VfR-Kapitän Abruscia: Regelfrust nach Doppelpack

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Alexis Weidenbach (Koblenz) kommt vor Steffen Kienle (Aalen) an den Ball.
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Erstes Unentschieden des VfR Aalen: Alessandro Abruscia dreht zuerst das Spiel beim FC Rot-Weiß Koblenz und ist dann die tragische Figur beim Ausgleich zum 2:2-Endstand.

Koblenz

Alessandro Abruscia war wieder einmal der entscheidende Mann beim VfR Aalen. Diesmal allerdings in doppelter Hinsicht: Zuerst drehte der 31-Jährige das Spiel beim FC Rot-Weiß Koblenz mit seinen Saisontreffern Nummer sieben und acht von 0:1 auf 2:1, dann war seine Ballberührung entscheidend für den späten Ausgleich zum 2:2.

„Ich verstehe diese Regel nicht.“ Alessandro Abruscia war trotz seines Doppelpacks frustriert. Was war passiert? Es lief die 83. Minute, als Koblenz einen hohen Ball in den Aalener Strafraum schlug. Jakob Lemmer hatte - klar im Abseits stehend - keine Mühe, den 2:2-Ausgleich zu erzielen. Der Jubel war von kurzer Dauer, Schiedsrichter Cristian Ballweg gab den Treffer wegen jener Abseitsstellung nicht. Es folgten Proteste der Koblenzer - und plötzlich ein Umdenken des Unparteiischen: Der Treffer zählte, weil Abruscia den Ball vor Lemmers Schuss berührt hat. „Das ist sehr ärgerlich“, sagt auch Trainer Uwe Wolf.

Ich verstehe diese Regel nicht.“

Alessandro Abruscia, Kapitän des VfR Aalen

Es waren zwei grundverschiedene Hälften auf dem schwer bespielbaren Boden im Stadion Oberwerth. In den ersten 45 Minuten fand der VfR Aalen überhaupt nicht ins Spiel und lag zurecht mit 0:1 hinten. Nach der Pause zeigten die Ostälbler dann ihre Charakterstärke und hätten durchaus einen Dreier verdient gehabt. „Wenn man das ganze Spiel sieht, war es ein gerechtes Unentschieden“, sagt Wolf.

Kurioses zunächst am Spielfeldrand. Mit dem Anpfiff begab sich Sean Seitz zum Warmlaufen. Und das nicht ohne Grund: Daniel Elfadli verletzte sich beim Aufwärmen, stand aber trotzdem in der Startelf, die in Koblenz mit einer Dreierkette agierte. Und diese Kette konnte sich zunächst über mangelnde Arbeit nicht beklagen. „Wir haben losgelegt wie die Feuerwehr“, sagt FC-Trainer Heiner Backhaus hinterher. In der Tat: Koblenz war tonangebend, aggressiver und gewann die entscheidenden Zweikämpfe. Aalen dagegen lief meist nur hinterher. Alexis Weidenbach (12.) zielte zu hoch, und Christopher Spang (32.) und Lemmer (33.) scheiterten am guten Keeper Matthias Layer. Weitere 60 Sekunden später rettete dann Ali Odabas in allerhöchster Not gegen Lemmer (34.). Der längst fällige Führungstreffer fiel dann auch noch vor der Pause. Einen Pass in die Tiefe vollendete Ali Ceylan zum 1:0 (43.).

Rettungstat von Steffen Kienle

„Wir haben uns in der Halbzeitpause gesagt, dass wir das Spiel auf keinen Fall verlieren wollen“, so Torjäger Steffen Kienle, der dazu maßgeblich beigetragen hat. Und die nur 200 Zuschauer sahen jetzt einen anderen VfR Aalen. Einen, der mit Leidenschaft und Kampfbereitschaft agierte. Und der sich jetzt auch Chancen erspielte. Die erste große Möglichkeit hatte der eingewechselte Seitz, allerdings verhinderte der Pfosten den Ausgleich (52.). Jetzt waren es die Koblenzer, die hinterher liefen. Und dafür gleich doppelt bestraft wurden.

52. Minute: Kristjan Arh Cesen passt zurück auf Abruscia, und der Kapitän hämmert den Ball aus zehn Metern unter die Latte - 1:1.

55. Minute: Schiedsrichter Ballweg übersieht ein Foul von Tim Schmidt, im direkten Gegenzug wird Seitz im Strafraum von den Beinen geholt. Abruscia verwandelt sicher - 1:2.

Aus dem anfänglichen Langweiler wurde ein packendes Regionalligaspiel. Nachdem VfR-Keeper Layer glänzend gegen Danny Breitfelder parierte (75.), kam es zum umstrittenen 2:2-Ausgleich (83.). Was danach folgte, war eine hektische Schlussphase mit Großchancen auf beiden Seiten. Beim VfR Aalen waren es Tim Schmidt (88.) und Andreas Knipfer (90.+4), die freistehend an FC-Keeper Baboucarr Gaye scheiterten. Und bei Koblenz hatte Maurice Buckesfeld Keeper Layer bereits überwunden, als Steffen Kienle mit einer grandiosen Rettungstat den Ball noch an den Pfosten lenkte (90.+1).

  • Stimmen zum Spiel:
  • Steffen Kienle, VfR-Stürmer: „Wenn man das ganze Spiel sieht, waren die Koblenzer in der ersten Halbzeit viel aggressiver. Wenn man die zweite Halbzeit anschaut, tut dieser Punkt weh. Da wäre mehr drin gewesen als ein Unentschieden.“
  • Benjamin Kindsvater, VfR-Angreifer: „Dieses 2:2 schmerzt. Der Ausgleich wurde klar aus dem Abseits erzielt, wie sollst du das verteidigen? Das ist kein gerechtes Unentschieden, da war viel mehr drin für uns.“

Ich verstehe diese Regel nicht.“

Alessandro Abruscia, Kapitän des VfR Aalen
  • WFV-Lehrwart Michael Karle: „Die Entscheidung ist regeltechnisch korrekt“
  • Spielsituation. Der Koblenzer Jakob Lemmer erzielte nach 83 Minuten freistehend den Treffer zum 2:2-Endstand - klar im Abseits stehend. Schiedsrichter Cristian Ballweg gab das Tor zunächst wegen dieser Abseitsstellung nicht. Nach Rücksprache mit dem Assistenten revidierte er dann seine Entscheidung und gab den Treffer.
  • Erklärung. VfR-Trainer Uwe Wolf hat mit Cristian Ballweg hinterher gesprochen. „Er hat mit gesagt, dass Alessandro Abruscia den Ball berührt bzw. touchiert und damit das Abseits aufgehoben hätte.“ Abruscia bestätigt das: „Es war ein langer Ball, ich berühre den ganz leicht. Der Schiedsrichter sagte mir, dass dadurch eine neue Spielsituation entstanden sei. Letztendlich wollte ich den Ball verhindern, der Gegner steht aber trotzdem im Abseits.“
  • Regel. Die Regel 11 im DFB-Regelwerk besagt: „Die Berührung des Balles durch einen Verteidiger hebt eine Abseitsstellung auf. Das Spielen muss absichtlich geschehen.“ WFV-Lehrwart Michael Karle sagt zu jener umstrittenen Situation, dass „die Entscheidung regeltechnisch korrekt ist“. Es sei bei einem Kopfball relativ klar, dass „der Spieler absichtlich zu Ball geht“. Und: „Der Spieler hat den Ball berührt. Ob stark , leicht oder ob er ihn nur streift, spielt keine Rolle. Der Spieler möchte zum Kopfball hochgehen.“ alex
Alessandro Abruscia (Aalen) erzielt das Tor zum 1:1 gegen Koblenz.
Iosif Maroudis (Koblenz) im Zweikampf mit Mark Mueller (Aalen) FC Rot-Weiss Koblenz vs VfR Aalen, Fussball, Regionalliga Suedwest, 30.10.2021
Alessandro Abruscia (Aalen) erzielt das Tor zum 2:1 gegen Koblenz.

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