Über den VfR Aalen in die Nationalelf

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Beim SC Freiburg wurde Nico Schlotterbeck zum Profi.
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Nico Schlotterbeck (21) spielte in der Jugend für die Ostälbler - jetzt hat Bundestrainer Hansi Flick den Defensivspieler erstmals nominiert. Jugend-Trainer Marc Ruppert blickt zurück.

Aalen.

Nein, dass er eine solche Karriere hinlegt, sei nicht vorhersehbar gewesen. Das sagt Marc Ruppert über die Entwicklung von Nico Schlotterbeck, der am Donnerstag im WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein (Anpfiff: 20.45 Uhr) erstmals im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft steht. Ruppert hatte den 21-Jährigen in der Saison 2014/2015 beim VfR Aalen unter seinen Fittichen.

Der einstige Jugendtrainer des VfR Aalen erinnert sich noch genau an den 15-jährigen Burschen, der im Sommer 2014 von der Stuttgarter Kickers auf die Ostalb wechselte. „Nico war frech, witzig und originell, aber kein Chaot“, sagt Ruppert. „Und er hatte es als 15-Jähriger drauf, einerseits die Lockerheit gegenüber dem Trainerteam zu haben, andererseits die nötige Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen.“ Diese Gabe fehle heutzutage vielen Jugendlichen. Schlotterbeck sei damals mit dem Anspruch gekommen, Führungsaufgaben zu übernehmen. „Das hat sich Nico in kürzester Zeit erarbeitet“, sagt Ruppert. Die Mentalität, der Ehrgeiz und die Lernbereitschaft seien die großen Stärken des gebürtigen Waiblingers gewesen. Der heutige Innenverteidiger des SC Freiburg war in der U16 des VfR Aalen weiter vorne zu finden. „Bei mir hat er als Sechser oder Zehner gespielt“, erinnert sich der Jugendtrainer. Schlotterbeck habe damals den einen oder anderen Treffer beigesteuert, „ein Vollstrecker war er aber nie“. Stattdessen sei er derjenige gewesen, der „den letzten Pass spielt“. Dass er den VfR Aalen nach nur einer Saison wieder verlassen hat, kann Ruppert nachvollziehen. „Wir haben damals nur in der Bezirksstaffel gespielt, Nico hatte die Möglichkeit, zum Karlsruher SC in die U17-Bundesliga zu wechseln. Da haben wir ihm natürlich keine Steine in den Weg gelegt.“

Über den KSC zog es den Defensivspezialisten 2017 weiter zum SC Freiburg, wo er im Sommer 2019 Profi wurde. Dass er 2020 an Union Berlin verliehen wurde, war im Nachhinein ein Glücksfall, denn bei den „Eisernen“ schaffte er den Durchbruch in der Bundesliga. Seit dieser Saison trägt Schlotterbeck wieder das Trikot der Freiburger, und am Mittwoch erstmals das der deutschen Nationalmannschaft. Neu-Bundestrainer Hansi Flick hat den inzwischen 21-Jährigen als einen von drei Debütanten berufen. „Mich freut das unheimlich für Nico“, sagt Ruppert, den der frühe Zeitpunkt der Nominierung etwas überrascht. Andererseits hat Schlotterbeck international schon Erfahrungen vorzuweisen - mit der U21 wurde er in diesem Jahr Europameister. „Die Entwicklung von Nico ist schon Wahnsinn“, sagt sein Jugendtrainer beim VfR Aalen. Dass Nico Schlotterbeck am Mittwoch gegen Liechtenstein gleich zur Startelf gehört, glaubt Ruppert nicht. Aber das sei nicht tragisch. „Es geht jetzt erst einmal ums Kennenlernen. Aber ich freue mich natürlich über jede Minute, die er bekommt.“

Mats Hummels wird nicht besser

Dass sich sein ehemaliger Schützling langfristig in der Nationalelf durchsetzt, kann sich Ruppert gut vorstellen. „Er bringt alle Voraussetzungen mit, außerdem herrscht auf der Innenverteidigerposition Bedarf. Denn die Generation um Mats Hummels wird nicht mehr besser werden ...“

Und wo sieht Ruppert noch Defizite bei seinem ehemaligen Spieler? An der Grundschnelligkeit fehle es, aber „das gleicht er durch seine Handlungsschnelligkeit aus“. Und: Schlotterbeck habe früher oft zu viel gewollt, den komplizierten Ball gespielt. „Das hat zu Fehlern geführt.“ Das aber habe er inzwischen abgestellt.

Marc Ruppert wird am Donnerstagabend um 20.45 Uhr von dem Fernseher sitzen und seinen Ex-Schützling genau beobachten. „Natürlich wäre ich viel lieber im Stadion dabei gewesen“, sagt er. Aber: Wenn die Entwicklung von Nico Schlotterbeck so weitergeht wie bisher, wird sein ehemaliger Trainer dazu noch oft die Gelegenheit haben.

Nico war frech, witzig und originell.

Marc Ruppert, Jugendtrainer von Nico Schlotterbeck
Marc Ruppert

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