TSB-Schlüsselspiel zur überragenden Saison

+
Handball, Oberliga, TSB Gmünd

Fünf Spieltage vor Schluss verschwendet der TSB Gmünd angesichts des vierten Tabellenplatzes gar keinen Gedanken daran, die Saison vorzeitig abzuhaken. Gegner TSV Birkenau hingegen kämpft am Samstag (20 Uhr / Langenberg-Sporthalle) ums sportliche Überleben. 

Schwäbisch Gmünd. Fast auf den Tag genau zwei Monate liegt das allererste Aufeinandertreffen zwischen dem TSB Gmünd und dem TSV Birkenau zurück. In eigener Halle wurden die „Jets“ anfangs vorgeführt, lagen zur Halbzeitpause mit 10:17 und 90 Sekunden vor dem Ende immer noch mit 25:28 zurück. Doch mit einem sensationellen Schlussspurt rettete der TSB noch ein 28:28-Remis, welches sich für die abstiegsgefährdeten Gäste wie eine Niederlage anfühlte. „Wir wissen, was auf uns zukommt“, erklärt Dragoș Oprea deshalb vor dem Wiedersehen am Samstagabend, welches der TSB-Trainer zu „einem Schlüsselspiel“ der Endphase ausgerufen hat.

 Vergleiche zum Hinspiel taugen allerdings nur noch bedingt, derart viel hat sich beim Gegner in den vergangenen Wochen geändert. Ende März trennten sich die Birkenauer nach der 29:32-Schlappe beim inzwischen sicher abgestiegenen TSV Zizishausen von ihrem Trainer Holger Schwab. Anschließend gelang es unter der Leitung von Sebastian Brehm und Hansi Fremr durch zwei Siege gegen die direkten Konkurrenten Schutterwald (36:24) und Fellbach (40:35) die Hoffnungen auf den Klassenerhalt am Leben zu erhalten. „Inzwischen spielen einige Spieler mit, die im Hinspiel noch nicht dabei waren“, hat Oprea außerdem beobachtet.

 Beim Klassenprimus SG Köndringen/Teningen holte sich der TSV dann eine eingeplante 31:36-Niederlage ab, wobei die Verletzung von Torwart Erik Fremr (Verdacht auf Kreuzbandriss) deutlich schwerer wog. Personell gebeutelt geht es für die Birkenauer in den kommenden Wochen um Alles oder Nichts. Zwei Punkte beträgt der Rückstand auf den rettenden elften Rang, den aktuell der TV Weilstetten einnimmt. Allerdings treffen die Birkenauer fast nur noch auf Gegner aus der oberen Tabellenhälfe – darunter auch der TSB Gmünd.

 Die knapp dreistündige Auswärtsfahrt nach Südhessen dürfte also alles andere als ein lockerer Ausflug werden. „Jeder der schon einmal um den Klassenverbleib gespielt hat, weiß was das bedeutet“, sagt Oprea und fügt hinzu: „Ich kann mir vorstellen, dass die Birkenauer in der Abwehr auch ein Stück weit über die Grenzen hinaus gehen werden. Doch ich habe in meinen Reihen nur mutige Spieler, die den Kontakt und die Härte brauchen.“ Mit dem lockeren 35:23-Erfolg beim Drittletzten in Zizishausen vor drei Wochen lasse sich diese Hürde nicht gleichsetzen: „Mit Birkenau kommt ein ganz anderes Kaliber auf uns zu. Ein neuer Trainer setzt immer neue Impulse frei.“

 Vor der individuellen Klasse der „Falken“ sollte der TSB gewarnt sein. Rechtsaußen Simon Spilger (187/86 Saisontore), ein ganz sicherer Schütze auch von der Siebenmeterlinie, liegt auf dem zweiten Platz der Oberliga-Torschützenliste. Oprea nennt außerdem den Rückraum-Shooter Lukas Gutsche (64): „Ein junger Mann mit einem Hammerwurf, auch aus der zweiten oder sogar aus der dritten Reihe.“ Auf die lange Reise wartet auf die Gmünder ein hartes Spiel mit erbitterter Gegenwehr einer Mannschaft, die sich noch längst nicht aufgegeben hat. „Wir möchten das Maximale aus den letzten fünf Spielen herausholen, da gehört ein positives Ergebnis in Birkenau auf jeden Fall dazu“, gibt der Trainer die klare Devise voraus.

