Tennis

Topspieler beschweren sich über anstehende Terminhatz

Die wegen der Corona-Pandemie enge Taktung der Turniere besorgt Rafael Nadal und Co. Wegen der fehlenden Pause müssen die Akteure genau überlegen, wo sie antreten.
  • Der spanische Sandplatz-Spezialist Rafael Nadal hat noch nicht entschieden, bei welchen Turnieren er antreten wird. Foto: Eibner
Die Kritik an Novak Djokovics Adria-Tour-Fiasko war kaum verklungen, da brannte den Topstars das nächste Thema auf der Seele. Nun bereitet der bevorstehende heiße Tennisherbst große Sorgen. Aus den Lagern der ehemaligen Weltranglistenersten Rafael Nadal und Andy Murray werden angesichts der Terminhatz im Saisonendspurt enorme Bedenken laut.

„Der Zeitplan ist unrealistisch, insbesondere für erfahrene Spieler, die nicht so viele Wochen nacheinander antreten können“, sagte Nadals Onkel und langjähriger Trainer Toni dem lateinamerikanischen Fernsehsender ESPN Deportes: „Ich finde es ein bisschen hässlich, was die ATP getan hat. Diese Entscheidung ist völlig gegen Spieler wie Rafa und Novak Djokovic.“

Gerade die dichte Taktung der verbleibenden Grand Slams hält man im Kreise Nadals für unzumutbar. Wegen der Coronakrise finden die French Open in dieser Saison erst vom 27. September bis 11. Oktober und damit nur zwei Wochen nach dem Finale der US Open statt. Für ältere und teilweise von Verletzungen geplagte Spieler wie den Spanier, die bei beiden Turnieren zu den Topfavoriten gehören und vermutlich weit kommen, scheint diese Belastung kaum machbar.

Die Qual der Wahl

Ob er die Mission Titelverteidigung sowohl beim Hartplatzevent in New York als auch auf Sand in Paris überhaupt angehen will, lässt Nadal deshalb bislang auch offen. „Ich habe mit Rafa gesprochen und er hat große Zweifel, welche Turniere er spielen soll“, sagte sein Onkel Toni. Mit seinen Bedenken steht Nadal dabei nicht alleine da. Dem verletzungsgeplagten Andy Murray stößt vor allem die fehlende Vorbereitungszeit beim Wechsel von Hartplatz auf Sand sauer auf.

Bereits während des Finalwochenendes in New York startet auf Sand das prestigeträchtige Mastersturnier in Madrid (13. bis 20. September). Murray sieht in diesem fließenden Übergang der Bodenbeläge ein enormes gesundheitliches Risiko. Entsprechend werde wohl kaum ein Topspieler in Madrid antreten, obwohl dort reichlich Punkte für die Weltrangliste zu holen sind. „Die Rangliste könnte etwas verzerrt werden, wenn man die Punkte so belässt, wie sie sind“, sagte der dreimalige Grand-Slam-Sieger: „Es gibt jede Woche große Turniere, und es wird für Spieler, die beständig gewinnen, sehr schwierig sein, sich auf so viele Veranstaltungen festzulegen.“

Als Alternative schlug er eine vorübergehende Umstellung des Rankings auf einen Zweijahreszeitraum vor. „Es könnte sich lohnen, damit die Jungs, die im letzten Jahr gut abgeschnitten haben und ihre Punkte nicht richtig verteidigen können, nicht bestraft werden“, sagte der Murray. Doch vermutlich wird diese Thematik erst richtig aktuell, wenn der Wettkampfbetrieb im August wieder anfängt. sid
© Südwest Presse 29.06.2020 07:45
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