Zypern? Zornigers Wunsch

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Zorniger Molinari
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Der 53-jährige Gmünder hat Angebote von Top-Vereinen abgelehnt und sich für Apollon Limassol entschieden: „Ich war geplättet, als ich das hier gesehen habe.“

Eine gute Freundin habe ihm eine WhatsApp geschrieben und gefragt: „Zypern? Wunsch oder Pflicht?“ Nachdem Alexander Zorniger bei großen Vereinen wie Schalke 04 und Werder Bremen als Trainer gehandelt wurde, kam der Wechsel zu Apollon Limassol doch überraschend. Nicht so für den 53-Jährigen: „Das war die ehrlichste Entscheidung in meiner Profikarriere.“

Tsirion Stadion Limassol Zypern

Alexander Zorniger ist schon nach gut einer Woche angekommen auf Zypern. Die Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50 ist der ständige Begleiter des Fußballlehrers mit „schwäbischer Hautfarbe“, wie er selbst sagt. Die ersten Worte auf Griechisch hat er intus, auch wenn „man mit Englisch überall durchkommt“. Und er hat die Herzlichkeit der Einheimischen kennengelernt. Auch, weil der Fußball auf der sonnigen Mittelmeerinsel die Sportart Nummer eins ist. Zorniger wird nach wenigen Tagen erkannt. Und genießt es auch. Der 53-Jährige ist einer, der gerne in der Öffentlichkeit steht. Damit sind wir zurück bei der Eingangsfrage. Zypern, das sei sein Wunsch gewesen. Und der seiner Familie. Nach fast fünf Jahren im kühlen Dänemark war die Sehnsucht nach Sonne groß. „Wenn bei mir ein Berater aus einem Land mit mehr als 22 Grad Durchschnittstemperatur angerufen hat, ist meine Frau Kristina an den Schrank gelaufen und hat den Bikini rausgeholt ...“

Glückwünsche „überschaubarer“

Dennoch: Nicht alle haben die Entscheidung Zornigers, ans Mittelmeer zu gehen, mit großer Begeisterung aufgenommen. „Die Glückwunsch-Nachrichten waren überschaubarer als in den vergangenen Jahren.“ Die Bundesliga - in der Saison 2015/2016 war Zorniger Trainer des VfB Stuttgart - hat für viele Schwaben einen weitaus klangvolleren Namen als der Vizemeister von Zypern. Aber: Es sei ihm nicht wichtig gewesen, in eine Top-Liga zu wechseln. Vielmehr habe Apollon Limassol extrem um ihn gekämpft. „Der Verein hat unheimlich Gas gegeben, das sieht man schon daran, dass ich zwei Leute in meinem Team mitbringen kann.“ Einer davon ist ebenso ein Gmünder: Beniamino Molinari.

Ohnehin sei Apollon ein ambitionierter Club. „Allein die Trainingsbedingungen hier sind besser als bei 50, 60 Prozent der deutschen Zweitligisten, die ich kenne. Ich war geplättet, als ich das alles hier gesehen habe.“ Außerdem sei der Fußball auf Zypern aktuell auf Platz 14 oder 15 der Nationenwertung, was bedeute, dass die Mannschaften dort in den kommenden Jahren zwei Qualifikationsplätze für die Champions League erhalten werden.

Auf diese Ränge schielt natürlich auch Zornigers neuer Verein. Deshalb versteht er auch die Kritiker nicht, die sagen, dass deutsche Clubs wie Schalke 04 oder Werder Bremen attraktiver gewesen wären. „Hier auf Zypern kann ich um Titel mitspielen.“ Das wiederum sei auch die Vorgabe an ihn: „Es gab die klare Ansage, dass die Meisterschaft über allem steht.“ Parallel dazu hat der 53-Jährige mit Limassol die Möglichkeit, in der neu geschaffenen „Conference League,“ in der auch Union Berlin antreten wird, zu spielen. „Ich stehe dieser Liga sehr positiv gegenüber, weil die UEFA damit den kleinen Ländern die Chance gibt, Geld zu verdienen.“

Trainingslager in Schladming

Zurück zur zypriotischen Ersten Liga: Dass er die First Division noch nicht genauer kennt sieht Zorniger entspannt. „Ich bin extrem orientiert an meinem eigenen Fußball, und ich bin ein totaler Fan davon, dass sich auch andere daran orientieren.“ Das werde auch auf Zypern so sein. Diesen Stil seiner neuen Mannschaft einzuimpfen, damit hat der Fußballlehrer nun begonnen. Am Dienstag war Trainingsauftakt bei Apollon. Es folgt ein Lauftrainingslager in Platres, hoch oben gelegen in den Bergen Zyperns. Und ein weiteres in Schladming in Österreich. Immer dabei: Zornigers umfangreiches Team samt Ernährungsberater und Koch.

Der Wechsel nach Zypern sei auch für ihn keine rein sportliche Entscheidung gewesen. Zorniger ist ein Energiebündel - dennoch versucht er auf Zypern, die Lebensqualität und den zeitaufwändigen Beruf zu einem glücklichen Leben zu verbinden. „Das habe ich hier gefunden“, sagt der 53-Jährige, dessen Kinder Liva und William noch nicht schulpflichtig sind. Aktuell suche er ein Haus für seine Familie - mit Meerblick. Und: „Jedem muss klar sein, dass man auch in einem Urlaubsgebiet durchaus 12 oder 14 Stunden arbeiten kann, das schöne Wetter ist dabei nur ein guter Umstand.“

Wobei die hohen Temperaturen nicht immer nur angenehm sind. Sie bestimmen auch den Tagesablauf von Zorniger. „Du kannst nicht wie in Deutschland oder Dänemark trainieren. Die erste Einheit hier ist um 8 Uhr, die zweite um 19 Uhr.“ Vor allem im Juli, August sei die Hitze „knackig“.

Sein erstes Ziel hat Alexander Zorniger in seiner neuen Heimat erreicht: die erste Woche ohne Sonnenbrand zu überstehen.

Gmünder Duo: Trainer Alexander Zorniger (rechts) und Co-Trainer Beniamino Molinari bei Apollon Limassol. Foto: kicktv

Das war die ehrlichste Entscheidung.“

Alexander Zorniger, Trainer Apollon Limassol

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