„UHU“ - die 100 Kilo sind Geschichte

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Im Jahr 2018: Matthias Rueff hat das Leben ausgiebig genossen - und trotz Sport über 120 Kilo auf die Waage gebracht.
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Ein Bettringer hat das Übergewicht satt: Matthias Rueff ist durch Disziplin und hartes Training zu einem ambitionierten Läufer geworden. Das nächste Ziel ist der Marathon in Ulm.

Schwäbisch Gmünd.

Die digitale Waage steht bei 92,1 Kilo. Matthias Rueff ist zufrieden. Denn die Zahlen haben einst anders ausgesehen: dreistellig. Vor zwei Jahren hat der heute 30-Jährige stolze 120 Kilo gewogen - bei 1,85 Meter Körpergröße. Danach hat er das lieben gelernt, was er bis dahin nicht ausstehen konnte: das Laufen - und hat 30 Kilo abgenommen.

Den Jojo-Effekt, den kennt Matthias Rueff zu gut. Als er 2011 ins Berufsleben eingestiegen ist, ging es steil nach oben. „Ich wurde ein typischer Bürotäter - und habe wieder über 100 Kilo gewogen“, sagt der 30-Jährige und erzählt, was Mama Angelika damals sagte: „Du bis ein Gesundheitsmanager ohne Gesundheitsfigur ...“. Wobei er aber auch klarstellt, dass „ich nie unsportlich war“. Fußball, Badminton, Tischtennis - Rueff hat sich viel bewegt. Aber auch Partys genossen und das Leben gelebt. Und deshalb ist er auch immer wieder zurück in den dreistelligen Bereich gerutscht.

Es war die Zeit, in der der Bettringer das Projekt „UHU“ startete - „unter hundert“. Rueff klebte sich ein Bild eines Uhus an eine Zimmertüre und notierte darauf seine aktuellen Werte. „Der Uhu erinnert mich täglich an mein Vorhaben“. Gesunde Ernährung, kein Alkohol und Tennis, damit sollte es funktionieren. „Das Laufen“, sagt er, „habe ich damals gehasst.“ Noch mehr, als er im Dezember 2019 in den falschen Schuhen von Bettringen nach Gmünd gelaufen ist. „Ich konnte mich damals zwei Tage lang kaum bewegen.“

Es war aber auch ein Schlüsselerlebnis für Matthias Rueff, der beschlossen hat, sich einer Laufanalyse zu unterziehen. „Und ich habe den ersten richtigen Laufschuh gekauft.“ Jetzt, eineinhalb Jahre danach, hat er bereits zehn Paar. Das war nicht alles. Der Bettringer, der zu diesem Zeitpunkt mal wieder dreistellig war, hat sich zudem Ziele gesetzt: die Teilnahme am Gmünder Stadtlauf und Alb Marathon im Jahr 2020. „Das war sicherlich ambitioniert“, sagt er und erzählt, dass „ich anfangs keine zwei Kilometer am Stück joggen konnte. Keine Chance!“

Aber: Die Fortschritte waren schnell sichtbar. Rueff war glücklich, und er postete seine Aktivitäten jetzt in den Sozialen Medien. Gesehen hat das auch Julia Stier, eine alte Schulfreundin. Die Halbmarathon-Siegerin des Gmünder Stadtlaufs 2021 hat Rueff schließlich angerufen. „Julia hat mich überredet, beim Barbarossa-Berglauf mitzumachen.“ Dann kam Corona, und das Virus hatte für den Bettringer auch etwas Gutes: Er hatte jetzt noch mehr Zeit, sich auf den Sport zu konzentrieren, den er einst „gehasst“ hat. Längst war aus dem ungeliebten Laufen eine echte Liebe geworden.

Premiere in 2:10 Stunden

Noch im Spätfrühjahr 2020 hat Rueff den ersten Halbmarathon absolviert: 21 Kilometer und 450 Höhenmeter aufs Kalte Feld - allein in 2:10 Stunden. „Ich war völlig kaputt, aber auch stolz und glücklich.“ Und zusätzlich motiviert. Er intensivierte das Laufen. Noch im April schaffte er seinen ersten Halbmarathon unter 2:00 Stunden. Und: Der studierte Gesundheitsmanager begann, sich noch bewusster zu ernähren. Mit Erfolg: Am 30. Mai 2020 stand die Waage bei 88,15 Kilo.

Was noch wichtiger war: dass der Jojo-Effekt ausblieb, weil der Sport längst zu einer „Sucht“ geworden ist. Zum Tennis kam wieder Fußball hinzu. Und radfahren. „Ich brauche kaum noch ein Auto“, sagt er - und dreht mal locker eine 100-Kilometer-Runde mit seinem Gravel-Bike. Vor allem aber schnürt Rueff die Laufschuhe. Fast täglich rennt er, nur montags gönnt er sich eine Pause. Und: Er mag es, seine Leidenschaft mit anderen zu teilen. „Ich habe in diesem Jahr über 100 Läufe gemacht, nur zweimal war ich alleine unterwegs.“ Inzwischen muss er seine Laufpartner sogar koordinieren. „Ich habe so viele Anfragen, ich kann gar nicht alle annehmen.“ Gesetzt: die Sonntagsläufe mit Julia Stier. Längst ist aus dem Duo ein Trio geworden: Johannes Großkopf, Gmünds Top-Läufer, hat sich den beiden angeschlossen. „Mir hilft das, wenn ich mit Besseren laufe, dadurch verbessere auch ich mit stetig.“ Das gelte auch für seine anderen Laufpartner Arthur Feil und Christian Frey.

Und auch wenn Matthias Rueff immer betont, dass das Laufen „in erster Linie Spaß machen soll“, so hat ihn inzwischen auch das Wettkampffieber gepackt. Er war beim Hohenneuffer Berglauf am Start, bei den virtuellen Stuifenläufen und jetzt beim Essinger Panoramalauf, wo er über 23 Kilometer Fünfter in seiner Altersklasse wurde. Ein neues Ziel gibt's auch schon: „Ich möchte in Ulm mit Julia Stier den ersten Marathon schaffen.“

Was schon lange kein Thema mehr ist: „UHU“. Von der 100-Kilo-Grenze ist Matthias Rueff weit entfernt. Ob die Waage inzwischen 88 oder 93 Kilo anzeige, sei zweitrangig. „Viel wichtiger ist, dass ich sportlich aktiv und in meiner Wohlfühlzone bin.“ Und die definiert er jetzt in Minuten: „Wenn ich eine Kilometer-Pace von 4:00 Minuten schaffe, ist alles bestens ...“

Info: Unter „mima.motivation“ bloggt Matthias Rueff auf Instagram.

Ich habe das Laufen früher gehasst.“

Matthias Rueff, Sportler der SG Bettringen

Im Jahr 2021: Mathias Rueff - 30 Kilo leichter - trainiert fast täglich. Und den 30-Jährigen hat das Wettkampffieber gepackt. Foto: privat

Im Jahr 2018: Matthias Rueff hat das Leben ausgiebig genossen - und trotz Sport über 120 Kilo auf die Waage gebracht.

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