Vom Fußballplatz aufs Mountainbike

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Vor zehn Jahren gründeten Theo Hagenay (2. v. l.) und Armin Patzer (ganz rechts) die Mountainbike-Gruppe, die sich bei der Alt-Herren-Mannschaft des FV 08 Unterkochen eingliedert.
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Während Vereine erst jetzt auf den Montainbike-Hype aufspringen, gründeten Armin Patzer und Theo Hagenay schon vor zehn Jahren eine Mountainbike-Gruppe beim FV 08 Unterkochen.

Aalen-Unterkochen

Erst vor wenigen Wochen haben der SSV Aalen und die TSG Hofherrnweiler/Unterrombach eine Montainbike-Abteilung gegründet. Dass das regionale Angebot im Radsport derzeit wächst, ist eine gute Sache. Wer früher einer Gruppe beitreten wollte, hatte es dagegen nicht so einfach und musste selbst die Initiative ergreifen - so wie im Jahr 2012, als Armin Patzer und Theo Hagenay aus der Not heraus eine Mountainbike-Gruppe innerhalb des FV 08 Unterkochen gründeten.

Die zwei Gründungsmitglieder, die zusammen für Unterkochen auch Fußball gespielt haben, waren seinerzeit gleichzeitig in der Reha. „Beide wegen einer Knieprothese“, sagt Armin Patzer.

Aufs Bike statt auf den Platz

Somit war für das Duo die fußballerische Laufbahn dahin. Aber: „In der Reha sind wir auf die Idee gekommen, dass wir für uns Invaliden, die nicht mehr Fußballspielen können, irgendetwas unternehmen sollten.“ Beide sind begeisterte Radfahrer, daher war die logische Schlussfolgerung schnell klar: „Wenn die anderen Mitglieder der Alt-Herren-Mannschaft donnerstags im Training sind, treffen wir uns zum Radfahren.“

Über die Jahre gewann die Gruppe einige ehemalige FV 08-Kicker der alten Herren dazu. „Es sind immer mehr dazugestoßen, die nicht mehr spielen können, aber Radfahren geht noch“, so Patzer. „Mittlerweile sind wir 16 Leute in der Gruppe.“

Damit will man besonders die Struktur innerhalb des Vereins stärken und wachsen lassen. „Anders als bei der TSG oder dem SSV Aalen sind wir keine öffentliche Gruppe, sondern eine Unter-Abteilung der Alt-Herren-Fußballer des Vereins“, erklärt der Gründer der Radgruppe. „Teilnehmen können somit nur Mitglieder des FV 08.“

Da diese Gemeinschaft sich blind versteht, erhöht das die Sicherheit im Straßenverkehr enorm. „Wenn 15 Leute unterwegs sind, ist es auch immer ein bisschen kritisch“, so Patzer. „Es ist sicherer, wenn diese eine Radgruppe mit festgelegten Regeln fährt - da kann man sich aufeinander verlassen.“

Sicher ist auch, dass die Touren den ehemaligen Fußballakteuren einiges abverlangen. Wie schon vor zehn Jahren schwingen sich die Biker Donnerstagabend auf ihre Räder und legen dabei um die 40 Kilometer in etwa zwei Stunden zurück.

Die Ziele der eingeschweißten Truppe sind abwechslungsreich: Tauchenweiler, der Bucher Stausee oder Schnaitheim. Dabei wird versucht, möglichst abseits der Straße zu bleiben. Während der Fahrt „wird richtig gepowert. Es ist eine gemischte Gruppe und funktioniert wunderbar“.

Es kommt allerdings vor, dass die Runde auch über die Zwei-Stunden-Marke hinaus geht. „Ab und zu kehren wir auch ein und trinken eine Kaltschale“, erklärt Patzer die ausgedehnteren Ausflüge. „Anschließend trifft die Radgruppe auf die Alt-Herren-Mannschaft im Vereinsheim. Wenn alle da sind, sind es oft bis zu 40 Leute.“

Power-Wochenende im Allgäu

Über die Jahre ist somit eine enorme Bindung zum Verein und innerhalb der Mitglieder entstanden. Höhepunkt der Unterkochener-Mountainbiker ist das Sommer-Wochenende im Allgäu. Dabei fährt ein Teil freitags mit dem Auto vor. Der Rest fährt „mit dem Zug bis nach Ulm. Dann geht an der Donau und dann die Iller entlang. Das sind dann immer noch 125 Kilometer“.

Hinzu kommt, dass die Bike-Crew am Folgetag nicht auf der faulen Haut liegt, sondern einen Mammut-Marsch vor hat. „Da geht es dann von 9 bis 17 Uhr auf eine Wandertour.“ Kleiner Luxus am Power-Wochenende: die Rückfahrt ins Kochertal. „Da fahren wir alle mit dem Auto und den Fahrradanhängern zurück“, sagt Armin Patzer. Dass diese aus der Not gegründete Fahrrad-Gemeinschaft seit einem Jahrzehnt regelmäßig die Region abfährt und feste Rituale hat, spricht für den Zusammenhalt.

Ihre Erfahrung geben die Unterkochener-Biker bei Bedarf auch gerne weiter. „Falls Marion Fromberger oder Simon Gegenheimer Tipps zu möglichen Touren in unserer Gegend haben möchten, können sie jederzeit gerne nachfragen“, sagt Patzer mit einem Augenzwinkern an die städtischen Mountainbike-Manager gerichtet.

In der Reha sind wir auf die Idee gekommen.“

Armin Patzer, Gründer der Mountainbike-Gruppe

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