Ukrainische Spitzenschwimmerin flüchtet und startet jetzt für den SV Gmünd 

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Neuzugang des SV Gmünd: Dana Akhmedova flüchtete vor dem Krieg und fand in Schwäbisch Gmünd ein neues Zuhause. Trainer Björn Koch freut sich, die 20-jährige Ukrainerin trainieren zu dürfen.

Dana Akhmedova flüchtete vor dem Krieg und fand in Schwäbisch Gmünd ein neues Zuhause. An diesem Donnerstag geht sie in der Lagenstaffel in Berlin an den Start.

Schwäbisch Gmünd. Bei den deutschen Meisterschaften im Schwimmen in Berlin startet für den SV Gmünd am Donnerstag Dana Akhmedova in der 4x100-Meter-Lagenstaffel. Dadurch steigen faktisch die Chancen der Gmünder auf den ersten Gewinn eines deutschen Meistertitels – aber dieser Aspekt ist nebensächlich.

Denn die 20-jährige Spitzenschwimmerin kam nicht aus finanziellen oder sportlichen Gründen nach Schwäbisch Gmünd, sondern sie floh mit ihrer Mutter und ihrem Bruder vor dem russischen Angriffskrieg auf ihr Heimatland Ukraine. Dass Dana Akhmedova jetzt beim Schwimmverein Gmünd landete, ist purer Zufall: Dass sie hier neuen Lebensmut fand, nicht. Diese Geschichte begann am 17. März 2022, drei Wochen nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Da schrieb die in Mutlangen wohnende gebürtige Ukrainerin Iryna Maillet eine Mail an Björn Koch, den Trainer des SV Gmünd: „Guten Morgen Björn, der Krieg in der Ukraine hat mittlerweile viele Leben genommen, Existenzen von vielen Menschen zerstört und Träume zunichtegemacht. Eine talentierte Schwimmerin aus der Ukraine möchte um ihren Traum, einmal bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen zu starten, kämpfen. Sie ist auf der Flucht vor dem Krieg, kommt bald nach Mutlangen und würde sehr gerne weiter trainieren. Da Sie meinen Sohn Oscar Maillet beim SVG trainieren, weiß ich, dass Sie ein großartiger Trainer sind. Könnten Sie sich vorstellen, diese junge Frau zu trainieren?“

Und Iryna Maillet listete gleich die sportlichen Erfolge der am 13. Februar 2002 in Luzk, der über 200 000 Einwohner zählenden Großstadt in der nordwestlichen Ukraine, geborenen Brustschwimmerin auf: Viermal Ukraine-Meisterin bei den Aktiven im Teenager-Alter, Finalistin bei internationalen Wettbewerbe in Österreich und der Schweiz, zweimalige Goldmedaillengewinnerin bei den internationalen Schwimmwettbewerben in der Slowakei mit Bestzeiten von 31,1 Sekunden über 50 Meter Brust, 1.08,0 Minuten über 100 Meter Brust und 2.32,63 Sekunden über 200 Meter Brust, jeweils auf der 25-Meter-Bahn.

Björn Koch, als Weltmeister und Weltrekordler im Schwimmen bei hörbehinderten Menschen und als deren Bundestrainer sozial empathisch engagiert, antwortete prompt: „In dieser für Dana Akhmedova so schwierigen Situation werden wir natürlich behilflich sein. Als ihr möglicher Trainer würde ich mich sehr freuen, sie zu unterstützen und helfen zu können, um ihren schwimmsportlichen Traum zu verwirklichen“. Vorsitzender Roland Wendel setzte alle Hebel in Bewegung, um Dana eine Lebensperspektive in Gmünd zu eröffnen. Wenige Tage später kam sie mit ihrer Mutter und ihrem elfjährigen Bruder in Gmünd an. Gemeinsam mit ihrer ukrainischen Freundin Anastasia, die ebenfalls Schwimmerin ist und deren Tante in Mutlangen lebt, gelang ihr die Flucht aus dem Kriegsgebiet. Der SVG fand für die ukrainische Familie eine Wohnung unweit des Hallenbades, Co-Trainerin Dany Fuchs besorgte den jungen Frauen neue Trainingsutensilien, weil sie ihre eigenen Sachen im von Bomben zerstörten Hallenbad in Ludz zurücklassen mussten. „Vom ersten Tag an hat sich Dana mit Elan und zielstrebigem Ehrgeiz ins Training unserer Leistungsgruppe 1 eingebracht, sie ist nicht nur sportlich, sondern auch menschlich eine Bereicherung“, sagt Koch. Ihre positive Lebenseinstellung zeigt sich auch darin, dass sie ihr Sportstudium so weit es geht, online fortsetzt und dafür ein erforderliches Pflichtpraktikum beim SVG absolviert – sie betätigt sich als Übungsleiterin im Nachwuchsbereich und als Betreuerin beim Schwimmen für ukrainische Familien mittwochs im Gmünder Hallenbad. Für den SVG-Trainer ist deshalb auch klar: „Dana wird sich in Berlin voll reinhängen, sie hervorragend trainiert, wir freuen uns auf ihren ersten Schwimmwettkampf nach vielen Monaten Zwangspause.“

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