 Dabei könnte man beim Blick auf die Tabelle den Eindruck gewinnen, dass es für den TSB längst um nichts mehr geht. Der angestrebte Klassenverbleib ist längst auch rechnerisch fix, die beiden Aufstiegsränge hingegen außer Reichweite. Doch Oprea widerspricht dieser These vehement. „Es geht immer noch um sehr viel“, betont der 40-Jährige: „Platzierung und Punkte hin oder her. Es geht einfach um unsere Arbeit.“ Die laufende Saison, in der die Gmünder alle Erwartungen übertroffen haben, sie zu schön, um sie vorzeitig abzuhaken. „Ich mache mir bei meinen Jungs keine Sorgen, dass sie jetzt nur noch Halbgas geben“, verspricht Oprea: „Da habe ich die Jungs auch charaktermäßig anders geformt. Jeder, der unser Wappen auf der Brust trägt, wird bis zum 28.Mai alles geben. Denn was im Kopf eines Sportlers bleibt, sind immer die Erinnerungen an die letzten Spiele.“ Immerhin gehe es auch darum, positive Energie für die nächste Saison mitzunehmen – unabhängig davon, ob man im Verein bleibt oder nicht.

 Zumal in der Endabrechnung ein dritter Platz auch viel schöner aussehen würde als ein neunter Platz. Als Tabellenvierter liegt der TSB (32:18 Punkte) nur knapp hinter Herrenberg (33:15), allerdings besteht auch nur ein knapper Vorsprung auf den Neunten Steißlingen (26:22). „Mit ein paar negativen Ergebnissen kann sehr viel passieren, umgekehrt aber genauso“, findet Oprea, auch wenn er selbst nur ungern auf die Tabelle schaut: „Wir möchten in Birkenau den ersten Schritt in Richtung einer überragenden Saison gehen.“ Das sei überhaupt nicht an eine bestimmte Platzierung gebunden, sondern darum das Maximale herauszuholen: „Wir wissen, was möglich ist, wenn wir unser Potenzial abrufen. Wenn wir das schaffen und der Gegner trotzdem besser ist, dann bin ich als Trainer der Erste, der gratuliert.“

 Für eine positive Stimmung sorgt die laut Oprea „unverändert gute“ personelle Situation. Nur Torwart Sebastian Fabian - „bei ihm macht es keinen Sinn, irgendwas zu überstürzen“ - und Arian Pleißner werden beim vorletzten Auswärtsspiel fehlen. Der A-Jugendliche steckt mitten in der Prüfungsvorbereitung. „Ich weiß, wie gerne er dabei wäre, doch er schreibt hoffentlich nur einmal im Leben sein Abitur“, gibt der Chefcoach schmunzelnd zu Protokoll. Fraglich bleibt der Einsatz von Philipp Schwenk aufgrund einer im Heimspiel gegen Weinsberg erlittenen Knieverletzung. Ansonsten kann der TSB mit der vollen Kapelle antreten und schickt sich an, den in der Saison 2016/17 aufgestellten Vereinsrekord von 34:26 Punkten in der vierthöchsten Spielklasse zu überbieten.

 Bei Oprea selbst kommt vor der letzten weiten Auswärtsfahrt seiner Zeit beim TSB allmählich schon ein bisschen Wehmut auf. „Wenn das nicht kommen sollte, dann hätte ich meine Arbeit nicht mit der vollen Leidenschaft gemacht, wie ich es immer von meinen Spielern verlange“, meint der Trainer, den es im Sommer bekanntlich zu seinem Heimatverein, dem Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim zieht: „Dadurch dass ich zwei Jahre lang alles hereingeworfen habe, um eine gute Arbeit zu präsentieren, wird das spätestens beim letzten Heimspiel der Fall sein. Doch bis dahin denke ich nur von Spiel zu Spiel. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.“ Die erste davon hat der TSB in Birkenau zu absolvieren.

  TSB : Daniel Mühleisen, Devin Immer – Patrick Watzl, Sven Petersen, Tom Abt, Marian Rascher, Nicola Rascher, Aaron Fröhlich, Philipp Schwenk (?), Valentin Pick, Wolfgang Bächle, Eric Zimmermann, Christian Waibel, Kai Kiesel, Jonas Waldenmaier, Stephan Mühleisen

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Mehr zum Thema

Kommentare