Weilstetten für den TSB Gmünd ein Fingerzeig für den weiteren Saisonverlauf

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Handball, Oberliga: TSB Gmünd - H2Ku Herrenberg. Foto: Jan-Philipp Strobel

Der Gmünder Oberligist will am Samstag (20 Uhr) beim Tabellenvorletzten das Ruder wieder auf Siegkurs stelllen.

Schwäbisch Gmünd.

Mit frischen Kräften, aber ohne Kreisläufer Stephan Mühleisen startet der TSB Gmünd am Samstag (20 Uhr / Längenfeldhalle Balingen) ins neue Jahr. Mit dem TV Weilstetten wartet wieder einmal ein Gegner, der trotz des vorletzten Tabellenplatzes nicht unterschätzt werden darf.

Der letzte Eindruck bleibt. Das sagt nicht nur der Volksmund, sondern das bestätigt auch die Psychologie. Angesichts dieser Tatsache wäre es nicht verwunderlich, wenn die "Jets" zum Jahreswechsel ordentlich Trübsal geblasen hätten. Schließlich hatte der Oberligasechste gegen Aufsteiger Wolfschlugen (32:33) und Spitzenreiter TV Plochingen (24:26) erstmals in dieser Saison zwei Spiele nacheinander verloren – und darüber hinaus auch noch einen seiner Schlüsselspieler.

Stephan Mühleisen, der sich gegen Plochingen in der zweiten Halbzeit die Schulter im Wurfarm ausgekugelt hatte, muss sich einer Operation unterziehen und wird dem TSB voraussichtlich neun Monate fehlen. Die aktuelle Runde ist damit gelaufen, auch den Beginn der kommenden Runde wird der 25-jährige Kreisläufer verpassen. "Eine Katastrophe", findet Michael Stettner. Den Trainer trifft diese Hiobsbotschaft in erster Linie menschlich, aber natürlich auch in sportlicher Hinsicht. Denn Mühleisen hatte sich zum Leistungsträger sowohl in der Abwehr als auch im Angriff entwickelt und stand in jedem Spiel fast über die vollen 60 Minuten auf der Platte.

Diesen Qualitätsverlust komplett aufzufangen, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Zu gut war Mühleisen in seiner Rolle. Am Kreis wird nun vermehrt Jonas Waldenmaier in die Bresche springen, defensiv soll Jonas Schwenk mit gerade erst 18 Jahren eine zentrale Rolle einnehmen. "Klar, er ist noch brutal jung", sagt Stettner über den A-Jugendlichen: "Aber aufgrund seiner bisherigen Leistungen trauen wir es ihm zu, nun noch mehr Verantwortung zu übernehmen." Der Trainer verweist auf weitere Optionen, wie etwa den nach langer Verletzungspause zurückgekehrten Routinier Philipp Schwenk und Eigengewächs Florian Krazer. Beide sammelten bislang im Perspektivteam in der Bezirksliga ihre Spielpraxis.

Dass die vergangenen beiden Niederlagen oder Mühleisens Schocknachricht nun in den Köpfen seiner Spieler herum spuken würden, daran glaubt Stettner allerdings nicht. "Das ist komplett abgehakt", meint der 39-Jährige. Die Weihnachtspause ist zwar so kurz ausgefallen wie noch nie. Bis zum Saisonende am 20.Mai sind die Jets nun jedes Wochenende im Einsatz. Umso wichtiger sei es laut Stettner gewesen, vor dem Jahreswechsel den "Reset-Knopf" zu drücken: "Die Jungs haben den Kopf frei bekommen und durften noch ein letztes Mal durchschnaufen. Sie sind jetzt alle komplett heiß und fokussiert."

Eine Woche lang arbeiteten die TSBler einen individuellen Trainingsplan ab, der sich aber laut Stettner mit nur drei Einheiten "in Grenzen gehalten hat." Erst am Montag traf sich das Team wieder in der Halle, um den Ball in die Hand zu nehmen. Schon nach einer halben Stunde beschlich den Trainer ein gutes Gefühl und so sagte er zu seinem Kapitän Nicola Rascher: "Es fühlt sich so an, als ob die Akkus wieder voll sind." Was nicht bedeuten soll, dass die Mannschaft im Dezember schlecht trainiert habe. "Aber es ist wieder mehr Spielwitz da, wir sind auch mental frischer", freut sich Stettner.

