Alles andere als ein Kinderspiel

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Eine Nullnummer zum Freuen: Der erneut stark ersatzgeschwächte VfR Aalen erkämpfte sich auswärts beim Aufstiegsaspiranten TSV Steinbach Haiger ein verdientes 0:0. Die rund 150 mitgereisten Fans feierten hinterher gemeinsam mit den Profis.
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Vom Kreißsaal ins Stadion: Wenige Stunden nach der Geburt seines Sohnes erkämpft sich Niko Dobros mit dem VfR Aalen ein 0:0 beim Aufstiegsaspiranten TSV Steinbach Haiger.

Niko Dobros war die Erschöpfung anzusehen. "Ich kann nicht mehr stehen", sagte der Torjäger des VfR Aalen nach dem 0:0 beim TSV Steinbach Haiger. Verständlich, denn Dobros hatte gerade die aufregendsten 24 Stunden seines Lebens hinter sich. Der Torjäger war bereits mit der Mannschaft zum Auswärtsspiel angereist, ehe er zurück nach Böblingen eilte, um bei der Geburt seines Sohnes Leano dabei zu sein. Quasi ohne Schlaf ging's früh morgens zurück, um dann direkt in der Startelf zu stehen.

"Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen", sagt ein zufriedener VfR-Trainer Roland Seitz nach dem unerwarteten Punktgewinn beim Aufstiegsaspiranten. "Einen möchte ich aber herausheben: Niko Dobros. Ich ziehe den Hut vor ihm, wie er sich im Sinne der Mannschaft geopfert hat." Der Jungvater war in der Tat nicht der einzige Profi, der sich bei der weitesten Auswärtsreise der Saison auf die Schultern klopfen lassen durfte. Denn kaum einer hätte vor dem Spiel darauf gewettet, dass die erneut stark ersatzgeschwächten Ostälbler beim hoch gehandelten TSV Steinbach Haiger in der Lage sind, etwas Zählbares mitzunehmen. "Die Art und Weise, wie wir uns diesen Punkt erkämpft haben, war einfach sensationell", sagte Seitz, der nicht nur Dobros in die Startelf warf, sondern notgedrungen auch die beiden Neuzugänge Nico Lucas und Burak Gencal.

Und die Aalener "Rumpfelf" entpuppte sich bei hochsommerlichen Temperaturen von Anfang an als enorm widerstandsfähig. Der Favorit kam vor heimischem Publikum überhaupt nicht ins Spiel. Es waren stattdessen die Aalener um den überragenden Tim Grupp, die die ersten Nadelstiche setzten. Und ins gegnerische Tor trafen. Dobros setzte sich an der Grundlinie glänzend durch, seine Hereingabe drückte Michael Senger über die Linie. Das 0:1? Nein, weil Schiedsrichter Tobias Fritsch ein Stürmerfoul erkannt hatte. "Ich denke, das Tor hätte man geben können", sagte der Trainer. Der VfR Aalen ließ auch danach nicht locker. Dobros (26.), Andreas Knipfer (36.) und Kamil Tyminski (41.) kamen in aussichtsreichen Positionen zum Abschluss.

Zweimal rettet die Latte

Steinbach Haiger hatte nur zwei gute Möglichkeiten. Einmal war der gewohnt starke Keeper Daniel Bernhardt zur Stelle (18.), und der Schuss von Sasa Strujic strich knapp am Pfosten vorbei (23.). "Das war eine verschenkte erste Halbzeit", ärgerte sich TSV-Trainer Adrian Alipour – und stellte taktisch um. Und die gut 1200 Zuschauer sahen nun einen ganz anders auftretenden Gastgeber, der die Aalener gehörig ins Wanken brachte. 47. Minute: Bernhardt rettet gegen den freistehenden Sascha Marquet herausragend. 50. Minute: Dino Bisanovic trifft aus kurzer Distanz die Unterkante der Latte. 57. Minute: Nach einem Kopfball von Sören Eismann knallt der Ball wieder an die Latte. 69. Minute: Marquet kommt völlig frei zum Kopfball, wieder geht der Ball knapp vorbei. 85. Minute: Wieder ist Bernhardt gegen Bisanovic mit einer Glanztat zur Stelle.

Das wäre des Guten zuviel gewesen ...

Roland Seitz Trainer des VfR Aalen

Es lief bereits die Nachspielzeit, als der VfR Aalen beinahe noch den ganz großen Coup gelandet hätte. Michael Senger kam freistehend zum Schuss, der Angreifer traf aber den Ball nicht richtig. "Das wäre beinahe der Lucky Punch gewesen", sagte Seitz, gab aber zu, dass "das des Guten zuviel gewesen wäre".

An der guten Laune der Aalener änderte die vergebene Möglichkeit freilich nichts. Schon gar nicht bei Niko Dobros, der sich direkt nach dem Schlusspfiff wieder auf den Weg zu Frau und Kind machte.

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