TSB Gmünd: Vorhang auf für eine neue Generation

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Das Team des TSB, hintere Reihe von links: Philipp Schwenk, Jonas Schwenk, Stephan Mühleisen, Kai Kiesel, Andreas Maier, Florian Krazer (Perspektivteam), Jonas Waldenmaier, Jonas Schmutzert (Perspektivteam). Mittlere Reihe von links: Sportlicher Leiter Jürgen Rilli, Zeitnehmerin Anita Abt, Teambetreuer Manuel Zaksek, Torwarttrainer Steffen Sotzny, Cheftrainer Michael Stettner, Co-Trainer Volker Haiser, Zeitnehmer Hans Wendel, Zeitnehmer Wolfgang Mühleisen, Physiotherapeutin Nina Sos, Abteilungsleiter Michael Hieber. Vordere Reihe von links: Eric Zimmermann, Moritz Werner, Wolfgang Bächle, Patrick Watzl, Giovanni Gentile, Daniel Mühleisen, Vincent Pick (Perspektivteam), Valentin Pick, Tom Abt, Dominic Boland (Perspektivteam) Es fehlen: Frederik Füchtner, Arian Pleißner, Nicola Rascher, Jan Spindler, Physiotherapeut Manoj Chamakala

Der TSB startet rundum erneuert in sein achtes Jahr Viertklassigkeit. Das Team birgt großes Potenzial, doch einzig der Klassenerhalt zählt.

Schwäbisch Gmünd

Hinter dem TSB liegt die erfolgreichste Saison der eigenen Oberliga-Historie. Nun wartet eine Saison des Umbruchs. Mit Aaron Fröhlich, Christian Waibel und Sebastian Fabian haben drei Urgesteine ihre Handballschuhe an den Nagel gehängt. Den aufstrebenden Talenten, die nun in deren Fußstapfen treten sollen, steht eine große Herausforderung bevor. In der noch stärker gewordenen Oberliga muss sich das mit einem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren jüngste Team neu beweisen – der fünfte Tabellenplatz aus dem Vorjahr ist nichts mehr wert und auch nicht der Maßstab. Stattdessen stapeln die „Jets“ ganz bewusst tief und wollen sich schnellstmöglich von den hinteren Tabellenplätzen distanzieren. Viel wird also darauf ankommen, ob der Start gelingt.

Dennoch überwiegt beim TSB die Zuversicht. „Die Stimmung ist hervorragend und wir brauchen uns vor keinem Gegner zu verstecken“, betont der Sportliche Leiter Jürgen Rilli, der selbstbewusst hinzufügt: „Das Grundgerüst der Mannschaft steht bereits.“ Neu dabei sind der Linkshänder Moritz Werner aus der A-Jugend von Frisch Auf Göppingen sowie die beiden Rückkehrer Giovanni Gentile und Andreas Maier, die ebenso wie Spielmacher Jan Spindler vom klassentieferen Nachbarn TSV Alfdorf/Lorch dazu kamen. Die Gefahr, dass dieser Kader zu dünn besetzt ist, wird sehr wohl gesehen.

Nachdem im Sommer eine ganze Reihe an Führungsspielern – darunter auch Rückraumspieler Marian Rascher – verloren ging, stellt sich für den Trainer die Frage: Wer hat das Zeug, zum neuen Anführer zu werden? Dem neuen Kapitän Nicola Rascher ist diese Rolle auf Anhieb zuzutrauen, ebenso wie auch Youngster Tom Abt. Trainer Michael Stettner outet sich als großer Fan des erst 19-Jährigen, der nun als Mitglied des Mannschaftsrates mehr Verantwortung übernehmen wird: „Tom hat Potenzial ohne Ende und will unbedingt voran gehen. Alles, was er an seine Mitspieler weitergibt, hat Hand und Fuß.“

Großes Vertrauen stecken die TSBler außerdem in ihrer zuverlässigen Charaktere, die zwar keine Lautsprecher auf dem Feld sind, sich aber über ihre Leistung definieren. Wolfgang Bächle ist auf Rechtsaußen seit vielen Jahren gesetzt, Jonas Waldenmaier und Stephan Mühleisen sind die beiden Konstanten auf der Kreisläuferposition. Daniel Mühleisen zählt nicht nur in der Oberliga zu den besten Tormännern, sondern steht auch im Fokus der deutschen Beachhandball-Nationalmannschaft.

