Wolf stellt die Etablierten in Frage

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Glücksmoment für einen jungen Wilden: Serdar Arslan (links) erzielt bei seinem Regionalliga-Debüt das frühe 1:0 für den VfR Aalen. Die Mitspieler (von links) Mark Müller, Ouadie Barini und Kai Merk feiern den 18-Jährigen, der eine starke Vorstellung ablieferte.
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Nach dem 1:1 (1:0) gegen den Bahlinger SC kündigt der Trainer einen Generationswechsel beim VfR Aalen an. „Ich werde das mit den Verantwortlichen bereden.“

Aalen.

Die Fakten des vorletzten Heimspiels sind schnell erzählt. Die B- Elf des VfR Aalen hat gegen einen ebenso ersatzgeschwächten Bahlinger SC ein achtbares 1:1 (1:0) erzielt. Richtig spannend wurde es erst nach dem Schlusspfiff. Da hat Trainer Uwe Wolf seine verletzten Stammkräfte öffentlich in Frage gestellt - und einen Umbruch angekündigt.

Von wegen Notlösung. Der mit zwei A- Junioren, dem Nachwuchstorwart und einem Neuling besetzten Startelf des VfR Aalen gehöre die Zukunft, stellt Wolf unerwartet deutlich klar. Auf die Frage, ob er dann die teilweise verletzten Etablierten gar nicht mehr brauche, antwortet der Trainer ebenso überraschend mit „Nein“. Selbst ein gültiger Vertrag für die kommende Saison ist für die vermeintlichen Leistungsträger keine Garantie mehr. „Ich werde das mit den Verantwortlichen bereden.“ Nicht ausgenommen ist sogar der erneut nicht im Kader stehende Kapitän Daniel Bernhardt, auch die 35-jährige Galionsfigur kann sich plötzlich nicht mehr sicher sein. „Matthias Layer gehört die Zukunft“, stellt der Coach klar. Und: „Ich möchte eine junge, dynamische Mannschaft, in der jeder für den anderen durchs Feuer geht“.

Eine solche habe gegen den Bahlinger SC mit Ersatz-Spielführer Alessandro Abruscia auf dem Platz gestanden. „Es hat alles geklappt. Die Mannschaft hat mit Leidenschaft Fußball gespielt. Taktisch war das eine Meisterleistung. Super Stimmung, super Kapitän.“ Der Coach kam kaum raus aus dem Schwärmen: „Überragend“ sei der Auftritt gewesen. Seine Profis hätten es mit Bravour umgesetzt.

Keine Frage: Die junge Rasselbande hat einen engagierte und auch unerwartete Leistung abgerufen. Sie hat gekämpft, ist viel gelaufen und hat den Gegner vor allem in den ersten 45 Minuten vor Probleme gestellt.

Serdar Arslan trifft beim Debüt

Aber: Auch der auswärtsschwache Bahlinger SC ist nicht in Bestbesetzung angetreten. So fehlten in der - harmlosen - Offensive die Top-Torjäger Santiago Fischer (21 Saisontreffer) und Amir Falahen (8). Dementsprechend chancenarm war die Anfangsviertelstunde, in der die Aalener die spielbestimmende Elf waren. Und früh in Führung gingen. Nach einer Flanke von Abruscia ist Serdar Arslan bei seinem Regionalliga-Debüt am zweiten Pfosten völlig frei und drückt den Ball aus kurzer Distanz über die Linie - 1:0 (19.). Aalen blieb tonangebend, ohne sich weitere klare Möglichkeiten zu erspielen. Aber auch VfR-Ersatzkeeper Matthias Layer hatte in seinem zweiten Regionalligaspiel wenig Chancen sich auszuzeichnen.

Tief durchatmen mussten die Gastgeber direkt nach Wiederanpfiff. Der artistische Torabschluss von Yannick Häringer springt vom Innenpfosten ins Feld zurück, den Nachschuss hämmert Hasan Pepic übers Tor (48.). Nach einer weiteren vergebenen Großchance durch Yiber Lokaj (53.) war Layer im dritten Anlauf machtlos. Nach einem Traumpass von Häringer kommt Tim Probst frei zum Schuss - 1:1 (54.). Zwei Minuten später hatte der VfR die große Chance zur erneuten Führung.

Abruscia verschießt Elfmeter

Nach einem Foul an Kai Merk zeigte Schiedsrichter Patrick Simon sofort auf den Punkt. Abruscia trat trotz seines Fehlschusses in der Vorwoche erneut an. Und auch diesmal schoss der Standardspezialist schwach, Keeper Aaron Gut parierte den Elfmeter sicher (56.). Ouadie Barini (62./63.), Kolja Herrmann (67.) und Rückkehrer Kristjan Arh Cesen (89.) ließen weitere Gelegenheiten aus. Sekunden vor dem Abpfiff jubelten dann die Bahlinger, doch der Treffer in der Nachspielzeit wurde wegen einer Abseitsstellung aberkannt.

Trotz der Nachlässigkeit zum Schluss gab's für Uwe Wolf keinen Grund, etwas zu bemängeln. „Wenn ich an der Mannschaft Kritik üben würde, wäre ich fehl am Platz“, sagt der Trainer. Und gibt seiner jungen Rasselbande bis Mittwoch frei.

Für die Etablierten dagegen ging's am Sonntag direkt - fragt sich nur, wie lange noch.

Taktisch war das eine Meisterleistung.“

Uwe Wolf, Trainer des VfR Aalen

Stimmen zum Spiel: „Ich habe noch nie zwei Elfmeter nacheinander verschossen“

Serdar Arslan, VfR-Innenverteidiger: „Das hat sich heute sehr gut angefühlt. Am Anfang war ich schon sehr nervös, aber das Team und die Trainer haben mir sehr geholfen. Wir waren sehr aggressiv, sind vorne gut angelaufen.“

Giuseppe Lepore, VfR-Geschäftsführer: „Sehr engagierte Leistung einer sehr jungen Mannschaft. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich mit einem Sieg belohnt. Aber alles gut.“

Mark Müller, VfR-Offensivspieler: „Wir waren eine junge Truppe, haben aber trotzdem aggressiv gespielt. Ich fand auch, dass wir sehr dominant waren. Wir hätten das 2:0 machen müssen oder das 2:1. Am Ende denke ich aber, dass das 1:1 gerecht ist.“

Alessandro Abruscia, VfR-Offensivspieler: „Bei manchen Spielern war eine gewisse Nervosität da, aber nach fünf Minuten war die weg, und wir haben ein gutes Spiel gemacht. Klar, den Elfmeter muss ich machen. Ich habe noch nie zwei nacheinander verschossen. Und as darf eigentlich keine Rolle spielen, dass ich den vorangegangenen verschossen habe.“ alex

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