Für den TSB gilt es nun die starke erste Saisonhälfte zu bestätigen und dem Klassenerhalt weiterhin Schritt für Schritt näher zu kommen. Als Tabellensechster liegen die Gmünder weiterhin auf Tuchfühlung zu den Spitzenplätzen, für Stettner allerdings zählt nur das Sechs Punkte-Polster zur Abstiegszone. Dieses wollen die Jets nun mit einem Sieg beim Vorletzten TV Weilstetten ausbauen. Für Außenstehende sieht es nach einer einfachen Aufgabe aus, wenn der TSB am Samstag auf die Schwäbische Alb fährt. Dass seine Mannen die Favoritenrolle einnehmen, kann und will der Trainer gar nicht erst abstreiten: "Doch wir unterschätzen keinen Gegner. Wenn wir in den ersten 14 Spielen eine Sache gemerkt haben, dann, dass wir nirgends etwas geschenkt bekommen."

Besonders nicht vom TV Weilstetten, der im Abstiegskampf auf jeden einzelnen Punkt angewiesen ist. Erst drei Siege konnten die "Lochenfüchse" bislang einfahren. Mit dem 37:36-Heimsieg gegen Drittliga-Absteiger TSV Blaustein gelang dem TVW ein echter Coup. Bei der 20:34-Klatsche gegen Aufsteiger Knielingen im Dezember hingegen sah Trainer Gerrit Jung nach eigener Aussage die "Leistung eines Absteigers". Nur eine Woche später gab seine Mannschaft mit dem 33:29-Erfolg bei der HSG Konstanz II die richtige Antwort. Aufgegeben hat sich der Tabellenvorletzte noch längst nicht.

"Sie spielen einen brutal schnellen Handballl mit zwei richtig guten Außen", verweist Stettner auf die Weilstettener Flügelzange mit Felix Narr (87/41 Saisontore) und Daniel Weckenmann (44 Tore). Mit 503 Gegentoren stellt der TVW zwar die schlechteste Abwehr der Liga, durchschnittlich 30 eigene Treffer pro Spiel sind allerdings nicht der schlechteste Wert. Ein Heimkehrer dürfte nun für neuen Auftrieb sorgen. Rückraumspieler Noah Alilovic war in der vergangenen Saison der beste TVW-Schütze, konnte sich in der Hinrunde beim von Dragos Oprea trainierten Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim nicht durchsetzen.

Alilovic macht Außenseiter Weilstetten damit besonders gefährlich für den TSB Gmünd. "Doch wir unterschätzen keinen Gegner", wird Stettner nicht müde zu betonen: "Erst recht nicht mit der kurzen und schwierigen Vorbereitung, die wir jetzt hatten." In der Trainingswoche war Improvisationstalent gefragt. Nicola Rascher und Daniel Mühleisen verpassen das Abschlusstraining am Donnerstag, da sie am Lehrgang der Beachhandball-Nationalmannschaft in Dortmund teilnehmen. Dort wird das TSB-Duo seine Zelte bereits einen Tag früher abbrechen, um in Weilstetten dabei zu sein. "Diese Einladung haben sich beide auch total verdient", sagt Stettner. Ebenso ist er auch jenen Spielern nicht böse, die vor dem ersten Spiel des neuen Jahres noch im Urlaub weilten: "Das ist schon in Ordnung, denn wir haben in dieser Saison kein spielfreies Wochenende mehr."

Die Partie in Weilstetten wird als erster Fingerzeig dienen, ob der TSB seinen Höhenflug aus 2022 auch beim anstehenden Mammut-Programm fortsetzen kann. Der Trainer jedenfalls fühlt sich bereit, um wieder von Neuem anzugreifen: "Wir haben zwei Spiele nacheinander nicht gepunktet. Jetzt wollen wir wieder damit anfangen und gut ins neue Jahr starten. Geschenkt bekommen wir allerdings gar nichts."

TSBDaniel Mühleisen, Giovanni Gentile – Nicola Rascher, Tom Abt, Moritz Werner, Valentin Pick, Andreas Maier, Jan Spindler, Arian Pleißner, Jonas Schwenk, Philipp Schwenk, Louis Waldraff, Wolfgang Bächle, Vincent Pick, Eric Zimmermann, Jonas Waldenmaier, Florian Krazer

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