TSB hat keine Zeit für höhere Ziele

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Foto: Jan-Philipp Strobel

Auf den Gala-Auftritt gegen Spitzenreiter Baden-Baden folgt für den TSB Gmünd bereits am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) das nächste Heimspiel. Als klarer Favorit empfangen die „Jets“ die „Falken“ des TSV Birkenau, die aktuell den ersten von fünf Abstiegsplätzen einnehmen.

Schwäbisch Gmünd.

Knapp 500 Zuschauer waren völlig aus dem Häuschen – und Dragoș Oprea ebenso. „Das war die beste Leistung, seitdem ich Trainer beim TSB bin“, hält der 39 Jahre alte Ex-Bundesligaprofi voller Stolz fest. Über 60 Minuten zeigte sein Team am vergangenen Sonntag keinerlei Leistungsschwankungen und beherrschte den zuvor 14 Spiele in Serie ungeschlagenen Tabellenführer TVS 1907 Baden-Baden im zweiten Durchgang. Der 30:25-Sieg war auch in der Höhe völlig verdient und so war die Stimmung am sogar „noch einen Tick besser als zuvor“, wie Oprea verrät.

 Dennoch denkt bei den „Jets“ niemand ans Durchdrehen. „Der Fokus liegt nur auf uns und unserer Leistung“, wird der Coach nicht müde zu betonen. Von Aufstiegsträumen spricht – zumindest öffentlich – niemand. Mit der „fantastischen Leistung“ gegen Baden-Baden habe die junge Mannschaft nicht nur einen, sondern drei Schritte nach vorne gemacht, wie Oprea findet. Aber Druck? Den mache sich das Team höchstens selber, wenn es darum geht die selbst gesteckten Ziele so weit wie nur möglich zu überbieten. Alles, was „on top“ komme, nehme man selbstverständlich gerne mit: „Dieses hohe Niveau und den Respekt der gesamten Liga haben sich meine Jungs hart erarbeitet und auch verdient.“ Doch es sei nicht an der Zeit, um große Töne zu spucken oder höhere Ziele auszugeben.

 Fakt ist: Zumindest auf dem Papier ist der TSB als Tabellenfünfter (23:11 Punkte) im Aufstiegsrennen angekommen. Zwar konnte der neue Tabellenzweite TSV Weinsberg (26:12) am Mittwochabend durch einen 35:31-Sieg in Bittenfeld ebenso vorlegen wie der TVS Baden-Baden (31:7), der mit dem klaren 34:24-Erfolg in Weilstetten in die Erfolgsspur zurückfand. Die beiden Siege gegen den aktuellen Klassenprimus sollten für die Gmünder aber eigentlich Argument genug sein, um ganz vorne mitzumischen. Doch Oprea zuckt nur mit den Schultern: „Natürlich kann man sich das ausmalen und basteln wie man möchte. Aber solche Leistungen zu erbringen, erfordert sehr viel Schweiß und Energie.“ Weshalb am Montag zunächst eine Regenerationseinheit auf dem Programm auf dem Programm stand.

 Der angestrebte Nichtabstieg ist dem TSB Gmünd realistisch betrachtet wohl längst nicht mehr zu nehmen. Auf nunmehr 11 Punkte ist das Polster zu den maximal fünf Abstiegsrängen und dem kommenden Gegner TSV Birkenau angewachsen. Kurioserweise begegnen sich beide Vereine am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) zum ersten Mal überhaupt – obwohl sie bereits im zweiten Jahr in der gleichen Liga antreten. Ursprünglich hätte die Partie Anfang Dezember stattfinden sollen, wurde damals aber aufgrund der kritischen Corona-Situation abgesagt. Mittlerweile haben sich die pandemie-bedingten Turbulenzen in der Oberliga zu großen Teilen gelegt. Seit dieser Woche gilt wieder die 3G-Regelung für Spieler und Zuschauer. Zudem ist wieder einen 60-prozentige Hallenauslastung erlaubt, der TSB darf demnach 600 statt der bisher 500 Zuschauer begrüßen. Darüber hinaus wird das Spiel zum Preis von 5 Euro über die Online-Plattform SolidSport.com live übertragen. ( https://solidsport.com/tsb-schwaebisch-gmuend-1-mannschaft-maenner )

 Doch wie viel Unbekanntes steckt eigentlich noch in Birkenau? Oprea hat sich im Videostudium schlau gemacht und spricht voller Respekt über einen Gegner, der jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt benötigt: „Sie spielen ein gutes Tempo. Auch wenn sie insgesamt nicht das Niveau anderer Mannschaft erreichen, haben sie einiges Spieler in ihren Reihen, die ein Spiel jederzeit entscheiden und gewinnen können. Das dürfen wir uns nicht erlauben.“

