Uwe Wolf sieht keine Abstiegsgefahr

+
Ein wichtiger Erfolgsfaktor: Die treuen Fans des VfR Aalen sorgen - wie hier im WFV-Pokalspiel beim FC Normannia Gmünd - für die lautstarke Unterstützung. Der Regionalligist hofft, dass in der neuen Regionalliga-Saison wieder möglichst viele Zuschauer in
  • schließen

Der Trainer hat den Kader ausgemistet: „Wir haben jetzt eine Mannschaft mit Charakter - das hatte die in der Vorsaison nicht.“ Mit dem neuen Team strebt er einen Platz im vorderen Mittelfeld an.

Aalen.

Der Trainer hat eine klare Vorstellung. Uwe Wolf hat einen Stift in die Hand genommen und seine Spieler auf einem Blatt Papier so zugeordnet, wie er es sich für die kommende Regionalliga-Saison vorstellt. Über diese taktische Formation hat er in Großbuchstaben geschrieben: „Ein Team mit Charakter!“

Uwe Wolf blickt nicht gerne zurück. Diesen Seitenhieb kann sich der VfR-Trainer aber nicht verkneifen. „Die Mannschaft in der vergangenen Saison hatte keinen Charakter! Das waren Grüppchen!“ Als klar gewesen sei, dass sich die Anzahl der Absteiger auf zwei verringere, hätten sich einige „verpisst“. Der 53-Jährige hat deshalb ausgemistet, hat namhafte Spieler weggeschickt. Und sagt jetzt klipp und klar, dass „ich kaum einem Spieler nachtrauere“. Einzig Ouadie Barini. Und menschlich auch Marcel Appiah. Selbst den Weggang von Führungsspieler Tim Grupp habe der Verein „mehr als adäquat aufgefangen“: mit Daniel Elfadli.

Anton Fink auf der Wunschliste

Der Fußballlehrer lobt den „neuen“ VfR Aalen in den höchsten Tönen. Wolf hat bei der Kaderzusammenstellung darauf geachtet, dass die Mischung „aus jungen Wilden und Erfahrenen“ passt. Das ist dem Trainer gelungen: Er hat einerseits namhafte Routiniers wie Benjamin Kindsvater, Luca Arcalean, Sascha Korb oder Ali Odabas geholt, andererseits Talente aus U19-Mannschaften wie Tim Schmidt, Eduard Heckmann oder Sean-Andreas Seitz. Wolf sagt, dass er jetzt ausschließlich Mentalitätsspieler in seinem Kader habe. Das habe er bereits beim ersten gemeinsamen Frühstück vor dem Auftakttraining gespürt. Einen Offensivspieler hätte er gerne noch gehabt: Anton Fink vom SSV Ulm 1846. „Daraus mache ich kein Geheimnis, aber Anton hat nicht in unser Budget gepasst.“ Auch ohne seinen Wunschstürmer ist sich Wolf sicher: „Diese Mannschaft ist jetzt definitiv besser als die der Vorsaison.“ Und mit der will er - in Bundesliga-Denkweise - einen Europa-League-Platz holen“. Heißt: Das Ziel ist Platz sieben. Auf den Blick in die hinteren Tabellenregionen verzichtet er. Er wisse nicht einmal, wie viele Absteiger es in dieser Runde gebe. Und: „Mit dem Abstiegskampf beschäftige ich mich erst gar nicht. Wenn ich das tun würde, hätte ich kein Vertrauen in meine Spieler.“ Denn: „Bei allem Respekt, unsere Truppe ist dafür viel zu gut.“

Noch wichtiger als Platzierungen ist Wolf aber etwas anderes: „Der VfR Aalen kam in der Vergangenheit ein Stück weit arrogant rüber.“ Ziel sei es deshalb, bodenständig zu sein, um den VfR wieder sympathischer zu machen. „Wir wollen leidenschaftlichen und herzerfrischenden Fußball spielen und engagiert auftreten, dann werden wir auch belohnt.“ Natürlich werde er dabei den Dreijahresplan verfolgen, der vorsieht, dass „wir in drei Jahren wieder an die Tür zur 3. Liga klopfen“.

Wolf favorisiert die Dreierkette

Soweit sei sein Team aktuell freilich noch nicht - weil andere Mannschaften finanziell ganz andere Möglichkeiten hätten: die SV Elversberg, Kickers Offenbach, der FC 08 Homburg, TSV Steinbach Haiger und auch der SSV Ulm 1846. Wobei Wolf zwei Mannschaften als Titelkandidaten ausgemacht hat: Elversberg und Offenbach. Seine Mannschaft könne aber all die ärgern. Wolf blickt dabei auf die Europameisterschaft, bei der die Spiele nicht durch Systeme und Taktiken entschieden worden seien, sondern durch Leidenschaft, Lauf- und Kampfbereitschaft. Weshalb Wolf die Systemfrage auch nur als zweitrangig betracht. In der Vorbereitung und im Pokal hat der Trainer vorrangig auf das 3-4-3-System gesetzt. Es ist kein Geheimnis, dass der Fußballlehrer ein Befürworter der Dreier-Abwehrkette ist. Denn: „Mit der Dreierkette kann ich nach Ballgewinnen ohne große Positionsverschiebungen ins Offensivspiel umschalten.“ Wolf ist sich auch sicher, dass sie Innenverteidiger wie Daniel Stanese, Gino Windmüller und Ali Odabas in der Dreierkette leichter tun. Dennoch: Der Trainer hat natürlich auch andere Systeme einstudiert: das 5-4-1 oder das 4-4-2 oder das 4-2-3-1. Doch bei allen taktischen Überlegungen: „Egal welches System: Es kann nur funktionieren, wenn es die Spieler mit Einsatz und Leidenschaft befeuern.“

Uwe Wolf ist sich sicher, dass er dafür die richtigen Profis hat.

Mehr zum Thema:

Kommentar: Alexander Haag über den neuen Kader des VfR Aalen

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare