Zwei Halbzeiten – zwei völlig verschiedene Gesichter 

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Marian Rascher (TSB Schwaebisch Gmuend, #06) gegen Finn Boehm (SG H2Ku Herrenberg, #11), vorne rechts: Janne Boehm (SG H2Ku Herrenberg, #05), Stephan Muehleisen (TSB Schwaebisch Gmuend, #02) Spieler (Verein #00) gegen Spieler (Verein #00) SG H2Ku Herrenb

Ein Punktgewinn für die Moral. Der TSB Gmünd beendet die Siegesserie der SG H2Ku Herrenberg und verdient sich ein 26:26 (11:17) – Unentschieden. Nach der Pause drehen die Jets auf und zeigen die von Trainer Dragoș Oprea geforderte Reaktion. 

Herrenberg. Wieder ein Unentschieden, nach einem Sechs Tore-Rückstand wäre in letzter Minute sogar noch der Sieg möglich gewesen – dennoch war die Gefühlslage beim TSB Gmünd am späten Samstagabend eine ganz andere als noch in der Vorwoche. Über das 26:26-Remis beim zuvor viermal in Folge siegreichen Tabellennachbarn war Trainer Dragoș Oprea deutlich glücklicher als noch nach dem vorherigen 30:30 gegen Abstiegskandidat Schmiden. „Dieses Mal war es auf jeden Fall ein gewonnener Punkt“, bilanzierte der 39-Jährige. Doch war ihm vor allem die Erleichterung anzumerken, einen Fehlstart ins Jahr 2022 gerade noch abgewendet zu haben: „Denn wie wir uns in der ersten Halbzeit präsentiert haben, war das nicht die Reaktion, die wir uns nach dem Schmiden-Spiel gewünscht und vorgenommen haben.“ 

Vor 200 Zuschauern in der Markweghalle liefen die Gmünder zunächst der Musik hinterher. Keeper Daniel Mühleisen parierte zwar den ersten gegnerischen Strafwurf und Linksaußen Eric Zimmermann erzielte aus ganz spitzem Winkel den 3:3-Ausgleich (8.). Doch es war nicht zu übersehen, wie stark die offensive Herrenberger Abwehr mit Spielmacher Valentin Mosdzien an ihrer Spitze den TSB aus dem Konzept brachte. Dass die SG teilweise sogar mit zwei Mann gegen die Rascher-Brüder hinaustrat, störte den Spielaufbau erheblich. „Wir dürfen einer offensiven Deckung nicht aus dem Stand begegnen, sondern müssen die Abwehr in Bewegung bringen“, monierte Oprea. Das gelang nicht. Die einfachen Ballverluste wurden eiskalt bestraft, prompt lagen die Jets mit 3:7 (12.) im Hintertreffen. Fehlwürfe von Sven Petersen oder Marian Rascher schmerzten in dieser Phase, als sich der TSB jeden Treffer hart erarbeiten musste, besonders. Einige taktische Undiszipliniertheiten kamen erschwerend hinzu. „Wir waren zu passiv, zu statisch“, so Oprea. 5:11 – so lautete das Ergebnis einer desolaten Anfangsviertelstunde. 

Mit Christian Waibel und Nicola Rascher im Mittelblock versuchte der TSB, seine defensive Stabilität zurückzugewinnen. Stück für Stück tasteten sich die Gäste in die Partie. Tom Abt und Marian Rascher gelangen einige Durchbrüche. Den von Wolfgang Bächle verwandelten Siebenmetern war es zu verdanken, dass der Abstand nicht weiter anwuchs. Bächle war es dann aber auch, der bei einem Tempo-Gegenstoß die Chance verstreichen ließ, sein Team auf drei Tore heranzubringen. Den Herrenbergern wiederum gelang es immer wieder ihre gefährlichen Flügelspieler in Szene zu setzen. Sebastian Fabian gelang es immerhin direkt nach seiner Einwechslung einen Wurf von Linksaußen Marvin Seeger zu parieren. Als sich seine Vorderleute unmittelbar vor der Pause eiskalt auskontern ließen, war der TSB-Tormann allerdings machtlos. 

Trotz dem 11:17-Rückstand sah Oprea seine Mannen absolut nicht chancenlos. „Ich habe den Jungs gesagt, dass wir jetzt da sind und noch 30 Minuten Zeit haben, um das Spiel zu drehen“, berichtet der Coach von einer motivierenden Kabinenpredigt. Tatsächlich begann die zweite Hälfte äußerst verheißungsvoll. Der erste SG-Wurf prallte von der Latte ab, im direkten Gegenzug verkürzte der zuvor kaum in Erscheinung getretene Nicola Rascher mit seinen ersten beiden Toren auf 15:18 (36.). Der TSB verteidigte nun aggressiver und konzentrierter, profitierte aber auch von drei Aluminiumtreffern nacheinander und dass Herrenberg immer hektischer agierte. Durch eine Manndeckung gelang es gleichzeitig, den stärksten SG-Schützen Janne Böhm (6 Tore) zu bändigen. 