Jugendliche Unbekümmertheit

Die Neuzugänge besitzen – bis auf Maier – keine oder kaum Oberliga-Erfahrung. Was aber nicht zwingend ein Problem sein muss, wie die Vergangenheit bewiesen hat. „Unsere Philosophie ist uns wichtiger als die Ligazugehörigkeit der Spieler“, unterstreicht Stettner den „Gmünder Weg“, jungen Talenten aus dem eigenen Umfeld eine Chance zu geben. Wie groß diese Qualität aus dem eigenen Unterbau ist, stellte der nun endgültig aus der A-Jugend aufgerückte Arian Pleißner bereits im Endspurt der vergangenen Saison unter Beweis. Auch der ein Jahr jüngere Jonas Schwenk steht bereits auf dem Sprung in die Oberliga.

Die jugendliche Unbekümmertheit kann ein großer Trumpf sein, genauso wie es die eigene Körpersprache auf dem Feld und die erhoffte Heimstärke sein sollen. Denn wenn man aus der Vorsaison das Haar in der Suppe finden möchte, so waren es die lediglich sieben Siege vor eigenem Publikum. Auch mehrere Punktverluste gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte waren ein Manko, das sich nicht wiederholen sollte.

Das schnelle Spiel nach vorne aus der Vorsaison möchte der TSB hingegen weiterhin forcieren, weshalb eine Regeländerung dieses Sommers da ganz gelegen kommen könnte. Anders als bislang darf der Anwurf nach einem Gegentor künftig in der Bewegung erfolgen. Allerdings bringt dies auch einen Nachteil mit sich, wenn der eigene Torwart im Angriff zuvor gegen einen zusätzlichen Feldspieler ausgetauscht wurde. Da werde es viel Disziplin brauchen, um den Geschwindigkeitsvorteil des Gegners zu minimieren.

Tempospiel auf der Platte, aber Ruhe im Umfeld – mit diesem Grundsatz blickt der TSB der neuen Runde entgegen. Nach dem Generationenwechsel erwartet niemand Wunderdinge von der eigenen Mannschaft. Doch die Zukunftsaussichten sind gut, erst recht wenn der anvisierte Klassenerhalt erst einmal fix ist.

Fünf Absteiger und die spannende Favoritenfrage

Die „ewige Tabelle“ liefert einen Beleg dafür, dass der TSB Gmünd längst zum Inventar der seit 2000 existierenden Baden-Württemberg-Oberliga zählt. In nunmehr 177 Partien sammelten die „Jets“ 168 Punkte und machten zuletzt einen Sprung von Rang 32 auf 26. Doch auch im nunmehr achten Jahr der Viertliga-Zugehörigkeit erwartet den TSB eine Reise ins Ungewisse. Zu ausgeglichen ist die Liga, zu schwankend das Leistungsvermögen der nun 18 statt 16 Teams. Zumal die Hälfte von ihnen neu dabei ist.

Von den vier Aufsteigern ist allen voran der VfL Waiblingen als besonders stark einzuschätzen. Mit lediglich zwei Niederlagen waren die Waiblinger zuletzt äußerst souverän zur Meisterschaft in der Württembergliga marschiert, der ohnehin schon starke Kader wurde in der Breite weiter verstärkt und peilt nun das obere Mittelfeld an. Mitaufsteiger TV Knielingen (Baden) hingegen betritt Neuland, auch für den TuS Altenheim (Südbaden) und den TSV Wolfschlugen (Württembergliga-Zweiter) geht es einzig und allein um den Klassenerhalt. Dafür wird es ziemlich sicher den 12.Tabellenplatz brauchen, denn abhängig von der Zahl der Drittliga-Absteiger müssen sich aus der Oberliga am Ende bis zu sechs Mannschaften verabschieden.

Spannung bis zum Schluss verspricht ebenso das Rennen um die beiden Aufstiegsplätze. Ob die fünf Absteiger aus der Dritten Liga wirklich zum Favoritenkreis zählen, muss abgewartet werden. Sie haben fast alle einen Umbruch durchgemacht und geben sich nach außen hin entsprechend zurückhaltend. Während es für Plochingen, Söflingen und Blaustein nur eine kurze Stippvisite war, zählten der TV Großsachsen um den gebürtigen Gmünder Marcel Spindler – dem Zwillingsbruder des TSB-Neuzugangs Jan – und die TGS Pforzheim knapp ein Jahrzehnt lang zum festen Inventar der Drittklassigkeit. Die Goldstädter haben auf dem Spielermarkt am Kräftigsten zugeschlagen. Der französischen Torhüter Victor Antoine (US Creteil) und der erfahrene Kreisläufer Alexander Kubitschek (HG Oftersheim/Schwetzingen) fanden ihren Weg zur TGS, deren langjähriger Spielmacher Florian Taafel verletzungsbedingt auf die Trainerbank gewechselt ist.

