffen“, haderte Oprea, „ich bin mir aber sicher, dass wir aus diesen Fehlern lernen und diese mit Sicherheit nicht wiederholen werden.“ Kasper Veigel traf zum 27:27 für die Gäste, denen die letzten 20 Sekunden gehörten. Bei den TSB-Fans wurden schlechte Erinnerungen wach an das vorherige Heimspiel gegen Steißlingen, als ein Siebenmeter zum Schluss die unglückliche Niederlage besiegelt hatte. Auch dieses Mal wurde mit Nicola Rascher ein TSBler mit der dritten Zeitstrafe disqualifiziert, doch es gab „nur“ einen direkten Freiwurf nach Ablauf der Spielzeit. Linkshänder Veigel nahm Maß und brachte den Wurf tatsächlich an der Mauer vorbei, doch Daniel Mühleisen war abgetaucht und hielt die leistungsgerechte Punkteteilung fest.

Auch Oprea zeigte sich am Ende glücklich mit dem Remis: „Doch im Gesamtpaket mit zehn technischen Fehlern – acht in der ersten, zwei in der zweiten Halbzeit – bin ich natürlich nicht zufrieden. Auch die Jungs hadern selbst mit sich, was für mich als Trainer eine starke Rückmeldung ist.“ Was allerdings nichts an der Tatsache ändert, dass sich die Planung der neuen Trainingswoche aufgrund der angespannten Personalsituation schwierig gestalten dürfte. „Doch die Stimmung ist hervorragend, die Spieler wollen alle und haben Charakter“ erhofft sich Oprea weiteren Auftrieb für die schwere Aufgabe am kommenden Sonntag (17 Uhr / Weibertreuhalle) beim noch ungeschlagenen Tabellenführer TSV Weinsberg.

TSB: Daniel Mühleisen (1), Devin Immer – Eric Zimmermann (6), Nicola Rascher (6/3), Sven Petersen (3), Tom Abt (3), Marian Rascher (3), Stephan Mühleisen (2), Patrick Watzl (2), Christian Waibel (1), Valentin Pick, Arian Pleißner, Jonas Schwenk

HCN: Tobias Krems, Konstantin Regelmann – Kevin Langjahr (6), Xaver Nitzke (5), Mattes Meyer (3), Nils Pollmer (3), Kaspar Veigel (3), Timo Bäuerlein (2), Jonas Kraus (2/2), Felix Kracht (1), Phil Burkhardt (1), Marco Langjahr (1), Alexandru Vulpe, Tim Siedelmann

Siebenmeter: TSB 3/3 – HCN 3/2

Zeitstrafen: TSB 8 Minuten – HCN 6 Minuten

Rote Karte: Nicola Rascher (TSB/60./Dritte Zeitstrafe)

Schiedsrichter: Alexander Kraft, Steffen Reick (SV Langensteinbach)

Zuschauer: 400

Foto: Jan-Philipp Strobel
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Dragos Oprea, Dodo
Dragos Oprea, Dodo.
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