Alessandro Abruscia verschießt Elfmeter: Der VfR Aalen steht sich selbst im Weg

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Frustriert: Alessandro Abruscianach dem verschossenen Elfmeter.
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Der große Kampf und das Engagement werden nicht belohnt: Alessandro Abruscia ist beim 0:1 (0:0) gegen die TSG Hoffenheim II die tragische Figur. Trainer Tobias Cramer kritisiert die fehlende Überzeugung bei seinem Kapitän.

Aalen

Alessandro Abruscia war niedergeschlagen. „Ich habe das nicht mit Absicht gemacht“, sagt der Kapitän, der beim Stande von 0:1 mit einem schwach getretenen Foulelfmeter scheiterte. Trainer Tobias Cramer ärgert sich über den Fehlschuss und ist sich sicher, dass „das Spiel sogar hätte kippen können, wenn wir da das 1:1 machen“.

Es war nicht das erste Mal, dass Alessandro Abruscia vom Elfmeterpunkt scheitert. Aber selten zuvor wäre ein Treffer so wichtig gewesen. Denn der VfR Aalen hat damit auch das zweite Spiel nach der Insolvenz nicht gewonnen und wartet weiter auf die dringend nötige Aufholjagd angesichts des drohenden Punktabzugs. „Ich möchte mich bei allen entschuldigen“, sagt der 32-Jährige. Tobias Cramer kritisiert die Art und Weise der Ausführung: „Dass sich ein Kapitän da hingestellt ist gerechtfertigt, aber dann muss ich es mit Überzeugung machen.“

Diese Überzeugung fehlte dem gesamten VfR Aalen in den ersten 20 Minuten, in denen die TSG Hoffenheim II klar spielbestimmend war. Kristjan Arh Cesen (10.) und Sascha Korb (12.) retteten nacheinander gegen Justin Isiah Che, und der wiedergenesene Keeper Michel Witte parierte einen Schuss von Umut Tohumcu (22.). Umso bemerkenswerter ist es, dass die Ostälbler dann immer besser ins Spiel fanden und mit ihrer hohen Einsatz- und Laufbereitschaft den seit dem 17. September ungeschlagenen Gegner zunehmend unter Druck setzten. Zwar hatten die Gäste Pech, als ein 22-Meter-Kracher von Tohumcu an den Pfosten krachte.

Seitz: „Den muss ich machen ...“

Auf der Gegenseite ließ der Unparteiische dafür nach einem Foul im Strafraum an Stefan Wächter weiterspielen (40.). Für Cramer „ein klarer Elfmeter“. Nur eine Minute später standen sich die Aalener dann aber wieder selbst im Weg. Sean Seitz scheiterte zunächst mit einer Direktabnahme an Keeper Nahuel Noll, und den Nachschuss hämmerte der Stürmer aus drei Metern übers leere Tor (41.). „Es gibt Tage, da hat man Scheiße am Fuß. Es ist klar, dass ich den machen muss ...“, sagt Seitz.

Es passierte das, was dem VfR Aalen immer wieder widerfährt: dass er ein schnelles Gegentor kassiert. Es waren erst fünf Minuten nach der Halbzeitpause gespielt, als Andu Yobel Kelati im Strafraum an den Ball kam, Michael Schaupp ins Leere laufen ließ und frei vor Witte vollendete - 0:1 (50.). Die Ostälbler steckten den Rückschlag schnell weg und kämpften verbissen weiter. Cesen scheiterte im Eins-gegen-Eins an Noll (55.), und ein Gewaltschuss von Sascha Korb verfehlte das Tor nur um Zentimeter (70.). Holger Bux war gerade eine Minute auf dem Platz, als er von Gabriel Haider gefoult wurde - Elfmeter. Die Fans jubelten bereits beim Pfiff, doch dann folgte besagter Fehlschuss von Abruscia (73.). Aalen gab sich auch nach dem erneuten Rückschlag nicht auf und warf alles nach vorn. Als Seitz im Strafraum zu Boden gerempelt wurde, wollten die Schwarz-Weißen erneut einen Elfmeter (90.+4). Nicht so Cramer: „Nein, das war keiner.“ Der nach vorne geeilte Torwart Witte hatte in der siebten Minute der Nachspielzeit die letzte Torchance, dann war Schluss.

Fanprotest gegen Präsidium

Frust bei den Spielern, Frust beim Trainer und Frust auf den Rängen. Der der Ultras richtete sich allerdings wieder gegen die VfR-Oberen. Wie schon in Worms rollten sie das Spruchband mit der Aufschrift „Präsidium, verpisst euch!“ aus. Für die Spieler dagegen gab's Applaus. Und trotz der Niederlage ein Lob vom Trainer: „Die Mannschaft hat einer Topmannschaft Paroli geboten und sich nie aufgegeben. Hut ab“, sagt Tobias Cramer. Und: „Wenn wir das mit in die kommenden Spiele nehmen, wird sich das Blatt irgendwann wenden.“

Spielstenogramm:

VfR: Witte - Just (62. Schmidt), Schaupp, Bagci, Cesen - Korb - Meien (72. Bux), Wächter (72. Heckmann), M. Müller (88. Odabas) - Abruscia, Seitz

TSG: Noll (79. Draband) - Hagmann, Haider, Lässig, Bähr - Tohumcu, Elmkies - Che, Damar (90.+4 Kang), Kelati (72. Schmahl) - Proschwitz

Tore: 0:1 Kelati (50.)

Gelbe Karten: Bagci - Damar, Kelati

Bes. Vorkommnisse: Gelbe Karte für VfR-Torwarttrainer Tobias Linse (58.), Abruscia verschießt Foulelfmeter (73.)

Schiedsrichter: Christoph Rübe

Zuschauer: 1069

Stimmen zum Spiel: „Wenn wir die Chancen reinmachen, gewinnen wir das Spiel“

Alessandro Abruscia, VfR-Kapitän: „Wir sind schwer ins Spiel reingekommen, hatten wenig Zugriff. Nach dem frühen Rückstand direkt nach der Halbzeit haben wir eine Reaktion gezeigt. Wenn ich den Elfmeter reinmache, steht's 1:1 - und dann können wir etwas mitnehmen.“

Kristjan Arh Cesen, VfR-Linksverteidiger: „Wir haben alles gegeben, aber das war zu wenig vor dem Tor. Man muss nichts gegen den Schiedsrichter sagen, wir hatten klare Chancen.“

Tim Schmidt, VfR-Innenverteidiger: „Wir hatten zwei klare Chancen, wenn wir die reinmachen, gewinnen wir das Spiel.“

Giuseppe Lepore, VfR-Geschäftsführer: „Wir haben ein tolles Spiel gemacht, müssen aber mit dem Elfmeter den Ausgleich erzielen. So hat sich die Mannschaft nicht belohnt. Mit der Leistung des Schiedsrichtergespanns bin ich nicht zufrieden.“

Vincent Wagner, TSG-Trainer: „Ich war zum ersten Mal hier, und mir ist jetzt klar, dass es sehr, sehr schwierig ist, hier in der Ostalb-Arena zu gewinnen.“

Die Fans des VfR Aalen haben eine klare Meinnug zum Präsidium.
Sean-Andreas Seitz mit Valentin Lässig im Zweikampf.
Kapitän Alessandro Abruscia legt sich den Ball zum Elfmeter zurecht - und verschießt.
Jan Just muss mit einer Platzwunde am Kopf behandelt werden.
Mark Müller mit Tempo am Ball.

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