Unüblicher Corona-Test: Wurde der TV Wetzgau bewusst geschwächt?

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Verärgert und frustriert: Andreas Toba muss nach einem positiven Coronatest zuschauen - und der TV Wetzgau verliert den Kampf in Straubenhardt.
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Andreas Toba trainiert vor dem Wettkampf verschnupft mit dem Gegner, danach wird der TV Wetzgau zum Testen verdonnert - und verliert seine zwei Besten. „Das war Absicht.“

Schwäbisch Gmünd

Paul Schneider ist immer noch verärgert. „Die Straubenhardter wollten uns bewusst schwächen“, sagt der Trainer des TV Wetzgau, der keine Hoffnung hat, dass sich an der 31:38-Niederlage noch etwas ändert. Trotzdem werde der Verein einen Beschwerdebrief an die Deutsche Turnliga (DTL) schreiben. Hintergrund: Direkt vor dem Bundesliga-Duell haben die Gastgeber unerwartet Coronatests angeordnet. Andreas Toba und Glenn Trebing waren positiv und mussten zuschauen.

Andreas Toba ist als einziger Wetzgauer bereits am Vortag nach Straubenhardt gereist Er hat sich dort mit den befreundeten Turnern des KTV Straubenhardt getroffen und am Morgen des Wettkampfs mit diesen trainiert. „Leicht verschnupft und heiser, aber fieberfrei“ sei er gewesen. „Das bin ich aber immer, wenn ich viel reise. Und ich fühlte mich gut und habe zudem daheim zwei Corona-Tests gemacht, beide waren negativ. Das habe ich den Jungs gesagt.“ Und er habe Abstand zu den Straubenhardtern gehalten.

Eineinhalb Stunden vor dem Wettkampf habe er dann erfahren, dass plötzlich alle, die in den Innenraum der Halle gehen, getestet werden sollen - obwohl Tests bei Bundesligawettkämpfen weder vorgeschrieben noch üblich sind. „Das haben die mit Absicht gemacht“, sagt Paul Schneider, der sich zunächst geweigert hat, die Tests zu machen. Aber: „Die KTV hat als Hausherr das Recht dazu.“ Und: Nach Rücksprache mit der DTL war auch klar, dass der TVW den Wettkampf bei Nichtantreten definitiv verloren hätte.

Die Hiobsbotschaft folgte prompt: Ausgerechnet die beiden Wetzgauer Top-Athleten Andreas Toba und Glenn Trebing wurden positiv auf das Virus getestet - und damit die zwei Turner, die in der Vorwoche bei der WM in Liverpool dabei waren und Kontakt mit den positiven Nationalturnern Nils Dunkel und Pascal Brendel hatten.

Mit FFP2-Maske in der Halle

Toba und Trebing wurden vom Wettkampf in Straubenhardt ausgeschlossen, der TV Wetzgau unterlag stark ersatzgeschwächt mit 31:38 und muss nun bis zum letzten Ligakampf um den Einzug ins Finale um die deutsche Meisterschaft bangen. „Mit Andreas hätten wir ganz sicher gewonnen“, sagt Schneider. Der Trainer macht seiner Mannschaft aber keinen Vorwurf. „Carlo Hörr hatte vor zwei Monaten erst eine Schulter-OP und musste Ringe turnen. Christian Auer und Felix Pohl mussten wir an die Geräte schicken, die sie seit Jahren nicht geturnt haben. Die Jungs haben alles gegeben, und es hätte beinahe sogar gereicht.“

Die positiv getesteten Toba und Trebing haben den Wettkampf in der Halle mit FFP2-Masken mitverfolgt. „Ich habe mich fit gefühlt, ich hätte problemlos turnen können und danach wieder die Maske aufsetzen“, sagt Toba. Dasselbe gelte für Trebing. So aber hätten sie sich sogar den Vorwurf gefallen lassen müssen, warum sie die Halle nicht sofort verlassen habe. „Im Innenraum war aber auch eine Schulklasse ohne Maske, und von denen wurde keiner getestet“, sagt der 32-jährige Vize-Europameister. Auch vermisse er das Fair Play. „Warum haben sie im Vorfeld keine PCR-Tests vorausgesetzt? Dann hätte ich mir die 1000 Kilometer Fahrt sparen können ...“

Und wie geht's nun weiter? Der TV Wetzgau macht sich keine Hoffnung, dass sich an der Niederlage etwas ändert. „Wir haben geturnt und verloren. Das bleibt so“, sagt Schneider. Andreas Toba zieht aus dem Straubenhardter Vorfall sogar eine zusätzliche Motivation. „Wir haben uns jetzt genug aufgeregt und sollten uns wieder aufs Sportliche konzentrieren“, sagt er. Für ihn gehe es jetzt darum, schnellstmöglich negativ zu werden und sich dann auf den Heimwettkampf am Samstag gegen den Siegerländer KV vorzubereiten. „Wir müssen die letzten beiden Wettkämpfe gewinnen, dann sind wir sicher im Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft dabei“, sagt der Trainer.

Und spätestens dann ist auch im Wetzgauer Lager niemand mehr verschnupft. Weder wegen Corona noch wegen der Vorfälle in Straubenhardt.

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