Gleich fünf Vereine sehen die Pforzheimer deshalb als Titelfavorit, dicht gefolgt vom Vorjahresdritten SG H2Ku Herrenberg (4 Stimmen) sowie Großsachsen (3) und Plochingen (3). Der TVP kann mit Simon Baumgarten immerhin den prominentesten Neuzugang der Liga präsentieren. Der mittlerweile 37-Jährige aus Wißgoldingen war lange Jahre für den Bundesligisten TVB Stuttgart aktiv, zuletzt stand er für den Zweitligisten Rimpar am Kreis. Mit ihm wechselte auch der frühere TSB-Linksaußen Aleksa Djokic vom TSV Alfdorf/Lorch an den Neckar. Immerhin gilt es ein Dutzend Abgänge zu kompensieren – darunter drei Talente von Frisch Auf Göppingen, deren Doppelspielrecht ausgelaufen ist, sowie das Gmünder Eigengewächs Yannik Leichs, der sich für ein halbes Jahr ins Auslandssemester nach Madrid verabschiedet hat.

Ein ehemaliger Alfdorfer ist auch auf der Trainerbank des TSV Blaustein zu finden. Almir Mekic muss nach dem Abstieg einen großen Umbruch bewältigen, als Neuzugang holte er unter anderem seinen Sohn Din aus der Göppinger A-Jugend neu ins Team. Söflingen hingegen setzt große Hoffnungen in die Rückkehr seines langzeitverletzten Regisseurs Aaron Mayer sowie das vom TSB Gmünd verpflichtete Torwarttalent Devin Immer. Als Geheimfavoriten hoch gehandelt sind der HC Neuenbürg oder auch der Gmünder Lokalrivalen TSV Heiningen, der sich in den vergangenen beiden Jahren personell kräftig in Söflingen bedient hat. Zwei Wundertüten sind erneut die U23-Mannschaften vom Bundesligisten TV Bittenfeld und Zweitligisten HSG Konstanz. Beide setzen weiterhin konsequent auf den eigenen Nachwuchs.

So oder so: Die BW-Oberliga ist immer wieder für Überraschungen gut. Die ersten Erkenntnisse werden wohl erst nach den ersten zehn Spieltagen zu sehen sein.

Der Mannschaftskader des TSB Gmünd für die Saison 2022/23

Die Mannschaft:Tor: #16 Daniel Mühleisen (Jahrgang 1997), #33 Giovanni Gentile (1999), #95 Frederik Füchtner (2004)Rückraum links: #12 Nicola Rascher (1998), #24 Arian Pleißner (2003), #34 Andreas Maier (2001), #55 Valentin Pick (2002)Rückraum Mitte: #5 Tom Abt (2002), #18 Jonas Schwenk (2004), #51 Philipp Schwenk (1992), #71 Jan Spindler (1993)Rückraum rechts: #9 Patrick Watzl (2002), #50 Moritz Werner (2003)Linksaußen: #17 Eric Zimmermann (2002)Rechtsaußen: #3 Wolfgang Bächle (1994)Kreisläufer: #2 Stephan Mühleisen (1997), #15 Kai Kiesel (2002), #30 Jonas Waldenmaier (1996)

(Durchschnittsalter: 22,5 Jahre)

Der Kapitän: Nicola Rascher

Die Neuzugänge:Giovanni Gentile, Andreas Maier, Jan Spindler (alle TSV Alfdorf/Lorch), Moritz Werner (SG Schozach-Bottwartal / FA Göppingen U19)

Die Abgänge:Gentian Krasniqi (Ziel unbekannt), Devin Immer (TSG Söflingen), Sven Petersen (pausiert berufsbedingt), Sebastian Fabian, Aaron Fröhlich, Christian Waibel (alle Karriereende), Dragoș Oprea (Trainer, TSB Heilbronn-Horkheim)

Das Trainerteam:Trainer: Michael Stettner; Co-Trainer Volker Haiser (1.Jahr)

Saisonziel:Frühstmöglich von den hinteren Tabellenplätzen distanzieren

Meistertipp:TGS Pforzheim

Hier spielt der TSB:Heimspielstätte 1: Große Sporthalle (1048 Sitzplätze) – Katharinenstraße 33 in Schwäbisch GmündHeimspielstätte 2: Römerhalle (500 Plätze) – Wallenstraße in Straßdorf.

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