 

Vor der vergangenen Runde waren die „Falken“ aus Südhessen nach neun Jahren Abstinenz in die Oberliga zurückgekehrt. Bislang erleben die Odenwälder eine Saison voller Höhen und Tiefen. Nach fünf Niederlagen in Folge ließen die Falken im Januar mit zwei Auswärtssiegen bei den Top-Teams HSG Konstanz II (26:24) und TV Weilstetten (28:27) aufhorchen. Doch es folgten zwei Klatsche gegen Heiningen (20:34) und Baden-Baden (22:32). Am Sonntag büßte der TSV durch eine knappe 26:29-Heimniederlage gegen Tabellennachbar TuS Steißlingen den Nichtabstiegsplatz vorläufig wieder ein. Kurioserweise legte Birkenau wegen eines angeblichen Wechselfehlers der Gäste in der 21. Minute Einspruch ein. Das dieser von Erfolg sein wird, ist eher nicht anzunehmen. Zwei Punkte liegt der TSV nun vom rettenden Ufer entfernt und wird nach drei Niederlagen nun abermals den Umschwung einleiten wollen.

 Mit Rechtsaußen Simon Spilger, der bereits 120/51 Saisontore auf dem Konto stehen hat und in der ligaweiten Torschützenliste nur hinter Maurice Bührer (135/30) vom Tabellenzweiten SG Köndringen/Teningen zurückliegt, ist der Hauptakteur der Gäste schnell ausgemacht. Zum Vergleich: Nicola Rascher (93/9) liegt als bester TSB-Werfer auf Rang neun, ist aber ligaweit der drittbeste Feldtorschütze. „Wir konzentrieren uns nicht nur auf einen einzigen Spieler, sondern auf ein gesamtes System“, betont Oprea indes. Torjäger Spilger in Manndeckung zu nehmen, entspricht nicht dem Handballverständnis des einstigen Ausnahme-Linksaußen. Vielmehr erwartet den Positionserben Eric Zimmermann in der Deckung eine „interessante Aufgabe“. Der 19-Jährige ist eine der Entdeckungen in dieser Saison. „Aber er weiß selber, dass er in manchen Bereichen auch noch Entwicklungspotenzial hat“, so Oprea. Den stärksten Mann der Gäste zu verteidigen, sei deshalb eine „richtige und wichtige Aufgabe“ für den Youngster: „Wenn er das schafft, hilft er uns allen ganz gewaltig.“

 Der Druck liegt ganz ohne Frage bei den Gästen. Einen Fehler darf der TSB aber keinesfalls machen: Den Zwölften zu unterschätzen. „Die tabellarische Situation von Birkenau interessiert uns nicht“, stellt Oprea klar. Seine Forderung ist unmissverständlich: „Wir müssen von Anfang an genauso bissig und aggressiv auftreten wie zuletzt, körperlich und geistig präsent sein. Dann werden wir diesem Spiel unsere Richtung geben.“ Denn die TSBler bewegen sich nach seiner Ansicht derzeit auf einem Niveau, in dem sie es selbst in der Hand haben, inwieweit der Gegner ins Spiel kommt oder nicht. Eine bärenstarke Abwehr einschließlich Keeper Daniel Mühleisen, der sich seit Wochen in Top-Form befindet, soll erneut als Grundstein zum Erfolg dienen.

 Personell ist die Ausgangslage beinahe unverhindert. Mit Sebastian Fabian, Aaron Fröhlich und Sven Petersen dürften erneut drei Stammkräfte fehlen. Ein Lichtblick ist es da, dass Rechtaußen Wolfgang Bächle nach überstandener Corona-Infektion bereits gegen Baden-Baden mit vier Treffern glänzte und Valentin Pick nach einer Handverletzung ins Training zurückkehrte. „Wir werden auf jeden Fall wieder eine volle Bank haben“, kündigt der Trainer an, der mit Robert Heer und Vincent Pick zuletzt zwei Akteure aus dem Perspektivteam erstmals in seinen Kader berufen hatte. Dies sei auch am Samstag wieder eine Option.

 Trotz des personellen Engpasses blickt Oprea dem zweiten Heimspiel innerhalb einer Woche zuversichtlich entgegen: „Mit dem Sieg gegen Baden-Baden haben wir unseren Fans gegenüber einiges gut gemacht, das wollen wir fortsetzen und das nächste Handballfest in Gmünd zelebrieren.“ 

 TSB: Fabian (?), D.Mühleisen, Immer – Petersen (?), Watzl, Fröhlich (?), Abt, M.Rascher, N.Rascher, Heer, Pleißner, P.Schwenk, J.Schwenk, Va.Pick, Vi.Pick, Bächle, Zimmermann, S.Mühleisen, Kiesel, Waibel

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