Von der Rhön bis ins Vogtland

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Anflug auf Oberkochen am Abend nach einem langen Flugtag.

Johannes Jakobi vom DHC Aalen gewinnt Deutsche Streckenflugmeisterschaft im Gleitschirmfliegen.

Aalen.

Die Sonne strahlte für Johannes Jakobi vom DHC Aalen, als der DeutscheHängegleiterverband die neuen Deutschen Meister kürte. Johannes Jakobi sicherte sich mit drei überragenden Streckenflügen den Titel in der Standardklasse der Deutschen Streckenflugmeisterschaft.

An sonnigen Tagen sieht man sie häufig am Himmel über Aalen und Oberkochen, an Tagen mit guter Thermik jedoch nur kurz. Dann steigen die Gleitschirmflieger des DHC-Aalen in große Höhen auf und legen mehrere hundert Kilometer zurück. Ganz besonders erfolgreich war dieses Jahr der 39-jährige Johannes Jakobi aus Gerstetten. Mit drei Streckenflügen über 296 km, 280 km und 242 km sicherte sich Jakobi den ersten Platz unter 2611 Teilnehmern in dieser Wertungsklasse.

Für den weitesten Flug wählte Jakobi nicht wie gewohnt den Startplatz in Oberkochen. Aufgrund der besseren Wettervorhersage startete er am 5. Juni auf der Wasserkuppe in der Hessischen Rhön. Von dort führte ihn sein Flug über den Thüringer Wald und das Vogtland. Am späten Nachmittag erreichte er in starken Aufwinden Flughöhen von knapp 3000m und überquerte nahe Tirschenreuth die Grenze nach Tschechien. Zwei Stunden lang überflog er Tschechien bevor Jakobi mit seinem Gleitschirm gegen 20.15 Uhr wieder die Grenze nach Deutschland passierte und bei Neukirchen am Heiligenblut nach einer Flugzeit von 8h 47min den Boden berührte. 296 km standen damit am diesem Abend auf dem Kilometerzähler. Eine herausragende Leistung für den Piloten des DHC Aalen, persönlicher Rekord, Vereinsbestleistung und auch deutschlandweit wird dieser Flug noch lange in der Bestenliste zu finden sein.

Für den nächsten Tag verkündete der Wetterdienst gleich wieder sehr gutes Flugwetter. Diese Chance, weitere Punkte für die Deutsche Meisterschaft zu sammeln, wollte sich der Gerstettener nicht entgehen lassen. Nach der Übernachtung bei einem Fliegerkollegen im Bayrischen Wald, fuhr er früh mit der Bahn ins Altmühltal und stand am Morgen des 6.Juni in Oberemmendorf im Altmühltal wieder mit dem Gleitschirm am Start. Und wie vorhergesagt entwickelt sich die Flugbedingungen für einen weiteren großartigen Streckenflug.

Diesmal wählte Jacobi einen Kurs direkt nach Osten. An Regensburg vorbei, über Plattling hinweg passierte er an diesem Tag wieder die Bundesgrenze bei Passau. Sein Flugweg, markiert von tollen Thermikwolken führte ihn nach Oberösterreich. Nach 6h 22 min und 242 Kilometern setzte Jacobi am Abend diesen Tages im Mühlkreis in der Nähe von Linz zur Landung auf einer Wiese an. Überglücklich und mit der Aussicht auf eine vordere Gesamtplatzierung in der Meisterschaft hieß es nun wieder, viele Stunden für die Rückfahrt nach Hause im Zug zu verbringen.

Startplatz im Altmühltal

Der 12. August sollte dann der Tag für den dritten notwendigen Wertungsflug und zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft werden. Um möglichst weit mit der Unterstützung des vorhergesagten Windes aus Südost fliegen zu können, wählte Jakobi den Startplatz bei Böhming im Altmühltal. Spät am Vormittag erfolgte erst der Start. Dann lief aber alles wie am Schnürchen. Die Thermikwolken standen wie an einer Perlenschnur aufgereiht und Jacobi konnte mit Höchstgeschwindigkeit, die beträgt beim Gleitschirm immerhin rund 55 km/h, Strecke machen. Zuerst ging es in Richtung Heimat. Gegen 14 Uhr überflog er Aalen. Weiter ging es für den Gleitschirmpiloten über denn Schwäbischen Wald in Richtung Backnang. Immer den Aufwinden folgend führte der Flugweg über die Stromberge bei Heilbronn Richtung Bruchsal und Rheintal. Gegen 17 Uhr steuerte Jacobi mit seinem Gleitschirm über den Rhein und weiter Richtung Pfälzer Wald. Langsam wurde es Abend und die Aufwinde schwächer. Trotzdem wagte Johannes Jacobi den Überflug des Pfälzer Waldes, eine besonders hügelige und waldreich Landschaft in der über viele Kilometer nicht gelandet werden kann. Am Ende des Tages ging die Rechnung auf. Mit einer Landung nur wenige Kilometer vor der französischen Grenze auf einer kleinen Wiese in einem engen Tal in der südlichsten Ecke des Pfälzer Waldes bei Ludwigslust sicherte sich Jacobi mit diesem Streckenflug über 280 Kilometer den Titelgewinn.

3800 Streckenkilometer

Insgesamt sammelte der Gleitschirmpilot des Hängegleiterclubs Aalen auf seinen unzähligen weiteren Flügen in der Saison 2022 über 3800 Streckenkilometer mit seinem Gleitschirm. Die meisten davon hatten ihren Ursprung an den Startplätzen Rund um Aalen und Oberkochen oder Donzdorf und führten bis an den Schwarzwald, Rhein oder den Bayrischen Wald.

In Summe können die Mitglieder des Aalener Gleitschirmclubs auf eine sehr erfolgreiche Saison zurückblicken und rund 9000 Kilometer an Streckenflügen und viele hundert Flugstunden über der Ostalb und Süddeutschland genießen. Dies ganz einfach, mit einem Stück Kunstfasertuch als Gleitschirm und einem Abflug mit Anlauf von den Startgeländen rund um Aalen.

Gemeinsam auf Streckenflug, Johannes Jakobi mit dem roten Schirm.
Johannes Jakobi verpackt nach der Landung seinen Gleitschirm
Johannes Jakobi mit Rucksack, in dem sich die ganze Ausrüstung befindet, wartet am Straßenrand nach einem Streckenflug auf eine Mitfahrmöglichkeit zum nächsten Bahnhof.
Johannes Jakobi bei den Startvorbereitungen für das nächste Flugabenteuer.

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