TSB Gmünd will dem Spitzenreiter einen heißen Tanz bieten

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Handball, Oberliga, TSB Gmünd, TV Plochingen. Foto: Jan-Philipp Strobel

Der TSB Gmünd will am Sonntag (17 Uhr) in der Straßdorfer Römersporthalle gegen den VfL Waiblingen bestehen.

Schwäbisch Gmünd.

Nach dem souveränen Start ins neue Jahr wartet am Sonntag (17 Uhr / Römerhalle Straßdorf) der VfL Waiblingen auf den TSB Gmünd. Vor dem Duell mit dem Aufsteiger und Tabellenführer bangen die „Jets“ allerdings um den Einsatz von Jan Spindler und Jonas Waldenmaier.

Die Oberliga ist voller Überraschungen, zu denen kurz vor Abschluss der Hinrunde auch der TSB Gmünd als Tabellensechster zählt. Gleich zum Jahresauftakt war es der elftplatzierte TSV Weinsberg, der mit einem 36:23-Kantersieg beim TV Plochingen das bislang größte Ausrufezeichen in dieser Saison setzte. Statt dem TVP thront nun erstmals ein Neuling an der Tabellenspitze: Und zwar der VfL Waiblingen, der seit nunmehr elf Partien ungeschlagen ist. Michael Stettner verblüfft das allerdings in keinster Weise. „Auch wenn sie ein Aufsteiger sind, war ich mir von Anfang an sicher, dass sie mit den hinteren Plätzen nichts zu tun haben werden“, meint der Chefcoach des TSB Gmünd: „Vielleicht hatte sie nicht jeder auf dem Schirm. Aber wenn man die Namen im Kader durchgeht, dann muss sich Waiblingen überhaupt nicht verstecken – ganz im Gegenteil sogar.“

Allein schon beim Blick auf den Kader der Gäste zeigt sich, dass es sich um keinen normalen Aufsteiger handelt. Besonders die Rückraumachse um den früheren Bittenfelder Zweitligaspieler Marc Leinhos (86 Saisontore) verfügt über reichlich höherklassige Erfahrung. Daneben wirbeln Spielmacher Axel Steffens (67 Tore, ehemals SV Kornwestheim) sowie die Brüder Evgeni (53 Tore, ehemals TSB Heilbronn-Horkheim und HC Oppenweiler/Backnang) und Alexej Prasalov (37 Tore, ehemals Horkheim und TSV Neuhausen/Filder). Nimmt man Robin Stöhr und Sascha Laurenz (je 50 Tore) hinzu, ist der VfL auf so ziemlich jeder Position doppelt gut besetzt. Am Kreis findet sich zudem der Ex-Söflinger Lukas Baumgarten (48 Tore), Bruder des Ex-Bundesligaaprofis und jetzigen Plochingers Simon Baumgarten.

„Von den Namen her sind sie qualitativ wirklich hochkarätig besetzt, machen ganz wenig Fehler und treffen oftmals die richtigen Entscheidungen“, sagt Stettner über die sehr ausgeglichene Truppe, die sein Gegenüber Tim Baumgart in den vergangenen sieben Jahren um sich geschart hat und in der Vorsaison mit nur zwei Niederlagen durch die Württembergliga marschiert war. Selbst der Durchmarsch scheint nicht ausgeschlossen für die „Tigers“, deren Frauenteam seit dieser Runde in der 1.Bundesliga antritt.

Den Rückraum in Griff bekommen

Die Rollen sind also klar verteilt. Was aber keinesfalls bedeutet, dass der TSB die zwei Punkte kampflos abtreten wird. „Respekt haben wir vor jedem Gegner, aber sicherlich keine Angst“, betont Stettner: „In eigener Halle sind wir sicher nicht chancenlos und versuchen erneut gegen ein Top-Team zu bestehen. Wir wollen das Spiel offen gestalten, so dass wir in den letzten zehn Minuten noch dran sind und eine Chance haben, etwas mitzunehmen.“ Dazu gilt es in erster Linie den gefährlichen Waiblinger Rückraum in den Griff zu bekommen. Wobei die Gmünder dem Spitzenreiter in dieser Hinsicht fast in Nichts nach stehen: Mit dem VfL (durchschnittlich 32,6 Tore pro Spiel) und den Jets (31,3) stehen sich zwei der ligaweit torgefährlichsten Mannschaften gegenüber.

