Widerstand gegen geplante Mountainbike-Trails

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Dem BUND ein Dorn im Auge: die vielen Mountainbiker in den Wäldern rund um Aalen. Dass die Stadt dem Trendsport jetzt eine Struktur geben und Trails legalisieren will, kritisieren die Naturschützer massiv.
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Der BUND geht gegen die Pläne vor, Strecken in den Wäldern um Aalen für die Radsportler zu legalisieren. Die Stadt reagiert und erklärt das Projekt „in Einklang mit der Natur“.

Aalen

Naturschützer und Mountainbiker - passt das in den Wäldern zusammen? Der BUND sagt nein. Die Stadt Aalen ja. Hintergrund der Diskussionen ist das Vorhaben, Trails rund um Aalen für die Radsportler zu legalisieren. „Die Stadt Aalen hat großes Interesse daran, dass in Bezug auf das Mountainbiken entsprechende Strukturen geschaffen werden“, sagt Oberbürgermeister Frederick Brütting. Und eckt damit an.

Das Thema ist nicht neu: dass rund um Aalen legale Mountainbike-Trails geschaffen werden sollen. Durch die beiden neuen städtischen Mountainbike-Manager Simon Gegenheimer und Marion Fromberger wurde der Konflikt aber neu befeuert. Die beiden Profis haben angekündigt, die Ideen jetzt umsetzen zu wollen. Und Streckenbauer Linus Ott hat erste Vorschläge gemacht, wie solche Trails aussehen könnten. Für den BUND war das des Guten zuviel. Die Naturschützer wandten sich in einem Brief an die Stadt.

„Mit Befremden“ habe der BUND zur Kenntnis genommen, dass OB Brütting zwei Mountainbike-Stellen im Rathaus eingerichtet habe und dass er vor habe, „Aalen zur Mountainbike-Stadt auszubauen“. Der BUND fühle sich „von der Stadt nicht ernst genommen“. Denn: Als Mitinitiator des „Runden-Tisch-Mountainbike“ prüfe man seit längerem die Legalisierung von Trails, und „diese Arbeit ist noch nicht beendet“. Carl-Heinz Rieger und Uta Widmann vom BUND Ortsverband Aalen sehen es als „dringend notwendig, Ranger einzustellen, die die Mountainbiker bei der Ausübung ihres Trendsports überwachen“.

Denn: Der Albtrauf sei „FFH“-Gebiet (Flora, Fauna, Habitate) und damit Schutzraum für Boden, Pflanzen und Tiere. Hinzu komme, dass es nahe des Braunenbergs Vogelschutzgebiete gebe. „Die zahlreichen Mountainbiker, die auf den rund 150 illegalen Trails rund um Aalen fahren, schädigen die Pflanzen- und Tierwelt“, sagt Rieger. Der BUND weist zudem auf den „besorgniserregenden Zustand“ der Wälder hin.

Oberbürgermeister Brütting versichert, dass es nicht das Ziel der Mountainbike-Manager sei, das „Trailnetz in Aalen auszubauen“. Stattdessen soll zunächst „ein Trail in Einklang mit der Natur legalisiert werden“. Und: Es gehöre zu den weiteren Aufgaben von Fromberger und Gegenheimer, dass die Gespräche mit dem Runden Tisch fortgeführt werden.

Geschützte Gebiete zurückbauen

Auch die beiden Mountainbike-Manager stellen klar, dass „uns die Interessen des BUND bewusst sind und genau das ein Grund für die Schaffung unserer Stelle ist, um gegebenenfalls Strecken in geschützten Gebieten zurückzubauen und bei Bedarf an geeigneteren Stellen neue zu erschaffen“, so Simon Gegenheimer. Ein Ziel sei es, mit einer Bike-Karte eine Struktur zu schaffen und damit das Mountainbiken auf Grundlage einer gültigen Rechtslage zu ermöglichen.

Der BUND zweifelt daran. Er fürchtet, dass die Mountainbike-Manager „ein Trailnetz rund um Aalen planen“. In ihrer Annahme bestärkt wurden die Naturschützer durch den Schwäpo-Artikel „Legale Trails bis runter in die Stadt“ (14. Dezember), in dem Streckenbauer Linus Ott aus Ellwangen beschreibt, wie mögliche Trails gebaut werden und aussehen können. „Ein derartiger Eingriff in das Ökosystem Wald mittels Bagger ist nicht nicht zulässig. Es wäre nach dem Waldgesetz sogar strafbar“, sagt Carl-Heinz Rieger.

Linus Ott ist sich dessen bewusst. „Es erfolgt alles in Absprache mit dem Forst, und nur wenn dieser sein o.k. gibt, erfolgt überhaupt ein erster Spatenstich“, sagt der Streckenbauer, der klarstellt, dass „wir stets kompromissbereit sind“. Und: Ein Trail könne auch ohne Maschinen gebaut werden. „Dann wird es aber viel aufwändiger und teurer.“ Die städtischen MTB-Manager sagen zudem, dass ein Streckenbauer „nur in Rücksprache mit uns und damit als Schnittstelle der verschiedenen Interessengruppen handeln wird“.

Was der BUND außerdem befürchtet: Dass die Bedürfnisse der örtlichen Mountainbiker „nur Mittel zum Zweck“ seien. „Inzwischen führen Profisportler und Planungsbüros das große Wort, die Meisterschaften und Weltcup-Rennen in Aalens Wäldern etablieren wollen“, sagt Regionalgeschäftsführer Andreas Mooslehner.

Kein Konflikt zum Naturschutz

Fromberger und Gegenheimer weisen dies entschieden zurück. Denn: „Wir als Mountainbike-Manager haben keine Aufgaben im operativen Sinne der Veranstaltung inne“, sagt Fromberger. Außerdem sei bereits kommuniziert worden, dass der Weltcup ausschließlich in der Innenstadt stattfinden wird und somit „in keinster Weise im Konflikt mit Forst und Naturschutz steht“.

Für Frederick Brütting sind die beiden Mountainbike-Manager der „schon lange notwendige Schritt, um dem Mountainbike-Sport endlich eine Struktur zu geben und illegale Trails zu legalisieren und zu reduzieren“.

Uns sind die Interessen des BUND bewusst.“

Simon Gegenheimer, Mountainbike-Manager Stadt Aalen
  • Mountainbiker begrüßen und unterstützen die Pläne
  • Zuspruch. Bei der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) IG Ostwürttemberg werden die Pläne, die Region zu einer Mountainbike-Hochburg zu machen, mit Freude aufgenommen. „Das Ziel, ein offizielles und bedarfsgerechtes Freizeitwegenetz zu schaffen, steht schon lange auf der Agenda“, sagt Sprecher Carsten Schymik.
  • Umsetzung. Basierend auf dem bestehenden Wegenetz sollen nun offizielle Mountainbikestrecken ausgeschildert werden. „Dabei wird darauf geachtet, dass die Beeinträchtigung der Natur so gering wie möglich gehalten wird“, sagt Schymik. Hierzu sei es nötig, Wege umzubauen oder zu verlegen.
  • Notwenigkeit. Da es sich beim Mountainbiken um eine weggebunde Sportart handele, könne durch Befahren dieser Wege allenfalls das Wegnetz abgenutzt oder beschädigt werden, erklärt Schymik. Um einer Übernutzung zuvorzukommen werde es daher erforderlich sein, dieses Wegenetz mit sanften und naturverträglichen Eingriffen zu verbessern.

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