Ausverkauft mit 823 Zuschauern?

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Der VfR Aalen wagt das Experiment: Wie viele Fans haben in der Ostalb-Arena Platz, wenn ein Corona-Sicherheitsabstand von 1,5 Metern auf den Tribünen eingehalten wird.

Maximal 12 215 Zuschauer passen mit der neuen Osttribüne in die Ostalb-Arena. Und beim VfR Aalen ist man zuversichtlich, dass ab der neuen Saison wieder unbegrenzt Fans ins Stadion dürfen und ein normaler Spielbetrieb mit Zuschauern, Bier und Bratwurst erlaubt ist. Trotzdem hat Geschäftsstellenmitarbeiter Louis Vosse ein spannendes Experiment durchgeführt.

Er hat ausgerechnet, wie sich das Fassungsvermögen der Arena verändert, wenn bei allen Zuschauern ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss. Das Ergebnis ist verblüffend.

Ausgestattet mit einem Meterstab ist Vosse auf die Tribünen gegangen. Weil's einfacher ist, hat der 26-Jährige auf den Sitzplatzrängen der Nord- und Südtribüne mit den Messungen begonnen. "Wenn wir drei Sitzschalen freilassen und nur jede vierte belegen, haben wir einen Abstand von 1,52 Meter zum Nebenmann", sagt Vosse.

Nur noch knapp 7 Prozent

In der Horizontalen müsste der VfR immer eine Reihe nach oben freilassen. Vosse hat dann einen Abstand von 1,42 Meter zur Person nach hinten gemessen. Vosse verdeutlicht es am Beispiel im Block J – dem größten Sitzplatzbereich. "Wir haben 38 Sitzschalen nebeneinander und 21 Reihen nach oben. Nutzen könnten wir dann in 11 Reihen je 10 Schalen." Das macht insgesamt 110 Plätze – statt der üblichen 798. Unterm Strich würden dem VfR Aalen damit auf der Nord- und Südtribüne insgesamt 606 Zuschauerplätze zur Verfügung stehen.

Deutlich komplizierter ist das Einhalten des Sicherheitsabstandes in den Stehplatzrängen. "Die Leute kommen sich zwangsläufig nahe. Sei es beim Rein- oder Rausgehen."

Fans und Emotionen gehören einfach dazu.

Louis Vosse VfR-Geschäftsstellenmitarbeiter

Louis Vosse hat aber auch da nachgemessen. Auf der neuen Osttribüne dürften dann theoretisch 32 Fans – 8 nebeneinander in 4 Reihen. Ein paar mehr sind auf der größeren Westtribüne. "Dort bekämen wir 17 Fans nebeneinander in 9 Reihen", sagt Vosse. Macht insgesamt 153 Zuschauer – plus 32 weitere im Gästeblock. 606 Sitzplätze plus 217 Stehplätze bedeuten eine Gesamtkapazität von 823 Zuschauern in der Ostalb-Arena. Nach Vosses Rechnung würde das Fassungsvermögen der Arena damit um 11 392 Zuschauer schrumpfen. Oder anders ausgedrückt: Der VfR Aalen könnte nur knapp 7 Prozent der Gesamtkapazität nutzen.

Der Mitarbeiter des VfR Aalen weiß freilich, dass das alles theoretische Werte sind. Weil Lockerungen nicht berücksichtigt sind. Weil Familien oder Personen aus einem Hausstand diese Abstände natürlich nicht einhalten müssen. Und dass Flächen neben den Tribünen wie bisher auch genutzt werden können. Vosse: "Wenn wir diese Faktoren einkalkulieren würden, kämen wir gewiss auf eine gute vierstellige Zuschauerzahl."

Für immer in der Schublade ...

Dennoch: "Man sieht durch diese Berechnungen einmal, wie groß die Auswirkungen des Sicherheitsabstandes auf die Nutzbarkeit wären." Vosse ist aber zuversichtlich, dass seine Zahlen in der Schublade bleiben. Denn: "Wir alle wünschen uns, dass ab der neuen Saison wieder ganz normal mit Zuschauern gespielt werden darf. Die Fans und die Emotionen im Stadion gehören einfach zum Fußball." Und: In der Praxis wäre das Einhalten des Sicherheitsabstandes ohnehin kaum realisierbar.

Spätestens dann nicht mehr, weil ein Verein ein Tor schießt und sich die Fans vor Freude in den Armen liegen ...

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