Dadurch wurde es wieder ein offenes Spiel. Der TSB hatte zunächst Pech, dass die Schiedsrichter einem gelungenen Kempa-Trick ihre Anerkennung verweigerten – Zimmermann stand im Kreis – und Bächle seinen siebten Strafwurf über das Gehäuse beförderte. Erst als sich Nicola Rascher entschlossen durchsetzte und zum 19:21 (46.) einnetzte, waren die Jets auf Tuchfühlung. Auch nach einer längeren Unterbrechung aufgrund technischer Schwierigkeiten am Zeitnehmertisch blieben die Gmünder am Drücker. Linkshänder Patrick Watzl, frisch von der Bank gekommen, hielt den TSB mit seinem schnellen Doppelpack zum 21:23 (49.) und 22:24 (50.) im Rennen. „Teilweise hatte Herrenberg keine Ideen mehr, weil wir in der Abwehr richtig gut und kompakt standen“, freute sich Oprea über die tolle Moral seines Teams. 

Doch auch die beiden Torhüter, die zuvor nur wenig Bälle zu fassen bekamen, waren in der entscheidenden Phase maßgeblich an der Aufholjagd beteiligt. Nachdem Fabian einen Lupferversuch von Janne Böhm vereitelte, gelang Bächle im Gegenzug der Anschlusstreffer. Sieben Minuten vor dem Ende rückte Mühleisen wieder zwischen die Pfosten und parierte den Siebenmeter von Alexander Zürn. Aus dem Rückraum sorgten Watzl und Nicola Rascher für den 25:25-Ausgleich (55.). Urs Bonhage warf Herrenberg nochmals in Front, doch Abt hatte die passende Antwort parat (57.). Zimmermann bot sich sogar die große Chance auf die Führung, doch SG-Rückhalt Georg Mohr lenkte seinen Wurf an den Querbalken. In der letzten Minute zwang eine bärenstarke TSB-Abwehr, die nach der Pause nur noch neun Gegentore zuließ, die Hausherren ins Zeitspiel und schließlich zu einem überhasteten Abschluss. Den Gmündern verblieben 33 Sekunden zur Krönung ihrer Leistungsexplosion, doch es fehlten Zentimeter. Zimmermann wollte Watzl per Kempa bedienen, doch das Zuspiel war zu ungenau – es blieb beim 26:26. 

„Dass wir zwei oder drei klare Chancen zu viel liegen gelassen haben, ist ein bisschen ärgerlich“, meinte Oprea. Doch es überwog die Freude über einen Punktgewinn, den zur Halbzeit wohl nur die wenigsten noch für möglich gehalten hätten: „Meinen Jungs haben erneut bewiesen, welch starken Charakter sie besitzen. Sie haben sich zusammengerissen und verdientermaßen diesen Punkt mitgenommen.“ 

Die Lehre aus zwei völlig verschiedenen Halbzeiten: Der TSB funktioniert nur im Kollektiv. „Wir hatten unsere Probleme, doch wir sind jetzt so richtig im neuen Jahr angekommen“, hofft der Trainer. Er verweist auf „enormes Verbesserungspotenzial.“ Denn klar ist, dass sich die Gmünder solche Startschwierigkeiten wie in Herrenberg nicht jede Woche erlauben dürfen. „Diese Dinge werden wir analysieren, um unsere Abwehr weiter zu stabilisieren“, blickt Oprea bereits der nächsten Auswärtshürde beim Lokalrivalen TSV Heiningen (Samstag, 20 Uhr, Voralbhalle) entgegen: „Dort haben wir etwas gutzumachen.“ Die 28:37-Klatsche aus dem Hinspiel sei für den aktuellen Tabellensiebten längst vergessen. 

SG: Georg Mohr, Nicolas Rhotert – Janne Böhm (6), Valentin Mosdzien (5/2), Marvin Seeger (4), Finn Böhm (3), Urs Bonhage (3), Alexander Zürn (3/2), Joshua Stöffler (2), Nick Lange, Johannes Roscic, Frederik Todt TSB: Daniel Mühleisen, Sebastian Fabian – Wolfgang Bächle (7/6), Marian Rascher (4), Nicola Rascher (4), Tom Abt (3), Eric Zimmermann (3), Patrick Watzl (3), Stephan Mühleisen (2), Christian Waibel, Aaron Fröhlich, Sven Petersen Siebenmeter: SG 7/4 – TSB 8/6 Zeitstrafen: SG 8 Minuten – TSB 6 Minuten Schiedsrichter: Philipp Schmidt, Carsten Müller (SV Leonberg/Eltingen) Zuschauer: 200

Valentin Mosdzien (SG H2Ku Herrenberg, #23), vorne rechts: Christian Waibel (TSB Schwaebisch Gmuend, #10), Finn Boehm (SG H2Ku Herrenberg, #11), Sven Peterson (TSB Schwaebisch Gmuend, #18) SG H2Ku Herrenberg vs TSB Schwaebisch Gmuend, Handball, Maenner,
v.l.n.r. Finn Boehm (SG H2Ku Herrenberg, #11), Stephan Muehleisen (TSB Schwaebisch Gmuend, #02), Janne Boehm (SG H2Ku Herrenberg, #05), Urs Bonhage (SG H2Ku Herrenberg, #13), Tom Abt (TSB Schwaebisch Gmuend, #05) wirft Ball, Valentin Mosdzien (SG H2Ku He

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