Allerdings sind die Sorgenfalten bei Stettner vor dem Topspiel nochmals größer geworden. Neben den Langzeitverletzten Patrick Watzl (Reha nach Knieverletzung) und Stephan Mühleisen (Schulter-OP im Februar) drohen auch noch zwei weitere Leistungsträger auszufallen. Zu Beginn der Trainingswoche sind sowohl Kreisläufer Jonas Waldenmaier als auch Spielmacher Jan Spindler unglücklich umgeknickt. „Ich hoffe, dass beide mit ein wenig Tape auflaufen können“, sagt der Trainer mit ernster Miene: „Aber es sieht nicht allzu gut aus und wird sich wohl erst kurzfristig entscheiden. Immerhin haben wir bis Sonntag einen Tag mehr Zeit als sonst.“

Es sind keine guten Vorzeichen für das erste Heimspiel des Jahres. Allerdings hat sich beim jüngsten 37:32-Auswärtssieg in Weilstetten gezeigt, dass der TSB durchaus über starke Alternativen verfügt. Zwar verloren die Gmünder nach einem Elf Tore-Vorsprung die zweite Halbzeit und kassierten für den Geschmack des Trainers viel zu viele Gegentore vom Tabellenvorletzten. Diesen Makel nahm Stettner allerdings gerne in Kauf, um seinen jungen Talenten die nötige Spielzeit zu verschaffen. Gegen Ende der Partie stand mit Moritz Werner, Vincent Pick (beide 20 Jahre), Arian Pleißner, Louis Waldraff (beide 19) und Jonas Schwenk (18) eine extrem junge Formation auf dem Feld. „Das gab es so noch gar nie, da geht es auch überhaupt nicht ob wir mit elf oder nur mit fünf Toren Vorsprung gewinnen“, erklärt Stettner. Dass nach dem „wilden“ Durchwechseln der Spielfluss abreißt, sei völlig nebensächlich. „Die Weiterentwicklung der Mannschaft ist in diesem Fall wichtiger als das Ergebnis. Junge Spieler können sich eben nur weiterentwickeln, wenn sie auch mal spielen dürfen.“

Vier Tore in 15 Minuten

Besonders Pleißner gelang es in Weilstetten, mächtig Eigenwerbung zu betreiben. Innerhalb von nur 15 Minuten erzielte der Rückraum-Shooter gleich vier Tore. Der A-Jugendliche Jonas Schwenk stand sogar knapp 45 Minuten auf der Platte, übernahm im Innenblock eine tragende und vorne am Kreis eine bislang ungewohnte Rolle. „Aber selbst das hat er richtig gut gemacht“, lobt der Trainer: „Hut ab, was er in seinem jungen Alter zeigt. Das ist nicht selbstverständlich.“ Die breite Bank mit hochmotivierten, jungen Spieler könnte für den TSB in dieser kräftezehrenden Saison noch zu einem großen Pluspunkt werden. Stettner weiß das ganz genau: „Deshalb dürfen die Jungen immer wieder heran, wir vertrauen ihnen und teilen dadurch die Kräfte etwas ein. Irgendwann wird das alles hoffentlich Hand in Hand greifen.“

Um nun auch Spitzenreiter Waiblingen zu ärgern, will der TSB an die souveränen ersten 40 Minuten aus Weilstetten anknüpfen. Allerdings auch an die bisherigen Heimspiele in dieser Saison, „in denen wir richtig gut ausgesehen haben“, so Stettner. Lediglich gegen den Zweiten Plochingen (24:26) und den Dritten Bittenfeld II (28:32) mussten sich die Gmünder knapp geschlagen geben. Dass man nun aufgrund der Fußball-Stadtmeisterschaft in die Straßdorfer Römerhalle ausweichen muss, besorgt den TSB-Coach nicht wirklich: „Grundsätzlich würde ich immer die Trainingshalle vorziehen. Doch auch in der kleinen, engen Römerhalle wird die Stimmung richtig gut sein.“ Immerhin hatten die Jets Ende November dort schon die SG H2Ku Herrenberg klar mit 36:31 bezwungen. Nun soll die nächste Überraschung in dieser „verrückten Liga“ gelingen. „Es ist kein Spiel, in dem wir Punkte holen müssen“, findet Stettner: „Aber wir können definitiv punkten. Wenn wir einen guten Tag, dann sind wir auch für Waiblingen nur schwer zu schlagen.“

TSB: Daniel Mühleisen, Giovanni Gentile – Nicola Rascher, Tom Abt, Moritz Werner, Valentin Pick, Andreas Maier, Jan Spindler (?), Arian Pleißner, Jonas Schwenk, Philipp Schwenk, Louis Waldraff, Wolfgang Bächle, Vincent Pick, Eric Zimmermann, Jonas Waldenmaier (?), Florian Krazer

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